Schmuckband Kreuzgang

ÖEWK – MERK-WÜRDIGES und AN-STÖSSIGES (15)

Von wahren Kosten, Wertschöpfung und Schadschöpfung

Ernteeinsatz (c) Bild: Christiane Raabe In: Pfarrbriefservice.de
Ernteeinsatz
Datum:
Di. 17. Jan. 2023
Von:
Für das Team des Ökumenischen Eine-Welt-Kreises: Gertrud Aulbach

Oft stellen wir fest, dass fair produzierte Waren – seien es Fairtrade-Güter aus dem Globalen Süden oder nachhaltig produzierte regionale Lebensmittel -  einen viel höheren Preis haben als herkömmliche Waren ohne Siegel. Manchmal wird deren günstiger Preis mit Vorteilen der Massenproduktion begründet. Aber eigentlich wissen wir alle, dass billige Preise oft zu Lasten der Arbeitnehmerrechte, des Klimas, des Artenschutzes, des Grundwassers, des Hochwasserschutzes ... gehen.

Für diese „SCHAD-schöpfung“ zahlen wir auf versteckten Wegen: z.B. in Form von Abgaben für Leitungswasser, das von Pestiziden oder Nitrat gereinigt  werden muss,  oder in Form von Steuergeldern zur Finanzierung fehlgeleiteter Agrarsubventionen oder Hilfs- und Reparaturmaßnahmen, beispielsweise nach Umweltkatastrophen.

Das so genannte True Cost Accounting, zu Deutsch „Berechnung der wahren Kosten“, versucht, ein Korrektiv für diese Schieflage zu schaffen. Beim True Cost Accounting werden nicht nur die direkten Produktionskosten für Rohstoffe und Arbeitskraft gemessen, sondern auch berücksichtigt, welche Schäden und welche Werte die Unternehmensaktivitäten in Umwelt und Gesellschaft schaffen.

Alle unsichtbaren Kosten, alle „SCHAD-schöpfung“, und die Risiken, die in einer nicht nachhaltigen Produktion liegen, werden in der Bilanz eines Unternehmen abgebildet. Höhere Kosten zeigen sich dann in höheren Preisen. Eine zukunftsgerichtete Produktionsweise, eine „WERT-schöpfung“, die den Erhalt der Lebensgrundlagen, Bildung oder Menschenrechte fördert, wird als Wert in der Bilanz festgehalten und ermöglicht günstigere Kredite oder staatliche Förderung.

Ich denke, auch dieses sperrige Thema ist es wert, betrachtet und öffentlich diskutiert zu werden. Liegt hier doch ein effektiver Hebel, über die Preisgestaltung nachhaltigen Konsum zu fördern.

Das katholische Hilfswerk Misereor hat zu diesem Themenkomplex ein Positionspapier erstellt, das nicht nur Forderungen an die Politik zur Einführung eines „True-Cost-Accounting“ enthält, sondern das Thema etwas ausführlicher und sehr verständlich erklärt.