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Vom Leben und vom Leben danach - Geistliches Wort

Mo, 1. Apr 2019
Markus Kreuzberger

Das menschliche Leben ist in seiner Ganzheit ein Geschenk Gottes. Auch und besonders vor der Geburt im Mutterleib verdient es unseren besonderen Schutz. Das sollten wir nicht vergessen oder relativieren!

Es geschah, dass in einem Schoß Zwillingsbrüder empfangen wurden.

Die Wochen vergingen, und die Knaben wuchsen heran. In dem Maß, in dem ihr Bewusstsein wuchs, stieg die Freude.

Die Zwillinge begannen, die Welt zu entdecken. Als sie die Schnur fanden, die sie mit der Mutter verband und die ihnen die Nahrung gab, da sangen sie vor Freude: „Wie groß ist die Liebe unserer Mutter, dass sie ihr eigenes Leben mit uns teilt!“

Als aber die Wochen vergingen und schließlich zu Monaten wurden, merkten sie plötzlich, wie sie sich verändert hatten. „Was soll das heißen?“ fragte der eine. – „Das heißt“, antwortete der andere, „dass unser Aufenthalt in dieser Welt bald seinem Ende zugeht.“

„Aber ich will gar nicht gehen“, erwiderte der eine, „ich möchte für immer hier bleiben!“ – „Wir haben keine andere Wahl“, entgegnete der andere, „aber vielleicht gibt es ein Leben nach der Geburt.“

„Wie könnte das sein?“ fragte zweifelnd der erste, „wir werden unsere Lebensschnur verlieren und wie sollten wir ohne sie leben können? Und außerdem haben andere vor uns diesen Schoß verlassen, und niemand von ihnen ist zurückgekommen und hat uns gesagt, dass es ein Leben nach der Geburt gibt. Nein, die Geburt ist das Ende.“

So fiel der eine von ihnen in tiefen Kummer und sagte: „Wenn die Empfängnis mit der Geburt endet, welchen Sinn hat dann das Leben im Schoß? Es ist sinnlos. Womöglich gibt es gar keine Mutter hinter allem...“

„Aber sie muss doch existieren,“ prophezeite der andere, „wie sollten wir sonst hier her gekommen sein? Und wie konnten wir am Leben bleiben?“

Hast du je unsere Mutter gesehen?“ fragte der eine. „Womöglich lebt sie nur in unserer Vorstellung. Wir haben sie uns erdacht, weil wir dadurch unser Leben besser verstehen können.“

Und so waren die letzten Tage im Schoß der Mutter gefüllt mit vielen Fragen und großer Angst. Schließlich kam der Moment der Geburt. Als die Zwillinge ihre Welt verlassen hatten, öffneten sich ihre Augen. Sie schrien. Was sie sahen, übertraf ihre kühnsten Träume...“

Als ich dieses „Gleichnis“ von Klaus Berger gelesen hatte, wurde mit noch einmal klar, wie begrenzt unsere menschliche Sicht auf die großen Zusammenhänge des Lebens und die Herrlichkeit Gottes eigentlich ist.

Ähnlich wie die Zwillinge im Mutterleib können wir oft nur staunen über die Tatsache, dass wir leben und wie unglaublich die Welt geschaffen ist. Ähnlich wie sie haben wir auch in unserer jetzigen Existenzform Angst und sind voller Zweifel. „Gibt es ein Leben nach der Geburt?“ fragen sie, wie wir fragen: „Gibt es ein Leben nach dem Tod“. Schlüssig zu beweisen  wird das wahrscheinlich niemals sein. Aber wir Christen können darauf vertrauen, denn in der Bibel wird uns diese Zusage gemacht:

„Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen(...) Seht die Wohnung Gottes unter den Menschen! (...) und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen.“ (Offenb 21,1-4)

Wir dürfen darauf vertrauen, dass unser ganzes Leben- schon im Mutterleib- von Gott geleitet und geführt wird. Vom Moment der Zeugung an sind wir gewollt und in seinen Händen. Er wird uns nach dem Tod nicht dem „Nichts“ überlassen. Das menschliche Leben ist in seiner Ganzheit ein Geschenk Gottes. Auch und besonders vor der Geburt im Mutterleib verdient es unseren besonderen Schutz. Das sollten wir nicht vergessen oder relativieren!

Markus Kreuzberger

veröffentlicht im Griesheimer Anzeiger am 30.3.2019