Schmuckband Kreuzgang

Frauenkommission des Bistums Mainz

Frauenkommission Stand Oktober 23_mitText (c) Janina Adler
Frauenkommission Stand Oktober 23_mitText
Datum:
So. 31. März 2024
Von:
Christa Richter

Interview mit Ina May (St. Jacobus, Kranichstein)

Gestaltungsmöglichkeiten in die Hand nehmen

das wünscht sich Ina May, Mitglied in der Frauenkommission des Bistum Mainz

Frage: Was ist die Frauenkommission?

Ina May: Die Frauenkommission ist etwas relativ Neues und Junges. Sie gibt es seit 2021. Auf Hinwirken der Frauenverbände hat Bischof Peter Kohlgraf zu einer Frauenversammlung einberufen, mit über 200 Teilnehmerinnen. Diese Frauenversammlung hat die allererste Frauenkommission gewählt. Der Bischof hat dann die gewählten Frauen für die Frauenkommission ernannt, das hatte er bereits vorher zugesagt. Die Erste Frauenkommission ging über zwei Jahre. Seit der Frauenversammlung 2023 sind wir in der zweiten Kommission, die für vier Jahre gewählt ist.  Wir sind 12 Frauen aus dem ganzen Bistum, von Heppenheim bis Alsfeld sind wir vertreten.

Die erste Kommission hatte die Aufgabe ein Statut zu erarbeiten und zu überlegen, was die Bedingungen sind, unter denen die Frauenkommission arbeitet. Wir beraten den Bischof und die Bistumsleitung. Konkret heißt das: Der Bischof kann Anfragen an uns stellen, zugleich hat er uns aber auch freie Hand gelassen. Er hat tatsächlich gesagt: Machen Sie mal und ich schau, was für Themen dann kommen. Das war ganz toll, weil wir in der ersten Frauenkommission dann wirklich einfach mal losdenken konnten: Wo sehen wir denn Bedarfe? Was muss für Frauen im Bistum getan werden?

Frage: Wie kam es, dass Sie in die Frauenkommission gewählt wurden?

Ina May: Die erste Frauenversammlung wurde 2021 überall beworben – im Darmstädter Echo, in Glaube und Leben. Ich habe immer gedacht: Ja, da müsste man doch eigentlich teilnehmen. Tatsächlich hat auch mein Mann immer gesagt: Jetzt melde dich da an. Und dann habe ich mich angemeldet. Bei der Anmeldung wurde gefragt: Wären Sie bereit für die Frauenkommission zu kandidieren? Und dann dachte ich: Ja, warum eigentlich nicht?

Bei der ersten Frauenversammlung gab es etwa 30 Bewerberinnen. Dafür wurden wir nochmal extra angeschrieben und mussten ein Bewerbungsschreiben formulieren. Es gab eine Broschüre für alle Teilnehmerinnen, in der sich jede Kandidatin vorgestellt hat. Und dann bin ich gewählt worden – und 2023 wurde ich wiedergewählt.

Das Gefühl war schon toll. Jetzt kann ich etwas gestalten. Es ist auch etwas ganz Besonderes, ja, Historisches gewesen, weil das die erste Frauenkommission im Bistum Mainz war. Man durfte an etwas mitbauen, das es vorher nicht gab. Es war schon etwas sehr Besonderes in diesen ersten zwei Jahren, die auch sehr arbeitsreich waren. Einmal, weil sie kurz waren und auch, weil wir zeigen wollten, wir schaffen was – da kommt auch etwas bei rum.

Frage: „Frauen und Katholische Kirche“ sind oft ein heißes Eisen in der Berichterstattung. Welche Wünsche tragen Sie mit hinein, in Ihre Arbeit?

Ina May: Mir ist es vor allem wichtig zu gestalten. Unsere Aufgabe als Frauen ist es auch, die Gestaltungsmöglichkeiten, wenn sie dann mal da sind, in die Hand zu nehmen.

Mein Mann und ich sind beide katholisch. Wir sind beide katholische Relilehrer und haben unsere Diskussionen Zuhause. Ein Punkt war, dass ich gesagt habe: Ich konnte mich überhaupt nicht dagegen entscheiden, Priesterin zu werden. Ich habe Theologie auf Lehramt studiert. Das war von Anfang an klar. Du konntest dich aktiv gegen diesen Beruf entscheiden und für den anderen Beruf. Ich hatte diese Option gar nicht. Das war schon auch etwas, das mich mit umgetrieben hat.

Wir treten mit dieser Frauenkommission nicht an, um in den nächsten vier Jahren Priesterinnen in unserem Bistum zu weihen. Das ist nicht der Punkt. Aber die Schritte zu gehen, die wir in unserem Bistum gehen können, und diese zu gestalten, das ist eine wichtige Motivation.

Frage: Wie arbeiten ihr in der Frauenkommission?

Ina May: Wir arbeiten ganz viel in verschiedenen Arbeitskreisen und online. Wir sind ja 12 Frauen. Da kann man nicht an allen Projekten gemeinsam arbeiten.

Von Anfang an bin ich in den Arbeitskreis Verkündigung gegangen. Das Thema Verkündigung hat mich interessiert. Ich habe gesagt: Es ist ja bei uns so, dass die Homilie, die Predigt, nur von einem geweihten Priester gehalten werden kann. Das bedeutet automatisch, dass die Homilie, und damit die Schriftauslegung, immer aus männlicher Perspektive geschieht. Wir Frauen schauen anders auf Texte. Und wir lesen andere Dinge heraus. In Bezug auf die Verkündigung sind wir 50% der Hörenden. Da ist es wichtig, diese Perspektive mit reinzubringen. Es wäre eine Bereicherung, ein Mehr. Dabei wird niemandem etwas weggenommen, es kommt etwas hinzu und das finde ich ganz toll. Das hat mich von Anfang an gereizt an dem Thema.

Sonst treffen wir uns etwa alle sechs Wochen mit der ganzen Kommission zusammen und zweimal im Jahr treffen wir uns mit dem Bischof. Zwei Stunden haben wir dann mit ihm. Wir gehen ganz intensiv mit ihm in die Gespräche und habe da im Moment auch einen wirklich guten Austausch mit ihm. Tatsächlich waren wir auch schon bei ihm in seinem Garten zum Grillen eingeladen. Das nächste gemeinsame Treffen ist an seinem Geburtstag. Die Zusammenarbeit ist sehr schön.

Darüber hinaus haben wir auch andere Treffen veranstaltet, z.B. zum Thema Berufung. Vom Arbeitskreis Verkündigung haben wir fünf ausgewählte Frauen eingeladen, die sich im Buch „Berufene Frauen“ geäußert haben. Auch der Bischof war da. Wir haben die Veranstaltung nur für die Frauenkommission und nicht öffentlich gemacht, weil es uns wirklich um die Begegnung mit den berufenen Frauen ging, darum, zu hören: Was bedeutet Berufung für euch? Jede von diesen Frauen, und auch der Bischof, haben ganz persönlich davon berichtet, wie ihre Berufungserfahrung war und was sie daraus machen. Das war ein unglaublich dichter und bereichernder Abend, der, glaube ich, auch bei ihm wirklich in Erinnerung geblieben ist. Das sind so die kleinen Schritte. Manche sagen dann, warum stellt ihr euch nicht vorne hin? Könnt ihr nicht Mal draufhauen? Nein, solche Schritte wollen wir nicht gehen. Wir gehen lieber gemeinsam Schritte.

Frage: Woran arbeitet ihr ganz konkret?

Ina May: Wir haben Vorschläge gemacht, wie wir uns als Frauenkommission vorstellen, dass Frauen in die Verkündigung gehen. Damit Frauen nicht nur im Kindergottesdienst bisschen Katechese machen und ein bisschen hier und da den Kindern was erklären. Wir wollen Frauen an prominenter Stelle, die in der Sonntagsmesse die Schrift auslegen. Wir haben gesagt, das müssen, wie bei den Männern auch, ausgebildete und beauftragte Frauen sein. Wir haben Berufsgruppen wie die Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten und die Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten, die ja tatsächlich in ihrer Ausbildung auch eine Homilieausbildung haben. Sie sind dafür professionalisiert, teilweise sogar in der Ausbildung dafür bewertet oder benotet. Und danach können sie es in dieser Form dann nicht mehr praktizieren. Diese Ressourcen nutzen wir nicht.

Es ist unser Wunsch und unser Vorschlag an Bischof Kohlgraf, dass wir schauen: Wo hat das Kirchenrecht Ausnahmen, wo hat es Spielräume, in die wir reingehen können und die wir nutzen können? Wir haben dem Bischof einen Vorschlag gemacht. Dabei sind wir im Austausch mit der Liturgiekommission, die auch an dem Thema arbeitet. Was dabei rauskommt, werden wir dann hoffentlich im nächsten Jahr sehen. Letztendlich liegt es dann aber bei der Bistumsleitung und beim Bischof. Wir geben Vorschläge und unsere Sicht ein. Was die Bistumsleitung damit macht, das bleibt und liegt in der Hand der Bistumsleitung.

Frage: Hat die Arbeit der Frauenkommission bereits direkte Auswirkungen auf die Arbeit vor Ort in der Gemeinde?

Ina May: Ganz konkret. Ja. Ich bekomme Input in der Frauenkommission. Es gibt den Arbeitskreis Sprache, der bereits ein Papier erarbeitet hat. Er geht der Frage nach: Wie sprechen wir von Gott und über Gott? Also ist es der Quell oder die Quelle? Welche Facetten hat Gott?  Die weiblichen Facetten machen wir uns nicht so bewusst, aber auch sie gilt es, mit unserer Sprache abzubilden. Wir haben uns auch gemeinsam mit anderen Akteuren zusammengetan, wie dem BDKJ oder den Queer-Beauftragten, die auch relativ neu sind in unserem Bistum. Wir haben überlegt: Wie sprechen wir, damit auch in dieser Hinsicht eine Öffnung da ist?

Ich glaube, dass davon auch schon etwas in den Gemeinden ankommt. Wenn ich zum Beispiel im Familiengottesdienst die Katechese mache, dann spreche ich von Jüngerinnen und Jüngern. Auch da gerät wieder etwas in Bewegung.

Ansonsten kommt in den Pastoralräumen an, dass wir dort in den Pastoralraumkonferenzen einen stimmberechtigten Sitz haben. Diesen kann jede Frau aus der Frauenkommission wahrnehmen. Ich schaffe das einfach zeitlich nicht. Das ist, wie immer in der Kirche. Man streckt bei einem Amt die Hand hoch und man hat fünf weitere Ämter. Ich habe aber auch schon so fünf weitere Projekte, sodass ich gesagt habe, dass ich das nicht auch noch leisten kann. Aber andere Frauen, die in anderen Lebensphasen sind, gehen in jede Pastoralraumkonferenz und bringen das Thema Geschlechtergerechtigkeit ein. Das ist sehr wichtig, denn sie tragen ihre Erfahrungen aus dem Pastoralraum auch zurück in die Kommission und in die Bistumsleitung.

Ina May, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Dominique Humm