Ent-Täuschung

Ent-Täuschung

Ent-Täuschung (c) Andreas Backert
Ent-Täuschung
Datum:
Mo 13. Jul 2020
Von:
Andreas Backert

Gestern war er, ein schöner Tag. Sonnig und warm. Im wahrsten Sinne des Wortes ein Sonntag.

Nun, was haben Sie gemacht? Gab es Momente, die Ihnen ein Gefühl von Gottesnähe geschenkt haben?

Ent-Täuschung

In Fidelis war es der zweite Sonntag ohne gemeinsame gottesdienstliche Versammlung und das Wort Enttäuschung begegnete uns in der vorigen Woche gleich mehrfach. Ja, Menschen sind ent-täuscht von der bewussten Entscheidung, die sonntägliche Gottesdienstfeier eine Weile ruhen zu lassen, um der Trauer um Vergangenes und der Vorbereitung auf Kommendes einen auch schmerzhaft spürbaren Platz zu geben. Trauer braucht Raum. Und dieser Raum ist reich mit Gefühlen gefüllt. Wir sind Ihnen dankbar, dass Sie Ihren eigenen Gefühlen Raum geben und diese auch uns gegenüber ins Wort bringen, durch einen Anruf, eine Mail, einen Brief, ein Gespräch. Wir möchten unsere Gedanken hier auf der Homepage dazu legen - als eine Art Replik ohne konkreten Adressaten. Mich bewegt vor allem das Wort Ent-täuschung, das uns in der letzten Woche begegnet ist. "Ich bin enttäuscht" - das bedeutet für mich auch, dass sich jemand ge-täuschtfühlt. Vielleicht auch, dass jemand etwas (uns Hauptamtliche?) ein-tauschenmöchte, gegen etwas oder jemand anderen.

Zu sehen, dass sich in vielen anderen Gemeinden Sonntags Menschen zum gemeinsamen Gottesdienst versammeln, in der "eigenen" Gemeinde aber nicht, schmerzt. Die haben, dürfen, können, machen etwas, was ich nicht habe, darf, kann!

Man fühlt sich alleine, im Stich, gelassen. Zumal die Hauptamtlichen ja da sind, um die man in Fidelis auch gerungen hat. Vielleicht drängt sich bei manchem die Frage auf, ob man sich in den Hauptamtlichen "getäuscht" habe. Dahinter stehen Bilder von Hauptamtlichen, von Kirche, ja vielleicht sogar vom eigenen Glauben, die anders sind, als das was man hier erlebt. Ich möchte Sie einladen, die gottesdienstlose Zeit besonders hierfür zu nutzen: Sehen Sie sich Ihre inneren Bilder an und sprechen Sie darüber. Das tun wir auch!

Mein Bild von Kirche

Welches Bild habe ich von Kirche; was ist für mich Kirche (und was auch nicht und warum?). Ist Kirche ein Ort zum hingehen, ein Ziel für das ich von zu Hause aufbreche, das ich ansteuere? Oder ist Kirche für mich auch, wenn ich zu Hause bin und die Schönheit meines Gartens oder meiner Balkonpflanzen genieße; mich mit meinem Nachbarn unterhalte oder im Tennisclub engagiert bin?

Bilder, die meinen Glauben prägen

Wie prägt dieses Bild meinen Glauben? Wo ist mein Glaube spürbar, schmeckbar, genießbar, begreifbar? Wo bekommt mein Glaube Hand und Fuß, "...wird Mensch?" und lassen Sie auch die Frage zu, warum ich am Sonntag einen Gottesdienst, eine Eucharistiefeier brauche und warum mir dafür meine eigene Kirche wichtig ist. Und fragen Sie sich, wie sich der Gottesdienst im Fernsehen oder auch in einer anderen Gemeinde für Sie persönlich anfühlt.

Dies sind Fragen, die auch wir in die nun kommende Woche mit hineinnehmen wollen.

"Das Theologiestudium schenkt Ihnen mehr Fragen, als Antworten!" Diesen Satz meines Professors zu Beginn des Studiums trage ich seitdem im Gepäck - vor allem ergänzt um den Nachsatz: "Gott schenkt Ihnen nicht die Antworten, aber er ist Ihnen im Fragen nahe!"