Ruht ein wenig aus - Geistliches Wort

(c) Wolfgang_Cibura auf pfarrbriefservice.de
Datum:
Fr. 22. Juli 2022
Von:
Markus Kreuzberger

Liebe Leserinnen und Leser,

geht es Ihnen auch so? Vor den Sommerferien gab es überall noch einmal alle Hände voll zu tun. In der Schule die Noten, Planungen für das zweite Halbjahr, all das fordert noch einmal unsere Kräfte heraus und viele von uns merken, wie dringend wir die Ruhezeit brauchen. 

Da kommt jetzt die sommerliche Urlaubs- und Ferienzeit gerade recht und es zeigt sich, wie müde und ausgelaugt sich mancher fühlt. Ähnliches muss Jesus bei seinen Jüngern gespürt haben, als er, nachdem seine Apostel, ganz erschöpft von ihrer ersten Mission zurückgekehrt, einlädt: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind und ruht ein wenig aus“ (Mk 6,31).

“Ruht ein wenig aus.“  Ähnlich sagt er es einmal an anderer Stelle: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch Ruhe verschaffen“ (Mt 11,28). Er  weiß sehr wohl, dass es nicht so einfach ist mit den Anstrengungen des Alltages; dass es oft genug beschwerlich und mühsam ist.

Der Mensch ist keine Maschine. Wir können nicht ununterbrochen funktionieren wie ein Rädchen im Getriebe. Arbeit und Erholung, Spannung und Entspannung gehören untrennbar zusammen wie Einatmen und Ausatmen. Wer das vergisst und von morgens bis abends in Betrieb ist, kommt unweigerlich aus dem Gleichgewicht: „Burn Out“ –sei hier nur als Stichwort genannt.

Darum hat uns Gott den Sabbat, den Ruhetag, gegeben und diesen Tag – nicht die Werktage! – gesegnet (Gen 2,3). Darum brauchen wir Urlaub und Ferien, wirkliche „Auszeiten“. Manchmal ist dabei ein Ortswechsel, eine Reise nötig, dass wir aussteigen können aus dem Alltagsgeschäft und für eine Weile nicht erreichbar sind.

Gerade die Urlaubszeit könnte Gelegenheit geben, mehr Zeit mit Gott zu verbringen, Zeit, die sonst allzu knapp bemessen ist. Zum Beispiel in der Natur - in den Bergen, am Meer, vor großen Landschaften, unter dem nächtlichen Sternenzelt - wieder das Staunen lernen. Die Schöpfung ist doch ein einziges herrliches Lob des Schöpfers. Wie oft sehen wir das gar nicht mehr. Wie oft sind wir eingedeckt mit dem alltäglichen Kleinkram und vergessen, uns aufzurichten und zum Himmel aufzuschauen und das Große zu sehen, das uns umgibt – und vor dem unsere eigenen Sorgen plötzlich klein werden.

Vielleicht kann uns dies an einem schönen Ferientag neu bewusst werden. Und wie von selbst wird dann dieses Bewusstsein, diese Erkenntnis zum Gebet werden, zur bewussten Hinwendung zu Gott.

Beten ist Atemholen der Seele. Beten ist Erfrischung und Erneuerung des Geistes an der Quelle des Lebens.

Um das zu entdecken, müssen wir uns Zeit nehmen. Und zwar nicht nur eine Randzeit des Tages, sondern eine gute Zeit, eine Zeit, wo wir ganz da sind. Reservieren wir uns in der Urlaubszeit gute Zeiten für Gott, für das Gebet, für das Nachdenken, für Lektüre, für einen Besuch im Gotteshaus und evtl. mal bewusst keine Nachrichten schauen oder hören, mal nicht auf das Handy starren – das wird die beste Kur für unsere Seele sein!

Dann könnten die kommenden Wochen wirklich eine gesegnete Zeit sein.
Das wünsche ich Ihnen!

Markus Kreuzberger