Schmuckband Kreuzgang

Aus der Pfarrei Sankt Petrus Canisius zum fünften Ostersonntag

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So 10. Mai 2020
Pfarrer Helmut Bellinger

Liebe Pfarrangehörige, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, liebe Familien,

heute haben wir wieder am Sonntag um 9:00 Uhr und um 11:00 Uhr öffentliche Gottesdienste miteinander gefeiert. Alle Gottesdienstteilnehmer haben sich an die Abstandsregeln gehalten und Pfarrgemeinderatsmitglieder haben für den nötigen Ablauf gesorgt. Ganz herzlichen Dank für das gute Zusammensein.


Auch Werktags sind wieder Gottesdienste und an den nächsten Sonntagen, so weit uns das erlaubt ist.


Entnehmen Sie bitte der Gottesdienstordnung zu welchen Zeiten die Gottesdienste in unserer Kirche sind.


Beachten Sie bitte: auch weiterhin ist es Vorschrift, sich für die Gottesdienste anzumelden. Bitte tun Sie dies rechtzeitig, weil Anmeldungen nach dem Freitag Abend könnten schwierig berücksichtigen.

 

Vierter Sonntag der Osterzeit

 

Eröffnung

Wir feiern bereits das fünfte Mal das Fest der Auferstehung. An jedem dieser Sonntage gedenken wir des Todes Jesu und seiner Erweckung aus dem Tod. Wir werden dieses Geheimnis unseres Glaubens heute wieder feierlich aussprechen. Es soll uns überallhin begleiten, wo wir uns während der Woche aufhalten.
Heute gratulieren wir unseren Müttern zum Muttertag. Er ist keine Konkurrenz zu diesem österlichen Sonntag. Wir feiern ja den Gott des Lebens, der uns eine Mutter geschenkt hat, die uns das Leben weitergegeben hat.

1. Lesung: Apg 6,1–7
1 In diesen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, begehrten die Hellenisten gegen die Hebräer auf, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.
2 Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen.
3 Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen.
4 Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.
5 Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philippus und Prochorus, Nikanor und Timon, Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiochia.
6 Sie ließen sie vor die Apostel hintreten und diese legten ihnen unter Gebet die Hände auf.
7 Und das Wort Gottes breitete sich aus und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer; auch eine große Anzahl von den Priestern nahm gehorsam den Glauben an.

2. Lesung: 1 Petr 2,4–9
4 Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist!
5 Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen!
6 Denn es heißt in der Schrift: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde.
7 Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden,
8 zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt.
9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.

Evangelium: Joh 14,1–12
1 Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!
2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?
3 Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
4 Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr.
5 Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen?
6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.
7 Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.
8 Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.
9 Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?
10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.
11 Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!
12 Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater.
 
Gedanken zu Joh 14,1–12

»Zuhause ist es doch am schönsten«! Sie alle haben diesen Spruch schon einmal gehört, aber die Bedeutung von »Zuhause sein« geht ja weit über die eigenen vier Wände hinaus. Ist das Zuhause die eigene Wohnung? Ist es ein wohliges Gefühl? Oder sind es die Menschen, die dieses Gefühl von Geborgenheit vermitteln? Was bedeutet »Zuhause sein« für Sie?
»Zuhause« ist ein großes Wort. Es vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit und Liebe. Das Wort »Geborgenheit« ist in kaum eine andere Sprache übersetzbar. Es drückt Nähe, Wärme und Sicherheit aus. Laut einer Umfrage eines großen schwedischen Möbelhauses verbinden allerdings nur sieben Prozent der Befragten Zuhause mit einem spezifischen Ort. Das Zuhause umfasst auch die Umgebung, die Nachbarschaft und die Menschen. Außerdem gaben 41 Prozent der Befragten an, ihr Zuhause bewusst zu genießen und bei 69 Prozent löst allein der Gedanke an ihr Zuhause schon ein Gefühl der Ruhe aus. Zudem verbinden die Mehrheit der Befragten Gefühle wie Stolz, Freude und Entspannung mit ihrem eigenen Zuhause.
Sind Sie schon einmal umgezogen? Haben Sie schon einmal Ihr schönes Zuhause verlassen (müssen)? Weil Sie anderswo eine gute Arbeit und einen größeren Wohnraum für sich und Ihre Familie gefunden haben? Weil Sie Ihre große Liebe getroffen haben und unbedingt zu ihr ziehen wollten? Oder weil Sie Ihre bisherige Wohnung aufgrund Ihres Alters und den damit verbundenen Einschränkungen aufgeben und sich kleiner setzen mussten?
Ein Umzug bedeutet ja nicht nur, die eigenen vier Wände, in denen man (lange) gewohnt hat, zurückzulassen, sondern vor allem die Menschen, die Heimat und Geborgenheit vermittelt haben. Ein Umzug bedeutet mehr, als »nur« die Wohnungseinrichtung in Kisten zu packen und an einen anderen Ort zu transportieren oder transportieren zu lassen. Ein Umzug heißt auch: Menschen und Orte zurückzulassen, die einem ans Herz gewachsen sind.
Jeder Umzug ist deshalb begleitet von Trauer und Schmerz, von Abschied und Zurücklassen. Er macht Druck und Bauchschmerzen, Sorge und Angst. Das alles betrifft nicht nur die praktischen Fragen, also ob alles gut geht, ob die wertvollen Einrichtungsgegenstände keinen Schaden nehmen, ob die Möbel auch rechtzeitig angeliefert werden oder ob die Wohnung zum vereinbarten Zeitpunkt auch wirklich fertig ist. Das kommt auch daher, weil man nicht weiß, wie alles an der neuen Stätte sich entwickeln wird: Werde ich gute Nachbarn haben? Werden meine Kinder in der Schule schnell Anschluss finden? Nehmen die neuen Arbeitskollegen mich in ihr Team auf?
Jesus spricht im heutigen Evangelium nicht ausdrücklich, sondern indirekt vom Umziehen. Er vergleicht das Sterben, den Tod eines Menschen mit einem Umzug. Die Jünger Jesu fühlen sich durch seinen Fortgang, seinen bevorstehenden Tod, allein gelassen. Jesus tröstet sie und sagt: »Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich« (Joh 14,1). Und er stellt ihnen ein neues Zuhause in Aussicht: »Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin« (14,2f.).
Ich finde das Bild Jesu von den himmlischen Wohnungen großartig. Es zeugt für mich von seiner großen Menschenkenntnis. Jesus weiß offensichtlich ganz genau, dass ein Wohnungswechsel für uns Menschen absolut nichts Schönes ist. Er weiß darum, dass so etwas uns Druck und Bauchschmerzen, Angst und Sorgen bereitet. Und wenn er vom Sterben im Bild vom Umzug spricht, dann nimmt er offensichtlich ganz deutlich zur Kenntnis, dass wir Angst haben, dass unser Sterben und unser Tod uns Angst macht. Er weiß sehr wohl darum, dass auch für den Christen der Tod eine schaurige, ja grausige Sache ist, ein unangenehmes, schreckliches Erleben.
Es stimmt also nicht, wenn manche sagen, Christen müssten doch freudig auf ihren Tod zugehen. Sie haben schließlich eine Hoffnung, und sie müssten sich deshalb doch auf das Jenseits freuen, sie dürften deshalb keine Angst vor dem Sterben haben. Das stimmt ganz offensichtlich nicht! Jesus weiß darum, was Sterben für uns Menschen bedeutet.
Um diese dauerhafte Hausgemeinschaft als Sinnbild für das ewige Leben bei Gott geht es in unserem heutigen Evangelium. Johannes gibt hier eine bildhafte Antwort auf die Frage, die er in der Erzählung von der Erweckung des Lazarus aufgeworfen hatte: Wie sieht das ewige Leben bei Gott aus für die Seinen, wenn sie sterben? Er sagt es so: In der Zukunft wird sich ein für alle Mal vollenden, was die Glaubenden bereits jetzt im Zusammensein mit Jesus erfahren: die Begegnung mit Gott. Jesus und die, die an ihn glauben, werden im Haus des Vaters für immer beieinander sein. »Wo ich bin, werdet auch ihr sein« (vgl. 14,3).
Der Evangelist Johannes hatte schon zuvor das Leben bei Gott als eine große Hausgemeinschaft vor Augen gestellt. Er hat gegenübergestellt den »Sklaven« und den »Sohn«: Der »Sklave« bleibt, im Gegensatz zu Jesus und den von ihm Befreiten (vgl. 8,36), nicht für immer im Haus; er muss es irgendwann einmal verlassen. Der »Sohn« und Erbe aber kann bleiben (vgl. 8,35).
»Zuhause ist es doch am schönsten!« – so könnten wir im Hinblick auf das heutige Evangelium sagen und hinzufügen: »Zuhause bei Jesus ist doch am schönsten«! Er schenkt uns die Zuversicht, dass wir erwartet und willkommen sind, wenn wir unsere irdische Wohnung einmal verlassen müssen. Eine solche Aussicht kann unserer Sorge und Angst vor dem letzten Umzug das Bedrohliche nehmen!

Fürbitten

In Glauben und Vertrauen beten für zu Gott, als Freund des Lebens:
- Beten wir für alle Christen: Um Freude am Glauben, um Herzlichkeit im Umgang miteinander, um Bereitschaft zum Dienst an den Menschen.
- Beten für die Hauptamtlichen: Um Kraft und Elan, um Begeisterung und Bereitschaft, das Wort Gottes auszulegen und zu verkünden.
- Beten wir für die Völker der Erde: Um Freiheit und Wohlergehen, um Verständnis und Einheit, um Solidarität und Frieden.
- Beten wir für die jungen Menschen: Um Fairness, Gesundheit und Lebensfreude, um Erlebnisse, die Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Altersgruppen zueinander führen.
- Beten wir für alle, die Sorgen haben und die in dieser Welt zu kurz kommen: Um Mut für die Bedrückten und Suchenden, um Zuversicht für die Kranken und Einsamen.
- Beten wir für alle, die uns in den Tod vorangegangen sind: Um Vergebung aller Verfehlungen und ewiges Leben bei dir.
Gott, unser Vater, in deinem Sohn schenkst du denen das Heil, die auf dich vertrauen. Dir danken wir jetzt und zu aller Zeit. Amen.

Segnung am Muttertag

Seid gesegnet in euren Kindern.

Die Liebe, die ihr ihnen erweist,
möge euch vergolten werden,
der Verzicht auf Vieles
sich in Reichtum wandeln.

Die Mühen, die ihr auf euch nehmt,
möge Gott euch lohnen:

Er lasse euch die Kinder
eurer Kinder sehen
und schenke euch
und ihnen Gesundheit, Frieden und Glück.

So segne euch und uns alle
der Menschen liebende Gott:
der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
 
 
Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen eine gute Zeit,

Ihr

Msgr. Helmut Bellinger, Pfr.
Diözesanbehindertenseelsorger
Diözesangehörlosenseelsorger
zgl. Pfarrer von Sankt Petrus Canisius
Mainz-Gonsenheim