Schmuckband Kreuzgang

Corona-Tagebuch

Tagebuch (c) pixabay
Tagebuch
Mi 1. Jul 2020
CR

In der Kirche liegt ein Corona-Tagebuch aus, in welches Erfahrungen/ Erlebnisse der vergangenen Monate niedergeschrieben werden können.

Persönliche Erfahrungen, spirituelle Erfahrungen - was auch immer einen bewegt hat oder vielleicht jetzt noch bewegt.

Wer möchte, kann auch schreiben, wie es einem in der gottesdienstlosen Zeit ergangen ist bzw. wie es einem mit den nun wieder stattfindenden Gottesdiensten geht.

 

Gottesdienste in besonderen Zeiten

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich schon ein mulmiges Gefühl vor dem ersten Gottesdienst nach der langen (Zwangs-)Pause.

Ich hatte mich natürlich mit den vielen Regeln auseinandergesetzt, die nun -wie in vielen anderen Lebensbereichen auch- die Sicherheit aller Gottesdiensteilnehmer gewährleisten sollten.

Mund-Nasen-Maske beim Eintreten, Hände-Desinfektion, Datenerfassung, zugewiesener Sitzplatz, kein Singen, kein Friedensgruß….

Schwer vorstellbar, wie mir unter diesen Rahmenbedingungen der Gottesdienst auch nur im Ansatz das Gefühl von „Gemeinde/Gemeinschaft“ vermitteln sollte.

Aber mein Leidensdruck war groß.

Denn eines war mir in der Zeit der Krise sehr bewusst geworden: die vielen kreativen Angebote (Hausgottesdienste, Live-Übertragungen im Netz oder Fernsehen) waren nichts für mich. Ohne das persönliche Erleben von Gemeinschaft fehlte mir etwas ganz Substantielles für meinen Glauben.

Beim ersten Gottesdienst war die Anspannung und Unsicherheit bei fast allen Teilnehmenden spürbar; jeder war darauf bedacht, die Regeln einzuhalten und trotzdem war eine gewisse Vorfreude zu spüren, dass es endlich wieder losgeht. Allen Befürchtungen zum Trotz, war es ein sehr feierlicher Gottesdienst, nicht zuletzt wegen der musikalischen Gestaltung. Ich war sehr erleichtert; hatte ich doch große Bedenken gehabt. Manches kam mir noch fremd vor, aber die Abläufe waren gut durchdacht und vermittelten mir das Gefühl, dass verantwortungsbewusst mit der für alle schwierigen Situation umgegangen wird.

Mittlerweile erlebe ich die Gottesdienste entspannter: ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich oft auch ohne Anmeldung ganz spontan an den Gottesdiensten teilnehmen kann (wer auf Nummer sicher gehen will, meldet sich natürlich an). Alle Teilnehmenden gehen weiterhin verantwortungsvoll mit der Situation um; die „Regeln“ gelten weiterhin und führen dazu, dass ich mich sicher fühle und dennoch einen würdevollen und spirituellen Gottesdienst erleben kann. Die Vorstellung, den Gottesdienst stellvertretend für die Gemeinde zu feiern – so wie auch stellvertretend auf der Empore gesungen wird -  gibt mir ein gutes Gefühl.

Der Weg zurück zur Normalität ist noch weit. So werde ich es hoffentlich nie als „normal“ empfinden, dass Pfarrer Inziku mit derzeit „nur“ zwei Messdienern mit Mund-Nasenschutz einziehen…

Am meisten freue ich mich darauf, wieder gemeinsam zu singen und auf das Miteinander auch ohne die mittlerweile obligatorischen 1,5 m Abstand.

Ich freue mich über jeden Schritt, den wir gemeinsam in diese Richtung gehen können.

Martina Brenner