„Ein kleines bisschen Sicherheit“

Der beschützende und liebende Vater (c) Johannes Simon (Foto) | Gustav Vigeland (Skulptur) auf Pfarrbriefservice.de
Der beschützende und liebende Vater
So 23. Jun 2019
Simone Kreuzberger

Geistliches Wort vom 22.06.2019

Liebe Leserinnen und Leser,

wussten Sie nach dem Ende Ihrer Schulzeit schon genau, welchen Beruf Sie einmal ergreifen werden oder ob sich Ihr beruflicher Werdegang einmal genau dahin entwickeln wird, wie die Tätigkeit, der sie heute nachgehen? Vielleicht hat man eine gewisse Vorstellung davon, in welcher Richtung man einmal arbeiten möchte, aber ob man dann bis zum Antritt der Rente auch tatsächlich dieser einen Tätigkeit nachgehen wird, ist wie ich vermute eher unwahrscheinlich. Wie wichtig und wertvoll ist es ja auch, sich immer wieder weiterzuentwickeln. Gerade zum Ende der Schulzeit jetzt so kurz vor den Sommerferien sind sich auch viele junge Menschen immer noch unsicher, was ihre berufliche Zukunft angeht – und das aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Berufsbilder ändern sich wie auch unsere Lebensentwürfe. Nichts ist vollkommen sicher oder wie der Ausspruch von John Lennon so schön beschreibt: „Leben ist das was passiert, während du eifrig dabei bist andere Pläne zu machen“. Neue, vielleicht ungeplante Wege bergen ja auch neue Chancen und doch können sie uns auch zutiefst verunsichern.

Die Sehnsucht nach Sicherheit – sei es nun im beruflichen, im privaten Bereich oder in viel größerem Rahmen gesehen – ist ein Urbedürfnis von uns Menschen. Vielleicht kennen Sie das Lied „Irgendwas bleibt“ von der Gruppe Silbermond. Darin ist dieser Wunsch nach Sicherheit sehr schön beschrieben, der so tief und beständig in uns steckt. Dort heißt es: „Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit, in einer Welt, in der nichts sicher scheint“. Dieser Wunsch nach Sicherheit bestimmt permanent unser Handeln. In der Schulzeit lernen wir für gute Noten, wir buchen schon im Herbst den Urlaub für den nächsten Sommer, laden Virenschutzprogramme auf unseren Computer und lassen unser Auto checken, damit es nicht plötzlich liegenbleibt. Überall geht es um das Gefühl von Sicherheit. Und doch bleibt es beim Gefühl. Wirklich sicher können wir uns nicht sein, dass nicht doch etwas geschieht, das nicht planbar und nicht „versicherbar“ war. Vollkommene Sicherheit jedoch ist nicht realisierbar, sie wird im Leben immer nur ansatzweise möglich sein.

So erleben wir das auch ganz allgemein in unserer Welt: Familien, Bildung, Arbeitsmarkt, Sozialsysteme, Staatsfinanzen – überall gibt es Krisen und niemand kann sagen, wohin sich das alles entwickelt. Neu ist das keinesfalls, Krisen gab es zu allen Zeiten. Vielleicht ist das besondere auf unsere heutige Zeit bezogen, dass die Welt immer schnelllebiger zu werden scheint und Intervalle von Veränderungen kürzer werden. Wie ein Hilferuf scheint da dieser Satz zu klingen: „Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit in einer Welt, in der nichts sicher scheint“.

Was können wir also diesem Gefühl von „Unsicherheit“ entgegenstellen? Vielleicht hilft uns der Blick in die Bibel. Da ist von Menschen die Rede, die Sicherheiten aufgeben und sogar ihr altes Leben radikal hinter sich lassen: von Abraham über Mose bis hin zu Jesus lesen wir da und können eigentlich nur staunen über ihr tiefes Gottvertrauen. Aber auch sie erleben Zweifel und ein Gefühl von Unsicherheit, was Gott da mit ihnen vorhat. Und doch lässt Gott sie nicht im Stich. Alles führt zu einem guten Ende.

So zu glauben ist auf unser Leben übertragen ein hoher Anspruch. Manchmal sind es ganz schön große Brocken, die uns da auf unserem Lebensweg zum Stolpern bringen. Und doch können wir von den biblischen Gestalten lernen: immer ist da die Zusage Gottes, dass er all ihre Schritte begleitet. Es ist zwar immer ein Aufbruch ohne letzte Sicherheit, aber immer mit einem begründeten Vertrauen.

Gott ist ein mitgehender Gott. Auch wenn nicht jeder Abschnitt unseres Lebens verständlich ist und unser Gefühl nach Sicherheit durchaus strapaziert wird, fügt sich letztendlich alles zu einem großen Ganzen zusammen. Auch wenn wir manchmal nicht verstehen, warum unser Leben in ungeplanten Bahnen verläuft, so dürfen wir trotzdem darauf vertrauen, dass Gott bei uns bleibt, wohin wir auch gehen. Gott bleibt, auch wenn wir uns verändern.

Ich wünsche uns allen die Kraft, das Geschick, den Mut und das Glück, in unserem Leben immer wieder neue Wege zu finden und zu gehen. Ich persönlich vertraue darauf, dass Gottes Segen uns auf diesen Wegen begleitet.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Simone Kreuzberger, Gemeindereferentin St. Marien