Es gibt was zu Feiern - Geistliches Wort

Wandmalerei Strassenfest (c) Peter Weidemann auf pfarrbriefservice.de
Wandmalerei Strassenfest
Do 22. Aug 2019
Markus Kreuzberger

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn ich die Wilhelm- Leuschner- Straße in Griesheim entlang gehe, fallen mir die vielen Banderolen auf, die auf die zahlreichen Feste und Feiern in Griesheim hinweisen. Feste von Vereinen und Kirchengemeinden, die Kerb, der Zwiebelmarkt und am 1.9. auch das Pfarrfest der Gemeinde St. Marien.

Ein Fest bedeutet Begegnung und Gemeinschaft zu feiern, denn Feste feiert man nicht mit sich selbst.

Menschen feiern schon seit uralten Zeiten. Das Fest, vom lateinischen festum, ein für das Feiern vorgesehener Zeitabschnitt, ist ein besonderer, vom Alltag herausgehobener Zeitraum. Verwandt damit ist auch ist das Wort Feier, vom lateinischen feriae. Beide Begriffe wurzeln im Begriff fanum: das Religiöse.

Während eines Festes ruhten profane, alltägliche Tätigkeiten.  Feste und Feiern gliedern die Zeit in Zyklen, Perioden und Rhythmen. Diese Einteilung half den Menschen überhaupt, die Zeit für sie handhabbar zu machen, denn der Mensch braucht Rhythmen in seinem Leben, an denen er sich orientieren kann. Als die Zeit noch nicht mit Uhren gemessen wurde, errechneten in den alten Hochkulturen Astronomen und Mathematiker Festtage. Diese wurden bekannt gegeben und im Volk gefeiert. Sie richteten sich dabei entweder nach der Sonne (Solkalender) mit der 365- Tage- Einteilung (wie z.B. bei den Ägyptern oder Römern), oder den Mondphasen (wie z.B. bei den Juden), oder an beidem, wie z.B. bei den Germanen und Kelten, aber auch in unserem gregorianischen Kalender. Immer orientierten sie sich aber an der Natur oder den Himmelskörpern.  Und immer standen die Feste in einem übergeordneten, transzendentalen Bezug. Immer verwiesen sie darauf, dass wir Menschen zwar erdgebundene Wesen sind, aber dass unsere Perspektive im Leben eine göttliche Verheißung ist.

Insofern geht der tiefe Grund menschlichen Feierns weit über ein nettes Beisammensein mit gutem Essen und Trinken hinaus (obwohl das natürlich auch dazugehört).  Die ursprüngliche Bedeutung des Feierns ist also die Unterbrechung des Alltages, des Trotts, in dem wir jeden Tag stehen. Feste sind für uns eine Chance zu Begreifen, dass wir Gemeinschaft miteinander haben dürfen, weil wir in den göttlichen Heilsplan mit eingebunden sind.

Wir haben im kirchlichen Jahresfestkreis eine Fülle von Festen, die uns dies verstehen helfen, wenn wir sie denn mit Inhalt füllen. Auch der Sonntag, der Festtag der Woche, an dem die Auferstehung Jesu gefeiert wird, hat diese Funktion. An ihm können wir uns in Gemeinschaft in der Familie und mit Freunden begegnen, aber auch im Gebet und Gottesdienst Gott. „Ohne Sonntag gibt es nur noch Werktage“ lautet eine Aktion der evangelischen Kirche. Das bedeutet: Ohne den christlichen, transzendentalen Sinngehalt unserer Festtage werden sie auf Dauer in unserer technokratischen Welt nicht mehr zu halten sein. Es würde uns unendlich viel an Wert, Sinn und Identität verloren gehen.

Lassen Sie uns das nicht vergessen- es wäre doch schade, oder?

Ein festliches Wochenende, z.B. auf der Kerb wünscht Ihnen

Markus Kreuzberger