adventskranz_by_christel_tenelsen_pfarrbriefservice (c) Christel Tenelsen auf Pfarrbriefservice.de

Geistliches Wort zur Adventszeit

adventskranz_by_christel_tenelsen_pfarrbriefservice
Do, 29. Nov 2018
Pfarrer Engelbert Müller

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in der Adventszeit stehen in vielen Häusern/Wohnungen Adventskränze bzw. Adventsgestecke. Wir zünden in dieser dunklen Zeit gerne Kerzen an. Denn seit jeher haben Kerzen eine eigenartige Anziehung auf uns Menschen ausgeübt. Sie symbolisieren für viele Menschen Wärme, Gemütlichkeit und Geborgenheit.

Das Kerzenlicht ist ein mildes Licht. Anders als eine grelle Neonbeleuchtung oder das Led-Licht erhellt die Kerze den Raum nur teilweise. Es lässt manches im Dunkel. Da gibt es Licht und Schatten. Das Licht ist warm und angenehm. Die Kerze spendet ein Licht, das von vorneherein die Qualität des Geheimnisvollen, des Warmen, des Liebevollen in sich birgt.

Im dezenten Kerzenlicht sehe ich anders auf die oft so harte Realität. Sie lässt auch eine mystische Atmosphäre entstehen, die einem in dunklen Zeiten Hoffnung schenken kann.

Das Licht der Kerze wärmt auch. Diese Wärme dringt manchmal sogar bis ins eigene Herz vor. In diesen Augenblicken wird man oft ruhig und gelassen und es steigen heimelige Gefühle und Erinnerungen in uns auf.

Die Kerze besteht aus zwei Elementen:

Zunächst einmal aus der Flamme, die für Christen auch das Geistige symbolisiert, da sie zum Himmel emporsteigt.

Sie wird zum Bild für das Gebet, das an den Himmel gerichtet ist. Daher ist es ein beliebter Brauch, dass Gläubige in den katholischen Kirchen Kerzen entzünden und vor ein Kreuz oder eine Marienstatue stellen. Sie drücken damit ihren Glauben aus, dass ihr Gebet weitergeht, solange die Kerze brennt. Und sie hoffen, dass durch ihr Gebet Licht in ihr eigenes Leben kommt und in das Herz der Menschen, für die sie diese Kerze anzünden. Gleichzeitig haben sie dabei den Eindruck, sie können noch etwas für den anderen tun und ihre Verbundenheit ausdrücken. Sie tun es auch dann, wenn ihnen das Beten schwer fällt, denn die brennende Kerze ist eine Art Gebet ohne Worte.

Das zweite Element der Kerze ist das Wachs, das sich im Brennen des Lichtes verzehrt.

Für die frühe Kirche war daher die Kerze ein Symbol für Jesus Christus, der zugleich Gott und Mensch ist. Das Wachs ist ein Bild für seine menschliche Natur, die er in seinem irdischen Leben für uns verzehrt hat, indem er aus Liebe sein Leben für uns Menschen hingab.

Die Flamme steht für seine Göttlichkeit.
So erinnern uns die Kerzen, die wir anzünden, auch an das Geheimnis der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Die Göttlichkeit Jesu leuchtet in seiner menschlichen Natur auf. Und da wir Christen Anteil an seiner Göttlichkeit haben, sind auch wir berufen Gottes Licht in die Welt unseres Alltags auszustrahlen.

Ich wünsche Ihnen, dass sie in der jetzt beginnenden Adventszeit dieses „mehr“ an Licht im Schein der Kerze erfahren können und durch das Anzünden von Kerzen, sei es am Adventskranz/ Adventsgesteck oder auch so, sich auf Weihnachten dem Geheimnis der Menschwerdung Christi freuen, in dem Wissen, dass Gottes Licht von niemanden und nichts ausgeblasen werden kann.

 

Engelbert Müller, Pfarrer