Rund 50 Pfarreien bis zum Jahr 2030

bischof-kohlgraf.jpg_490631887 (c) Bistum Mainz aus pfarrbriefservice.de
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Datum:
So. 26. Sep. 2021
Von:
Michael Picard

Bestandsaufnahme zum Pastoralen Weg im Bistum Mainz


Mainz. Der Pastorale Weg ist ein Prozess, mit dem sich das Bistum Mainz geistlich und
strukturell auf die Zukunft vorbereitet. Derzeit befindet sich der Prozess am Ende der sogenannten
„Phase I“. Bis zum 26. November haben die Dekanate Zeit, Voten zu erarbeiten
für neue Pfarreien und neue Konzepte. An vielen Orten wurde bereits abgestimmt, etwa
über die Form der möglichen Zusammenlegung von Pfarreien. Über die Strukturierung
wird Bischof Peter Kohlgraf die letzte Entscheidung fällen. „Er wird sich aber an den Vorschlägen
orientieren“, sagt Dr. Wolfgang Fritzen, Leiter der Koordinationsstelle des Pastoralen
Weges.
Bis Ostern 2022 sollen die Gebiets-Strukturen im Bistum so reformiert werden, dass bis
zum Jahr 2030 insgesamt rund 50 neue Pfarreien gebildet werden können. „Dabei geht es
aber nicht um die einseitige Verschiebung und Neu-Strukturierung von Gebietsgrenzen.
Vielmehr ist das Ziel, zu schauen, was die Menschen an welchem Ort brauchen, und wie
das mit knapper werdenden Ressourcen und weniger Gläubigen als bisher gestaltet werden
kann“, betont Fritzen.
„Wir müssen uns verändern“, sagt Wolfgang Fritzen. Er verweist auf weniger Kirchenmitglieder,
weniger Priester und weniger Geld, das in Zukunft zur Verfügung stehen wird. „Wir
wollen nicht nur diesem Druck nachgeben, sondern den Prozess als Chance nutzen, um
unsere Zukunft aktiv zu gestalten und neue Dinge zu entwickeln.“ Fritzen wirbt dafür, die
größeren Räume als Chance zu sehen: „Es muss nicht mehr jeder und jede Ehrenamtliche
an jedem Ort alles anbieten. Was wir vor Ort nicht können, gelingt uns besser gemeinsam“,
ermutigt er. Seine Hoffnung ist, dass es gelingt, die Zusammenarbeit auf eine neue Stufe zu
heben. Gleichzeitig versichert er: „Wenn etwas gut läuft an einem Ort, soll es auch dort
bleiben können.“
„Chance für mehr Vielfalt“
Gleichwohl nimmt Fritzen Verunsicherung wahr. „Es gibt zwar relativ wenige Gegner des
Projektes, aber manchen fällt die Veränderung schwer. Viele sehen es pragmatisch, und es
gibt auch Leute, die sagen: Endlich bewegt sich etwas.“ Fritzen sieht in dem Prozess auch
Chancen für künftige pastorale Teams. Denn wenn Pfarreien zusammengelegt werden,
werden „echte Teams pastoraler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entstehen, die sich die
Arbeit untereinander aufteilen. Das birgt die Chance für mehr Vielfalt“, sagt Fritzen. Wichtig
sei, zu verstehen, dass es sich nicht um ein zentralisiertes Gebilde handele, sondern um
ein Netzwerk, bei dem die Menschen noch enger zusammenarbeiten werden.
Es liegen große Aufgaben vor den Pfarreien: So müssen zum Beispiel die Ausgaben für
Gebäude wie Gemeindehäuser um 50 Prozent reduziert werden. Der Leiter der Koordinationsstelle
betont, bei dem Prozess nicht nur Gebäude und Finanzen im Blick zu haben:
„Das kann nicht das Entscheidende sein, sondern es geht darum, dass Menschen gute Orte
haben, an denen sie Leben und Glauben teilen können“, sagt er. Die Leitfrage müsse sein:
Was brauchen die Menschen? Viele Dekanate hätten bereits Umfragen durchgeführt, um
herauszufinden, was die Menschen in ihrem Gebiet besonders benötigen.
Parallel zur Arbeit in den Dekanaten wurden zudem neun so genannte „Teilprojektteams“
(kurz TPT) gebildet. Sie arbeiten auf Bistumsebene und sind in verschiedene Themenbereiche
unterteilt, wie zum Beispiel „Sozialpastoral“, „Pfarrei als Netzwerk“, oder „Gebäude“.
Sie tauschen sich mit den Dekanaten aus.
Phase II ab Ostern 2022
An Ostern 2022 wird Bischof Peter Kohlgraf die neuen, rund 50 Pastoralräume errichten
und für jeden Pastoralraum einen Leiter und eine Koordinatorin oder einen Koordinator
beauftragen. Alle Pastoralräume haben dann den Auftrag, die Gründung einer neuen Pfarrei
auf ihrem Gebiet vorzubereiten. Mit der Gründung der neuen Pfarrei beginnt dann Phase
III, die Entwicklungsphase der neuen Pfarrei.
Stichwort: Der Pastorale Weg
Der Pastorale Weg ist ein geistlicher und struktureller Prozess im Bistum Mainz. Er steht
unter dem Leitwort „Eine Kirche, die teilt“ und wurde von Bischof Peter Kohlgraf in der
Fasten- und Osterzeit 2019 begonnen. Derzeit arbeiten verschiedene Arbeitsgruppen an
der Entwicklung. Im ersten Jahr seiner Amtszeit hat Bischof Peter Kohlgraf in zahlreichen
Besuchen und Gesprächen in den Pfarreien und Dekanaten des Bistums Mainz die Voraussetzungen
für den Pastoralen Weg geschaffen. Zudem entsandte er Kundschafter in andere
Diözesen, um sich deren Erfahrungen berichten zu lassen. In seinem Hirtenbrief zur Österlichen
Bußzeit 2019 hat Bischof Kohlgraf dem Pastoralen Weg das Motto „Eine Kirche,
die teilt“ gegeben und die vier Dimensionen des Teilens entfaltet. Dabei geht es darum,
dass Leben zu teilen, den Glauben, die Ressourcen und die Verantwortung für die gemeinsame
Zukunft und das Glaubensleben im Bistum Mainz.

Mit freundlichen Grüßen

Bischöfliche Pressestelle Mainz / Julia Hoffmann
Mainz, 17. September 2021