Zweifelhaft? - Geistliches Wort

(c) Peter Weidmann auf Pfarrbriefservice.de
Datum:
Mi 30. Sep 2020
Von:
Markus Kreuzberger

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Ich glaube, es gibt nichts mehr zu trinken.“

So beschrieb der Komiker Otto Waalkes einmal in einem Sketch scherzhaft seine Glaubenszweifel. Und in der Tat, das ist auch so, wie wir heute im Sprachgebrauch Glauben verwenden- als eine Art „Nicht-“ -oder „Halbwissen“. Glauben im christlichen Sinne meint dagegen etwas anderes. Glauben ist kein Gegensatz zum Wissen, sondern eine tiefere Form des Verstehens von dem, was das Leben ausmacht. Wie zwei Seiten einer Münze.

Manchmal trifft man Menschen mit einem felsenfesten, tiefen Glauben. Man steht beschämt vor dem Glauben der Großmutter, die ein hartes und schweres Leben gemeistert hat, vielleicht Mann und Kinder verloren hat und doch nie an Gott irregeworden ist. Solche Menschen werden nicht viel über ihren Glauben reden. Aber er ist da- und sie glauben oft sozusagen für die ganze Familie „mit“, tragen Kinder, Enkel und Urenkel im Glauben.

Ein ganz einfacher Glaube- und doch ist auf der anderen Seite nichts schwieriger, als zu glauben. Gerade Menschen, die sehr „vom Kopf her“ leben, die viel nachdenken, grübeln, die möglichst alles mit dem Verstand bewältigen wollen- sie haben oft große Schwierigkeiten mit dem Glauben. Immer wieder schiebt sich wie ein Schatten der Zweifel dazwischen: „Ist das alles wahr? Hat es sich tatsächlich so zugetragen? Gelten dies Worte auch für mich, oder sind die anderen damit gemeint? Wie kann ich denn überhaupt etwas von Gott sagen, wenn ich ihn nicht sehen, nicht berühren kann? Habe ich dann vielleicht so etwas, wie eine Gotteserfahrung gemacht, wie kann ich sicher sein, dass es keine Einbildung oder Wunschvorstellung war?

Der Zweifel ist eine verzwickte Sache. Denn es gibt buchstäblich nichts, was vor dem Zweifel sicher wäre. Jemand hat mir etwas Gutes getan, mir seine Freundschaft angeboten, mich ermutigt? Vielleicht hat er es ja nur getan, weil er etwas von mir will. In menschlichen Beziehungen kann der Zweifel einem buchstäblich das Leben zur Hölle machen. Jemand sagt zu einem andern Menschen: „Ich liebe dich“. Meint er das auch wirklich so, sagt er das nicht nur, um ihn „rumzukriegen“? Der Zweifel ist wie ein nagendes Krebsgeschwür, das Glaube, Hoffnung und Liebe zerstören kann. Nun ist es sicher gut, dass man in Glaubensdingen seinen gesunden Menschenverstand bewahrt, dass man auch kritisch bleibt und nicht alles für bare Münze nimmt, was über angebliche Privatoffenbarungen, Visionen, Prophezeiungen und Wunder erzählt wird. Ein Schuss „Nüchternheit“ tut auch dem Glauben gut und macht ihn sicher vor sentimentaler Schwärmerei und Wundersucht.

Der Zweifel scheint zunächst vom Verstand her zu kommen, in Wirklichkeit sitzt er meist tiefer, im Herzen. Ein Herz, das sich nicht öffnen kann, wird immer einen Grund zum Zweifeln finden. Wir sollten den Zweifel als das entlarven, was er ist: „Ein Ausdruck des in sich selbst gekrümmten menschlichen Herzens“, wie der Hl.Augustinus es ausdrückt. Die eigentlichen Glaubenszweifel werden nicht durch Beweise widerlegt, sondern durch Vertrauen und Liebe geheilt. Und das kann sehr lange dauern! Ein Mensch, der zweifelt, braucht jemand, der ihn behutsam begleitet, der ihm eine verlässliche Stütze ist. Einen verlässlichen Freund oder eine verlässliche Freundin zu haben, der/ die nicht heute „ja“ und morgen „nein“ sagt, sondern den Weg mitgeht. Der die Zweifel zulässt, aber den Menschen nicht mit seinen Zweifeln alleine lässt. Der damit ein Wegbegleiter, ein Engel, für andere werden kann. Und wenn wir ganz ehrlich sind, sind wir diesen Begleitern, diesen Engeln auch immer wieder- oft sogar in den dunkelsten Stunden unseres Lebens- begegnet. Es gibt sie also!

So wünsch ich uns allen so einen Engel, um unsere Zweifel zu heilen. Oder, noch besser, dass wir diese Engel für andere werden, damit sie ihr Herz wieder der Hoffnung und dem Vertrauen auf das Gute öffnen.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Markus Kreuzberger

www.katholische-kirche-griesheim.de