Gemeindebrief zum Sommer

Blühender Oleander - blühender Campus (c) Pfarrei St. Fidelis
Blühender Oleander - blühender Campus
Fr 26. Jun 2020
Andreas Backert

Brief an die Gemeinde - 28.06.2020

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freunde von St. Fidelis,

die Wende des Jahres mit den bevorstehenden Sommerwochen gibt uns vielfach Gelegenheit zum Innehalten. Da fällt der Blick zurück und es darf auch der Blick in die weitere Zukunft gerichtet sein.
Auch mit dem Schuljahresende werden viele andere Vorhaben erst einmal abgeschlossen und wir gehen allgemein in eine Sommerpause. In diesem Jahr, bedingt durch die uns alle
betreffende CORONA-Krise, ist vieles auch noch einmal ganz anders gelagert.
An unserem Standort St. Fidelis kommt noch ein Zu-Ende-Gehen, ein damit verbundener Umbruch und eine Neuausrichtung ganz anderer Art dazu.
Wir erleben seit Monaten, dass wir als deutsche Gemeinde inmitten einer starken Umwälzung sind. Signifikant dafür war sicher auch, dass wir bei der letzten Pfarrgemeinderatswahl keinen neuen Pfarrgemeinderat (PGR) gewählt haben und auch einen möglichen Nachwahltermin dafür nicht nutzen konnten.
Das war und bleibt bedauerlich. Den uns gestellten Aufgaben -auch im Blick auf die weitere pastorale Entwicklung im Dekanat Darmstadt- werden wir uns aber trotzdem mit Engagement widmen und dabei auch entscheidend die Möglichkeiten aus der uns anvertrauten neuen Perspektive einbringen.

Die neue Perspektive heißt: Campus St. Fidelis.

Mit der Sanierung und Umwidmung des Pfarrhauses in der Feldbergstraße wird der Weg frei für die Umsetzung der „Neuen Gesamtkonzeption am Standort von St. Fidelis". Nun ist es möglich, eine immer stärkere Zusammenführung der drei
unterschiedlichen katholischen Gemeinden voran zu bringen, ohne die jeweilige Identität aufzubrechen. Auch wird dadurch ein konstruktives Mitgehen auf dem neuen Pastoralen Weg im Dekanat und Bistum spürbar erfahrbar werden. Darüber hinaus werden wir am Standort St. Fidelis auch den Caritasverband mit der Gemeinwesenarbeit beherbergen sowie die PaMo Stadtteilwerkstatt (Pallaswiesen-/Mornewegviertel). Wir sind dankbar über bereits gewachsene Verbindungen zu unseren Nachbarn von der Darmstädter TAFEL e.V. und der Wohnsitzlosenhilfe HORIZONT e.V. und bereit für Kooperationen mit dem Wohnheim der KHG (Katholische Hochschulgemeinde Darmstadt).
Die Kernpunkte des neuen Pastoralen Weges im Bistum
(Leben teilen - Glauben teilen - Verantwortung teilen - Ressourcen teilen)
können im Projekt Campus Fidelis konkret umgesetzt und praktiziert werden. Dafür müssen wir neben den äußeren Voraussetzungen auch innerlich bereitet sein. Das Ganze ist auch ein spiritueller Weg.

Wir erleben -verstärkt erfahrbar auch jetzt durch die Coronakrise- dass sich die Kirche in unserem Land und in unserer Gesellschaft in einem grundlegenden Wandlungsprozess befindet und auf vielerlei Ebenen sehr angestrengt um eine neue Strahlkraft und Glaubwürdigkeit der Kirche gerungen wird.

„Was ist eure Relevanz, ihr Kirchen? - Wozu braucht man uns Christen überhaupt?",

so fragt Bischof Heiner Wilmer aus Hildesheim in einem
Gastbeitrag in der ZEIT (24–2020). Er spricht davon, dass die Kirche zu einer neuen Rolle finden muss, wenn das Christliche gesellschaftlich bedeutsam bleiben will. Er ist davon überzeugt, dass es gelingen kann, einen neuen Platz in der neuen Zeit zu finden: „Erst wenn wir uns eingestehen, wie radikal sich die Welt verändert hat, werden wir eine radikale Veränderung unserer Kirche wagen“, schreibt er. Bischof Wilmer spricht von einer notwendigen Spirituellen Revolution, die wir brauchen: „Wir müssen zu Suchenden werden. Das Ziel ist keine perfekte Kirche, sondern eine vielstimmige Gemeinschaft, die etwas zu bewahren hat und zugleich dynamisch ist.”

Mit unserem Projekt Campus St. Fidelis fühlen wir uns auf diesem Weg.

Wir spüren, wie wohltuend und inspirierend gewünschte und gute Kooperationen sind. Wir sind Gastgeber und Gast zugleich. Gerade auch die Kooperation mit den beiden muttersprachlichen Gemeinden, der kroatischen und italienischen Gemeinde am gemeinsamen Ort macht deutlich, was für einen guten Pastoralen Weg im Dekanat insgesamt wichtig ist: Das, was wir haben, gehört uns allen zusammen. Wir entwickeln einen gemeinsamen Raumnutzungsplan. Wir wollen und müssen miteinander teilen. Wir werden dadurch nicht ärmer, sondern reicher. Wir verabschieden uns von einem je eigenen Anspruchsdenken und sind dankbar für die Fülle, die im Gesamt erkennbar ist.

Gemeinsam genutzte Räume schaffen Verbindungen und lassen Netzwerke entstehen.

Im September dieses Jahres wollen wir ganz bewusst unser Miteinander am Campus St. Fidelis beginnen und unter den Segen Gottes gestellt wissen.
In den Sommermonaten Juli und August haben wir keine deutschen Gottesdienste am Sonntag. Bewusst wollen wir hier auch eine schmerzhafte Leere symbolisieren: Es ist vieles nicht mehr so wie es jahrzehntelang war. Es gibt die Erfahrungen von Verlust und Trauer. Die Sehnsucht hängt vielleicht auch noch am Vergangenen. Auch Menschen haben sich verabschiedet.
Es braucht vielfach einen neuen Anfang. Der Grundstein dafür ist gelegt.

Es gilt das Wort aus dem Ersten Petrusbrief: „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen."(1 Petr 2,5)

So wünsche ich mir und Ihnen allen viel Freude und Mut, Vertrauen und Zuversicht auf diesem zu gehenden gemeinsamen Weg. Ich bin dankbar für alle heilsame Weggemeinschaft im hauptamtlichen und ehrenamtlichen Dienst und grüße Sie herzlich,

Ihr Pfarrer Johannes Gans