Kirche auf dem Pastoralen Weg (4)

Herausforderung, Chance und die Zeichen der Zeit

 

Herausforderung:

Im Bistum Mainz hat mit dem „Pastoralen Weg“ seit drei Jahren begonnen, was in nahezu allen deutschen Bistümern schon seit über 20 Jahren im Gange ist: Bistumsprozesse zur strukturellen und pastoralen Neuordnung der Bistümer.

Die Gründe dafür sind zugegebenermaßen ernst, aber schon seit langem bekannt: Weniger Priester und Mitarbeiter/innen, weniger (aktive) Gläubige, weniger Finanzen und Ressourcen. Seit Jahrzehnten sind in Deutschland, ja in ganz Westeuropa, die Zahlen der Kirchenmitglieder rückläufig. Noch dramati- scher ist der Rückgang der „Gottesdienstbesucher“ und regelmäßig praktizierenden Christen (sowohl in der evangelischen als auch katholischen Kirche). Ein „Gläubigen-Mangel“ führt zu vielen anderen Formen des Mangels.

Unsere kirchliche Infrastruktur auf dem Stand der 1960er- und 70er-Jahre ist für heutige Verhältnisse viel zu umfangreich, denn damals nahmen im Bundesdurchschnitt mindestens fünf- mal so viele Menschen am religiösen Leben teil wie heute.

In vielen Orten werden heute kaum mehr als 10 % der Kinder getauft. Eine „Glaubensverdunstung“ hat eine in Westeuropa noch nie dagewesene Situation geschaffen, der wir kaum ge- recht werden können, indem wir die Gemeindekonzepte der 1960er bis -90er Jahre „verlängern“ und krampfhaft festhalten. Ja, so ernst ist die Situation, leider! Und es hilft nichts die Augen davor zu verschließen oder den „Boten“ der Nachricht die Schuld dafür zu geben. Christentum im 21. Jahrhundert erfor- dert grundsätzliche Neuansätze und eine Anpassung der kirchlichen Strukturen an die Realität.

 

Chancen und die Zeichen der Zeit erkennen

Aber auch heute sind Men- schen auf der Suche nach et- was, was ihrem Leben Sinn und Richtung geben kann, auf der Suche nach Spiritualität, auch wenn Viele ihrer Sinnsuche eher außerhalb der Kirche nachge- hen, aus vielerlei Gründen.

Aber wir sind ja davon überzeugt, dass das Evangelium und auch der Glaubensweg in der Gemeinschaft der Kirche uns hilfreiche Antworten auf der Suche nach Sinn, Wahrheit, Frie- den und Beheimatung geben können. Deshalb verweist uns der „Pastorale Weg“ auf die Aufgabe und Chance, unter den Gegebenheiten unserer Zeit die Fragen neu zu stellen, die das Kirche- und Christsein seit jeher ausmachen:

Was bedeutet der Glaube ei- gentlich? Was ist eigentlich die Aufgabe der Kirche? (-nicht Ge- bäudebewirtschaftung und Ver- waltung!-) Worin liegt die Kraft des Evangeliums und wie kön- nen wir sie für die Menschen er- fahrbar machen? Wie können wir unter den Gegebenheiten unserer Zeit den Glauben so le- ben, dass seine Relevanz und Aktualität spürbar werden? Wie können wir die Kirche und die Gemeinde so gestalten, dass in ihr zeitgemäß (und auch in Treue zur Tradition) der Glaube geteilt und gefeiert, Gott gelobt und erfahren sowie Seelsorge und Nächstenliebe praktiziert werden können? Welche Spra- che müssen wir sprechen und welche Zeichen sollen wir setzen, damit die Menschen von heute die Botschaft des Evangeliums verstehen und für ihr Leben als hilfreich entdecken können?

Zugegeben: Wir leben in einer kirchlichen Krisenzeit. Aber ich bin fest überzeugt, dass Gott uns auch durch Krisen wichtige Im- pulse geben kann, um uns zu zeigen, wofür wir als Kirche ei- gentlich da sind – und dass Er für uns da ist in unserer Suche nach Wahrheit, Sinn und Frieden.

Pfarrer Erik Wehner