Gemeindebrief II - Erfahrungswelten verändern sich

Erfahrungswelten verändern (c) Pfarrei St. Fidelis
Erfahrungswelten verändern
Datum:
Fr 3. Jul 2020
Von:
Andreas Backert

Liebe Schwestern und Brüder, sehr geehrte Damen und Herren, 

ich bin von verschiedenen Seiten darauf aufmerksam gemacht worden, dass unsere Ankündigung, in Sankt Fidelis zur inneren Vorbereitung des Neubeginns als Campus St. Fidelis auf die Gottesdienste am Sonntag im Juli und August bewusst zu verzichten, für Unverständnis, Missmut und auch Verärgerung gesorgt haben. Daher möchte ich gerne noch ein paar erläuternde Worte dazu schreiben. Ich lade Sie auch ausdrücklich dazu ein und bitte Sie auch darum, mich direkt und persönlich zu kontaktieren und mit mir darüber ins Gespräch zu gehen. 

In meinem längeren Schreiben an die Gemeinde vom 28.06. habe ich schon versucht, die Beweggründe dieser Entscheidung und den spirituellen Wert deutlich zu machen.
Gerne möchte ich noch einmal aus meinem schon erwähnten Brief zitieren: „In den Sommermonaten Juli und August haben wir keine deutschen Gottesdienste am Sonntag. Bewusst wollen wir hier auch eine schmerzhafte Leere symbolisieren: Es ist vieles nicht mehr so wie es jahrzehntelang war. Es gibt auch die Erfahrungen von Verlust und Trauer. Die Sehnsucht hängt vielleicht auch noch am Vergangenen. Auch Menschen haben sich verabschiedet. Es braucht vielfach einen neuen Anfang. Der Grundstein dafür ist gelegt." 

Wir stehen am Standort St. Fidelis vor einer Zeitenwende. Es wird ab September 2020 immer mehr auch erkennbar eine neue Ausrichtung oder vielleicht besser ausgedrückt eine Veränderung und Ausweitung unserer pastoralen Arbeit geben. Für die Kirchengemeinde St. Fidelis bedeutet dies, dass wir als deutsche Gemeinde stärker und bewusster als bisher vielleicht wahrgenommen um ein Miteinander mit den anderen muttersprachlichen Gemeinden der Italiener und Kroaten wissen dürfen; 

und dass wir ein stärkeres Zusammengehen am gemeinsamen Ort gestalten und zulassen wollen. Mit der Umwidmung und Neugestaltung des Pfarrhauses haben wir dazu nun auch die äußeren Voraussetzungen geschaffen. Dazu kommt, dass wir zukünftig auch Einrichtungen des Caritasverbandes Darmstadt e.V. auf unserem Gelände beherbergen, was uns helfen darf unseren kirchlichen Blick für die vielfältigen und reichen Lebenswelten in unserer Gemeinde zu schärfen. Dies bedeutet in vielfacher Weise einen ParadigmenwechseL Dieser ist zugegeben manchmal anstrengend, aber auch - und davon bin ich tief überzeugt - zukunftsweisend und unverzichtbar. 

Wozu kann eine gottesdienstlose Zeit am Sonntag in den kommenden Wochen dienlich sein? 

Wir laden Sie ein, diese gefühlte Leere mit uns bewusst auszuhalten um für einen neuen Anfang gerüstet und bereit zu sein. Im Kirchenjahr kennen wir hier vor Ostern auch die Fastenzeit als eine besondere Heilszeit, die uns einlädt zur Besinnung und Umkehr, zur Neuausrichtung unseres Lebens und Miteinanders aus der Taufgnade von Ostern heraus. 

Genau darum geht es uns auch jetzt. So darf für uns alle die gottesdienstlose Zeit am Sonntag zu einer tief spirituellen Zeit werden, die wir bewusst auch miteinander teilen dürfen. 

Dazu gehört, dass wir auch bewusst ABSCHIED nehmen von einer Fideliswelt, wie sie sich bisher dargestellt hat. Ganz wesentlich ist dabei die Erinnerung an das viele Schöne, was gemeinsam erlebt, gestaltet, geträumt und gefeiert wurde. So wurden beim Ausräumen der Kellerräume viele handgemalte Plakate in die Hand genommen, die von großartigen Pfarrfesten und dem Engagement Vieler zu erzählen wussten. 

Wir laden Sie ein, das Gelungene wie auch das, was unfertig geblieben ist, was nicht geklappt hat, was Verärgerung und Frust ausgelöst hat, bewusst in Gottes Hände zu legen. Vielleicht sogar am Sonntagmorgen zur gewohnten Zeit um 09.30 Uhr. 

Im Gotteslob finden Sie unter der Nummer 675,4 die österliche Andacht zur Auferstehung. Wir laden Sie ein, diese Andacht am Sonntagmorgen in gemeinsamer Verbundenheit zu beten und Ihren persönlichen FidelisSchatz mit hineinzunehmen. 

Auch steht die Kirche in unserem Land vor großen neuen Herausforderungen und hat signifikante Probleme mit ihrer wachsenden Bedeutungslosigkeit gut, heilsam, menschendienlich und konstruktiv umzugehen.
Das Evangelium schenkt uns zu jeder Zeit kraftvolle Impulse, die konkret und immer neu umgesetzt und gelebt werden wollen. Dazu wollen wir auch am Standort Sankt Fidelis ganz bewusst einen neuen Anfang setzen. Wir haben Möglichkeiten dazu ganz eigener und besonderer Art und dürfen damit auch unser Dekanat Darmstadt und das Bistum Mainz in den Bemühungen um einen neuen Pastoralen Weg inspirieren und beschenken. 

Ein gutes und gelingendes Miteinander mit den anderen muttersprachlichen Gemeinden auf Augenhöhe und ein bewusstes Zusammenwirken von Caritas und Pastoral an einem Ort wird uns den spirituellen und konkreten Raum schenken, LEBEN, GLAUBEN, VERANTWORTUNG und RESSOURCEN miteinander zu teilen. 

Meine Bitte an Sie also ist: Gehen Sie bewusst diesen Weg mit. Halten Sie es aus, dass sich am Standort St. Fidelis Erfahrungs-Welten verändern. Jede auferlegte Veränderung kennt ihre ganz eigenen Trauerprozesse. Je besser und bewusster wir diese annehmen und auch gestalten können, werden sie uns auch zu neuen Hoffnungsperspektiven führen. Dies gilt für das Leben der Kirche und für unser eigenes Getauft-Sein ganz allgemein und konkret auch für das Gestalten von Christsein an dem uns anvertrauten und liebgewordenen Standort von St. Fidelis.
Konkret bedeutet dies: eine herzliche Einladung all denen, denen es zeitlich möglich ist, zu den Gottesdiensten jeweils am Montagabend um 18.00 h zusammen zu kommen. Ferner möchte ich wie oben beschrieben einladen, auch die Feier des Sonntags mit diesem Anliegen zu verbinden. Wir möchten Sie auch einladen, sich persönlich mit einem Wort aus dem jeweiligen Sonntagsevangelium auseinander zu setzen und dies - sofern Ihnen möglich - auch gerne auf unserer digitalen Mattermostplattform mit anderen zu teilen. 

Bleibt mir zum Schluss der Wunsch an Sie alle, dass Sie Kraft und Freude haben, die anstehenden Veränderungsprozesse mitzugehen, mitzutragen und mitzugestalten. Im Beten und Tun. Es stärkt uns, wenn wir in der Erfahrung von Leere und Tod, unserer persönlichen und gemeinsamen Trauer einen guten Raum und Ausdruck geben um daraus dann auch kraftvoll und dankbar den Weg von OSTERN 

und stets neu geschenkter und geteilter Hoffnung zu gehen. Mit herzlichen Grüßen und allen guten Wünschen, Ihr Pfarrer Johannes Gans