Schmuckband Kreuzgang

Weihnachtsrundbrief 2019 - Bischof Rinhold Nann (Caravelí / Peru)

Liebe Freunde in Deutschland!

Nun bin ich schon über 2 Jahre Bischof in Caraveli. Ich versuche jeden Tag neu für die Armen in den Anden ein Ansprechpartner und Begleiter zu sein. Langsam wird die Kirche von Caravelí von einer pfarrerzentrierten Institution zu einem Hospital für seelisch Verwundete, die oft im Glauben und in der Tradition ihren einzigen Halt haben.

Von Januar bis April hat mich Kurt Faulhaber begleitet, den ich als 11-Jährigen auf meinem ersten Ferienlager der Schönstattjugend kennengelernt habe. Diesmal hat er mir geholfen, mit der pastoralen Schriftrolle zu arbeiten, was sowohl bei den Pfarrern und Ordensschwestern der Prälatur wie auch bei der Schönstattfamilie gut ankam. Während dieser Zeit schrieb Kurt kräftig am Buch das gerade dazu erschienen ist: Michael Gerber u.a. „Pastoral am Puls“, Herder-Verlag. Im Sinne des „praktischen Vorsehungsglaubens“ von Pater Josef Kentenich konnten wir uns mit dieser Methode ganz praktisch von Gott führen lassen, besonders bei der Erarbeitung des Jahresmottos der Prälatur: „Ausgesandt um die Menschen barmherzig zu begleiten“. Mehr als leiten wollen wir begleiten: die Armen in der Pfarrcaritas, die Katecheten bei der Gemeindeleitung, die Jugendlichen in ihren Gruppen, die Menschen in ihrer andinen Kultur und Denkweise.

Ein großes Ereignis im Januar war die Pfarrmission in Caraveli, zu der 50 Laienmissionare der Schönstattbewegung aus Argentinien und vor allem aus Lima angereist waren. Ebenso hat mich die Weihe des neuen Erzbischofs von Lima, Carlos Castillo, Ende Januar sehr begeistert. Da geht die Erneuerung der Kirche im Sinne von Papst Franziskus ganz kräftig voran.

Im Mai war ich auf Heimaturlaub, wo ich eine gute Zeit mit meinen Geschwistern und meiner Mutter verbringen konnte, sie ist 85 geworden.

Seit Ende Oktober bin ich nun auf Firmreisen, von einer Pfarrei in die andere. In manchen Pfarreien bin ich mehrere Tage, wir fahren auch auf die Dörfer zur Firmung, wenn es mindestens 10 Firmlinge sind. So kam ich auch zu meiner bisher „höchsten“ Firmung, nämlich auf 4400m über dem Meeresspiegel. Es waren gerade einmal 14 Firmlinge in Negromayo, aber die Kapelle war so klein, dass wir die Feier davor auf dem Platz im Freien gemacht haben. Der Himmel war uns gut gesinnt, die heftigen Regenfälle kamen erst 1 Stunde nach der Feier. Besonders beeindruckt haben mich in dieser Kapelle die Heiligenfiguren, denen die Gläubigen eine Wollmütze und Wollschal verpasst haben, was in dieser Höhe halt einfach wichtig ist. Außerdem bekam ich einen Chuyo, eine Wollmütze mit Ohrenklappen in violett, was die übliche Bischofsmütze ganz wunderbar inkulturiert. Tja, so war ich 2 Monate lang am Firmen und zwischendurch nur einmal für ein paar Tage zu Hause in Caraveli, ein richtiges Nomadenleben.

Seit dem ersten September gibt es eine neue mexikanische Schwesterngemeinschaft in der Prälatur, 4 „Missionarinnen und Katechetinnen des Heiligen Josef“, sie helfen in Atico mit, sollen aber demnächst die Pfarrei in Chaparra übernehmen, wenn die Gemeinde das Schwesternhaus fertigstellt. Damit haben wir neben den „Seelsorgeschwestern aus Caraveli“ nun 3 mexikanische Schwesterngemeinschaften, eine davon (Familia in Corde Jesu) feiert gerade das silberne Jubiläum ihrer Station in Lampa.

Eure Spendengelder wurden dieses Jahr für Projekte der Pfarrcaritas verwendet. 7 Pfarreien haben Projekte für bis zu 1500 Euro durchgeführt: Altenspeisungen, Kinderspeisung, Gemüsegärten, Dachreparaturen bei Hagelschäden.

Ich hatte gehofft, bei Adveniat mehr Unterstützung für Kirchenbauten und Pfarreifahrzeuge (unerlässlich bei unseren weiten Entfernungen zu den Dörfern) zu bekommen bzw. beim Kindermissionswerk für Baumaßnahmen an unseren 3 Pfarrschulen. Leider werden solche Projekte immer weniger gefördert und die Wartelisten sind lang. Hoffentlich kann ich auf Eure Hilfe zählen. Diese Projekte sind nicht meine, sondern die meiner 22 Pfarreien, und die Erwartungen an einen deutschen Bischof sind halt schon da. Es tut mir immer wieder weh, viele Erwartungen enttäuschen zu müssen.

In meiner Gegend sind auch einige sozial-ökologische Konflikte ausgebrochen. Die Bauern stellen sich gegen die Mienen, oft mit gutem Recht, weil die Umweltbelastung meist nicht transparent kommuniziert wird und die soziale Verantwortung der Minen oft unzureichend ist. Allerdings gibt es auch jede Menge Kleinunternehmer, frühere Angestellte der großen Minen, die nur die große Miene weghaben wollen um dann dort Kleinstmienen zu errichten, die überhaupt keine Umwelt- und Sozial-auflagen beachten.

Die wirtschaftlich- politische Lage in Peru bleibt instabil. Der Präsident hat unter großem Beifall der Bevölkerung das weitgehend korrupte Parlament aufgelöst und Neuwahlen für Januar angesetzt. Dadurch blieben uns bisher die sehr gewalttätigen und spontanen Massendemonstrationen in den Nachbarländern Ecuador, Kolumbien, Bolivien und Chile erspart. In der Justiz hat Peru große Erfolge im Kampf gegen die Korruption zu verzeichnen, aber innerhalb der Staatsanwaltschaft und der Gerichte herrscht eine Art Vernichtungskrieg, und der Ausgang ist noch offen.

Natürlich habe ich die Amazonassynode sehr aufmerksam begleitet. Ich verstehe, dass es in Deutschland Enttäuschungen gibt, weil es in der Zölibats- und Frauenfrage keinen großen Durchbruch gab. Aber das waren für uns hier halt eher Nebenthemen. Die wirklich wichtigen Themen am Amazonas sind in den 4 Bekehrungen drin, und da ging es sehr gut vorwärts:

Ökologische Bekehrung – Pastorale Bekehrung – Kulturelle Bekehrung – Synodale Bekehrung.

Ich bin sicher, da werden wir noch einiges in der Region zum Weiterarbeiten haben und bin schon sehr gespannt auf das postsynodale Lehrschreiben von Papst Franziskus. Auch der deutschen Kirche wünsche ich einen guten synodalen Weg. Hoffentlich produziert er nicht nur Papier sondern auch konkrete Änderungen im Leben, Bekehrungen eben.

Papst Franziskus hat vor wenigen Tagen ein wunderbares Lehrschreiben zur Weihnachtskrippe verfasst. Daraus einen Weihnachtsgruss an Euch alle:

"Warum erstaunt und bewegt uns die Krippe so sehr? Vor allem, weil sie uns die Zärtlichkeit Gottes zeigt. Er, der Schöpfer des Universums beugt sich zu unserer Kleinheit hinab…

Die Krippe in ihrem franziskanischen Ursprung ist vor allem eine Einladung, die Armut zu „spüren“ und zu „berühren“, die der Sohn Gottes in seiner Menschwerdung für sich gewählt hat. Und sie ist eine Einladung für uns ihm auf dem Weg der Demut, der Armut, des Hinabsteigens zu folgen, der vom Stall in Bethlehem zum Kreuz führt. Es ist eine Einladung ihn zu finden und ihm barmherzig zu dienen in den bedürftigen Brüdern und Schwestern."

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest. Ich werde es diesmal in meiner ehemaligen Pfarrei „San Antonio de El Estrecho“ am Putumayofluss im peruanischen Regenwald feiern.

Caraveli, 15.12.19                                                         

Euer Bruder

Bischof Reinhold Nann