Schmuckband Kreuzgang

Aus der Pfarrei Sankt Petrus Canisius

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Do 21. Mai 2020
Pfarrer Helmut Bellinger

Liebe Pfarrangehörige, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, liebe Familien,

heute ist das Fest Christi Himmelfahrt. Seit vielen Jahren ist dieser Tag in unserer Gemeinde der Tag, an dem unsere Kinder zur Ersten Heiligen Kommunion gehen.


In diesem Jahr war dies leider in der großen feierlichen Form nicht möglich.
Damit die Kinder aber nicht mehr auf eine unbestimmte Zeit warten müssen, haben in zwei Gottesdiensten die Kinder von zwei der drei Gruppen heute das erste Mal die Kommunion empfangen in der genehmigten Form mit den vorgeschriebenen Abstandsregeln und nur mit Eltern und Geschwistern als Mitfeiernde.


Am kommenden Sonntag werden um 11:00 Uhr die Kinder der dritten Gruppe das erste Mal die Heilige Kommunion empfangen unter den gleiche Regeln.

Für die Kinder und ihren Familien war es ein ganz besonderes Erlebnis und hat eigentlich besonders den Kern dieser Feier besonders betont: die Begegnung mit Jesus Christus im heiligen Brot.


Für die Gemeinde fiel das Fest Christi Himmelfahrt nicht einfach aus. Im Vorabendgottesdienst und im Gottesdienst um 9:00 Uhr haben wir als Gemeinde unter den vorgeschriebenen Regeln das Fest gefeiert.

Hier nun die Texte, Bilder und Gedanken zum Fest:


Christi Himmelfahrt 2020


Eröffnung

Wir feiern Christi Himmelfahrt: Jesu Abschied von den Jüngern. Wer sich verabschiedet und seine Freunde, Familie, Verwandten verlässt, möchte in deren Erinnerung bleiben. Am liebsten in guter Erinnerung.
In guter Erinnerung haben die Jünger ihren Jesus behalten. Sie feierten ihre Erinnerung an ihn in der Danksagung, der Eucharistie, und gaben ihre Erinnerung in ihrer Verkündigung weiter. Das geschah und geschieht bis zu uns heute.

Gebet
Lasst uns zu Gott beten.
Gott, du hast deinen Sohn zu uns Menschen gesandt, hast ihn durch sein Leben geleitet, hast ihn im Leiden gehalten, ihn auferweckt und zu dir gerufen. Nimm auch für uns deine Vater- und Mutter-Rolle wahr.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert, jetzt und in Ewigkeit. Amen.

 

1. Lesung: Apg 1,1–11
1 Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus von Anfang an getan und gelehrt hat,
2 bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde. Vorher hat er den Aposteln, die er sich durch den Heiligen Geist erwählt hatte, Weisung gegeben.
3 Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.
4 Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt!
5 Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft werden.
6 Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?
7 Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat.
8 Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.
9 Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.
10 Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen
11 und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

2. Lesung: Eph 1,17–23
17 Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt.
18 Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt
19 und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke.
20 Er ließ sie wirksam werden in Christus, den er von den Toten auferweckt und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben hat,
21 hoch über jegliche Hoheit und Gewalt, Macht und Herrschaft und über jeden Namen, der nicht nur in dieser Weltzeit, sondern auch in der künftigen genannt wird.
22 Alles hat er ihm zu Füßen gelegt und ihn, der als Haupt alles überragt, über die Kirche gesetzt.
23 Sie ist sein Leib, die Fülle dessen, der das All in allem erfüllt.

 

Evangelium: Mt 28,16–20
16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.
17 Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder, einige aber hatten Zweifel.
18 Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde.
19 Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Gedanken zum Evangelium
Worauf kann ich mich eigentlich wirklich verlassen? Zugegeben, die Frage stellt sich mir so radikal nur sehr selten – vielleicht dann, wenn ich wieder einmal zutiefst enttäuscht wurde, meine Erkenntnisse und mein Vertrauen in Menschen zum Beispiel verkehrt waren. Aber in der Regel verlasse ich mich doch einfach darauf, dass alles irgendwie läuft: Wenn ich mich abends hinlege, gehe ich davon aus, dass ich am nächsten Morgen wieder wach werde und aufstehe. Wenn es nachts dunkel wird, bin ich davon überzeugt, dass es am nächsten Tag wieder hell wird. Ich verlasse mich darauf, dass Terminabsprachen eingehalten werden und dass mich der Zugführer sicher ans Ziel bringt, dass mein Arzt mich richtig behandelt und die Lebensmittel, die ich kaufe, genießbar sind. Auch und gerade, wenn es um persönliche Beziehungen geht, verlasse ich mich auf die Zusage von Freund und Freundin, Partner und Partnerin, dass sie zu ihrem Wort stehen. Anders wäre das tägliche Zusammenleben, ja, das eigene Überleben wohl auch nur schwer möglich.
In den allermeisten Fällen habe ich Vertrauen in die Dinge, die mir begegnen, und in die Menschen und bezweifele sie auch nicht. Erst wenn etwas schiefgelaufen ist, kommen die Gedanken: Wäre ich mal nicht so blauäugig gewesen, hätte besser nachgefragt, Kritik geübt, gar gezweifelt. Aber dann ist es meistens zu spät.
Dabei muss ich bei ernsthafterem Nachdenken doch grundsätzlich feststellen: Eigentlich ist nichts sicher in der Welt, und es steht letztlich auch gar nichts fest. An allem kann ich zweifeln, denn es gibt keine Sicherheit, weder dass der nächste Morgen kommt, noch dass es außer mir eine Wirklichkeit gibt. Mag ich auch noch so gute Erfahrungen mit den Versprechungen meiner Freunde haben, es gibt keine Garantie, dass ich nicht doch einmal von ihnen enttäuscht werde. Nichts ist sicher in dieser Welt!
Allerdings gibt es eine Ausnahme, und die lehrt die Philosophie: Das Einzige, was feststeht, ist die Tatsache, dass ich bin. So sagt das jedenfalls der große französische Philosoph René Descartes (1596–1650) und vergewissert sich darüber so: »Ich denke, also bin ich.« Oder, um es noch pointierter zu sagen, auf die Fragestellung, dass ich alles bezweifeln kann: »Ich zweifele, also bin ich.« So gesehen gehört der Zweifel zum Leben dazu und das nicht nur in dieser philosophisch existentiellen Weise der Selbstvergewisserung.
Gut, dass es nämlich den Zweifel gibt: Denn ohne Zweifel keine Wissenschaft und keine neuen Erkenntnisse! Der Zweifel hinterfragt scheinbar feststehende Tatsachen, ist neugierig und hält den Verdacht offen: Es könnte doch alles auch noch ganz anders sein. Wie lange hielten die Menschen die Erde für eine Scheibe, bis sie daran zweifelten und feststellten, dass sie eine Kugel ist? Dann dachten sie, die Erde als Kugel sei das Zentrum des Universums und um sie drehen sich Sonne, Mond und Sterne. Und wieder wurde durch den Zweifel eine neue Erklärung gefunden: Die Erde ist nicht das Zentrum, um das sich alles dreht, sondern sie dreht sich um die Sonne als dem Mittelpunkt des Weltalls. Heute geht man davon aus, dass unser Sonnensystem nur eines unter unzähligen ist. Wer weiß, was der Zweifel und damit die Forschung noch Anderes und Neues herausbringen werden? Der Zweifel eröffnet neue Horizonte.
Schließlich gilt das auch für das Zusammenleben unter den Menschen. Wie gut ist es, wenn eigene Urteile und vor allem Vorurteile einmal angezweifelt und kritisch hinterfragt werden. Der Zweifel unterstellt auch hier ganz neutral: Es könnte doch alles ganz anders sein. Vielleicht sind ja meine Vorstellungen und Vermutungen, ja meine Erkenntnisse in Bezug auf andere Menschen gar nicht richtig?
Wie oft muß ich meine Meinung über Jemanden ändern, wenn ich erst einmal besser kennen gelernt habe, wenn ich besser verstehen kann, weil ich Hintergründe erfahren habe, die alles in einem anderen Licht erscheinen lasse.
Natürlich – und das darf nicht verschwiegen werden – die Antwort auf den fragenden Zweifel muss nicht zwingend positiv ausfallen. Wer zweifelt, der muss bereit sein, auch mit der Antwort zu leben – egal wie sie ausfällt. Zweifel ohne das Risiko einer unangenehmen Antwort und Überraschung gibt es nicht.
Wer zweifelt, der verlässt scheinbare Sicherheiten und hält die Möglichkeit offen: Es könnte doch alles auch ganz anders sein. Und genau das verbindet den Zweifel mit dem Glauben. Auch der Glaube unterstellt: Es könnte doch alles ganz anders sein, ohne eine Gewissheit zu haben. Und beide, der Zweifel und der Glaube, bergen dasselbe Risiko in sich: die Erkenntnis aus dem Zweifel beziehungsweise aus dem Glauben kann positiv oder negativ ausfallen, und damit wird man leben müssen. Was das konkret bedeutet, zeigt das Evangelium am heutigen Hochfest Christi Himmelfahrt. Da heißt es, dass die Jünger nach Galiläa auf einen Berg gegangen sind und den auferstandenen Jesus sehen. Eigentlich ist das nach aller bisherigen menschlichen Erkenntnis unmöglich, denn Jesus war gestorben und begraben worden. Aber der gläubige Verdacht sagt wohl: Es könnte doch alles auch ganz anders sein, und er lebt. So geglaubt, verehren die Jünger den, den sie da sehen. Gleichzeitig wird aber auch gesagt: »einige aber zweifelten«. Was sie da sehen, könnte auch etwas ganz anderes sein, vielleicht ein Trugbild, eine Projektion, alles andere nur nicht dieser Jesus. Glaube und Zweifel stehen beide für die Ungewissheit, ob und was dort zu sehen ist. Alle Erkenntnis wird durch Zweifel und Glaube in Frage gestellt und eröffnet so noch einmal ganz neue Möglichkeiten: Die Möglichkeit, dass mit dem Tod doch nicht alles aus ist, das heißt, die Möglichkeit, dass Jesus lebt, wie umgekehrt, dass das, was hier gesehen wird, ein Trugbild ist.
Zweifel und Glaube eröffnen so neue Horizonte: Es könnte doch auch alles noch ganz anders sein, ohne jegliche Gewissheit. Und mit dieser Situation können und müssen die Jünger jetzt leben.
Genau das aber beschreibt doch auch die Situation der Christen bis heute. Es gibt keine Gewissheit, ob Jesus lebt, ob er in den Himmel aufgefahren ist, ob er zur Rechten Gottes sitzt. Es bleiben nur der zweifelnde Glaube und der gläubige Zweifel, den Verdacht offen zu halten: Es könnte doch alles ganz anders sein, gegen alle bisherigen Erklärungen und Erkenntnisse ausgehend von dem Einen, was feststeht: »Ich zweifele, also bin ich.« Es könnte sein, dass dieser Jesus doch lebt.
Damit aber nicht genug. Der Text bei Matthäus endet mit einer anderen Pointe, die der Selbstvergewisserung des Menschen »Ich zweifele, also bin ich« und dem Verdacht »Jesus lebt« noch etwas hinzufügt. Es ist wie ein Vermächtnis, das Matthäus der Nachwelt hinterlässt. Er lässt Jesus sagen: »Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.« Dieser Satz, der das gesamte Evangelium beschließt, ist eine Zusage, dass Gott selbst noch beim Menschen gegenwärtig ist, wenn dieser zweifelt.
Natürlich – auch das kann ich wieder bezweifeln. Aber dann gilt mit dem Zweifel auch: Es könnte doch alles auch wieder ganz anders sein. Der Zweifel schließt ja nicht aus, dass der Verdacht vielleicht doch stimmt: Dass Gott bei mir ist, wenn ich an Gott zweifele.

Fürbitten
Guter Gott, deinem Willen entsprechend hat dein Sohn seine irdische Aufgabe erfüllt. In die Fortführung deines Willens hat er uns hineingenommen. Darum richten wir unsere Bitten an dich:
 
- Über unsere Botschaft vom Gott, der Leben schafft und immer wieder Leben schenkt, sprechen wir oft gar nicht.
Befreie uns von falscher Vorsicht und Angst.

- Viele Menschen sehnen sich nach Gesprächspartnern, die ihnen die Herzen und Augen öffnen für Gott.
Führe uns zu den Menschen, die in unseren Worten deine Stimme hören wollen.

- Die Kirche deines Sohnes ist oft zu menschlich im schlechten Sinne des Wortes.
Ermutige uns zu Ehrlichkeit, Einsicht und tiefer Reue.

- Wie einige Jünger zweifeln auch wir an der Auferstehung Jesu und der Toten.
Öffne unsere Herzen und unseren Verstand für deine alles und jeden umfassende Lebenssorge und nimm unsere Toten zu dir.
 
Gnädiger Gott, erhöre unsere Bitten und begleite uns, damit wir eintreten in dein Reich durch Christus, unseren Bruder, den Herrn. Amen.
 
 
Ich wünsche Ihnen und Euch von ganzem Herzen eine gute Zeit,

Ihr

Msgr. Helmut Bellinger, Pfr.
Diözesanbehindertenseelsorger
Diözesangehörlosenseelsorger
zgl. Pfarrer von Sankt Petrus Canisius
Mainz-Gonsenheim