3. Sonntag der Osterzeit

Osterzeit

fischernetz (c) Wolfgang Cibura in pfarrbriefservice.de
fischernetz
Fr 24. Apr 2020
Pfr. Berbner

Der Herr am Ufer

Wenn wir am Ende sind mit unsrer Kraft,
mit unsrer Hoffnung, dass ein neuer Morgen kommt,
wenn wir enttäuscht die Hände sinken lassen
und meinen, alle Mühe war vergebens,
wenn unsre Netze leer sind, leer wie unsre Hände,
dann stehst du, Herr, am Ufer.

Wenn etwas uns gelingt, womit wir nicht gerechnet,
wenn etwas uns geschenkt wird, unverdient,
wenn es so viele Gründe gibt zum Dankesagen,
dann stehst du, Herr, am Ufer.

Wenn wir an Menschen denken, die der Hunger quält,
denen der Reis fehlt und der Fisch, ihr täglich Brot,
wenn wir an jene denken, die nach Liebe hungern,
nach Anerkennung, Zärtlichkeit, Gerechtigkeit,
wenn wir an unsre eigene unerfüllte Sehnsucht denken,
dann stehst du, Herr, am Ufer.

Wenn uns die Schuld bedrückt, weil wir verleugnet haben
oder verraten oder einfach nur vergessen,
wenn uns ein Name einfällt, den wir schwer enttäuscht,
den wir zu wenig liebten, dem wir Unrecht taten,
wenn wir uns fragen, ob wir dich wohl lieben, Gott,
dann stehst du, Herr, am Ufer.

Wenn wir zurück an unsre Jugend denken,
an unsre Pläne, die Begeisterung, den Schwung von einst,
wenn wir uns heute sehen und bedenken,
was denn die Früchte sind aus allen diesen Knospen,
wenn wir versuchen, mühsam das zu lernen jetzt:
mich führen lassen, wohin ich nicht will,
und trotzdem dieser Führung zu vertrauen,
dann stehst du, Herr, am Ufer.

Wenn wir uns sammeln jetzt um einen schlichten Tisch,
auf dem nichts steht als etwas Brot und Wein,
ein Bissen nur, ein Schluck zum Überleben,
wenn wir das alles, was sich angesammelt hat in uns
an Hoffnung und Enttäuschung der vergangenen Woche,
zusammenfassen in die knappe Bitte:
»Herr, bleibe bei uns!« - jetzt in dieser Stunde,
und gleich, wenn wir hinausgehn,
und morgen, wenn der graue Alltag wiederkommt,
dann stehst du, Herr, am Ufer.

ZU JOHANNES 21

Hermann Josef Coenen

 

Liturgischer Gruß

Der Herr, der seinen Jüngern nach seiner Auferstehung nahe ist, er sei mit
euch / ist mit uns allen.

Einführung

„Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen?“ Mit diesen Worten begegnet der Auferstandene seinen Jüngern. Nach dem Tode Jesu sind die Apostel in ihren Alltag zurückgekehrt. Sie gehen an den See und fischen. Man könnte meinen, sie haben plötzlich aufgegeben und alles an den Nagel gehängt. Doch für die Begegnung mit dem Auferstandenen braucht es keinen heiligen Ort. Der Herr kommt zu ihnen an ihren Arbeitsplatz. Sie begegnen ihm in ihrem Alltag; aber sie erkennen ihn erst beim gemeinsamen Mahl. Bitten wir den Herrn, dass auch wir ihm im Alltag begegnen können.

Kyrie-Litanei

Herr Jesus Christus, wir vertrauen auf deine Nähe. Herr, erbarme dich.
Du kommst zu uns als der auferstandene Herr. Christus, ...
Du willst uns nahe sein. Herr, ...

Tagesgebet

 Allmächtiger Gott, lass die österliche Freude in uns fortdauern, denn du hast deiner Kirche neue Lebenskraft geschenkt und die Würde unserer Gotteskindschaft im neuen Glanz erstrahlen lassen. Gib, dass wir den Tag der Auferstehung voll Zuversicht erwarten als einen Tag des Jubels und des Dankes.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

1. Lesung: Ang 2.14.22b-33

Am Pfingsttag tritt Petrus mit den Jüngern auf. Sein Herz ist erfüllt von dem, was er mit Jesus erlebt hat. So legt er durchdrungen vom Heiligen Geist Zeugnis für die Auferstehung Jesu Christi ab.

2. Lesung: 1 Petr 1.17-21

Auch die ersten Christen mussten sich immer wieder neu bewusst machen, was die Grundlage ihres Glaubens an Jesus Christus ist. Petrus bezeugt ihnen seinen Glauben und macht den Lesern des Petrusbriefes deutlich: Wenn ihr euch Christen nennt, dann müsst ihr auch Christen sein und als Christen zu erkennen sein!

Evangelium: Joh 21,1-14

Die Fischer sind nach dem Tode Jesu wieder an ihr altes Handwerk gegangen. Doch sie fangen nichts. Nur mit seinem Beistand wird ihnen ein reicher Fang zuteil. Jesus stärkt seine Jünger. Er lässt sie nicht allein zurück.

FÜRBITTEN 

Durch die Auferstehung seines Sohnes hat Gott, unser Vater, der Welt neue Hoffnung geschenkt. Im Vertrauen auf seine Liebe rufen wir zu ihm:

  • Für die Frauen und Männer, die Jesu Botschaft den Menschen verkünden. Für alle Haupt- und Ehrenamtlichen in unseren Gemeinden und Gemeinschaften. Für alle, die den Glauben in ihren Familien leben und weitergeben. Sei ihnen nahe und zeige dich ihnen als der lebendige Gott.
  • Für alle Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft, die Verantwortung für die Menschen in unserem Land tragen. Für alle Verantwortlichen in Wirtschaft und Verwaltung. Sei ihnen nahe und stärke sie in ihrem Handeln zum Wohl der Menschen.
  • Für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in caritativen Einrichtungen. Für alle Menschen, die sich um Andere kümmern, sie pflegen und ihnen beistehen. Für alle Menschen, die Angehörige versorgen und sie pflegen. Seiihnen nahe und stärke sie in ihrem Dienst am Nächsten.
  • Für alle Suchenden und Fragenden, die nach Antworten für ihr Leben suchen. Für alle Menschen, die verzweifelt sind und keine Perspektive für ihr Leben sehen. Für alle Menschen, die unerkannt in Not leben müssen. Sei ihnen nahe und zeige ihnen Wege in die Zukunft.

Herr, unser Gott, wir tragen unsere ausgesprochenen Bitten und alles, das wir im Herzen tragen, vor dich. Dir sei Lobpreis und Ehre jetzt und in alle Ewigkeit.

Ansprache

Die Arbeit in der Kirche scheint früher leichter gewesen zu sein als heute. Pauschal kann man sagen: Im 19. Jahrhundert gingen der Kirche die Arbeiter verloren, im vorigen Jahrhundert viele Akademiker und kritische Frauen, und in unseren Tagen erleben wir den Schwund von Jugendlichen und Kindern. Ein Blick in die Runde kann uns jeden Sonntag nüchtern zeigen, wie schwer es ist, die Frohe Botschaft vom Auferstandenen zu den nächsten Generationen zu tragen. Trotz allem Bemühen: Die Netze bleiben meistens leer.

Das leere Netz, das die Jünger im heutigen Evangelium nach durchwachter Nacht in Händen halten, erinnert mich an den Roman von Ernest Hemingway »Der alte Mann und das Meer« Nach 84 Tagen Fischfang ohne jeden Erfolg fängt der schon alte Mann einen großen Schwertfisch, der länger ist als sein Boot. Er kann ihn mit einer Harpune töten. Vom Erlös dieses Fisches wird er mehrere Monate leben können. Plötzlich tauchen Haie auf und fallen über die Beute her. Als er dann schließlich das Ufer erreicht, hängt nur noch das Gerippe des Fisches an seinem Boot. Aber dann das erstaunliche Wort des alten Mannes nach einem Kampf, der zwei Tage und zwei Nächte gedauert hatte: »Der Mensch darf nicht aufgeben!«

Es ist müßig, über die Haie zu sprechen, die heute die Netze der Kirche leer fressen: unsere Erlebnisgesellschaft, die negativen Folgen, die sich aus Möglichkeiten der Elektronik ergeben, Reizüberflutung, Bequemlichkeit ... usw. - dabei sollen die Selbsttore der Kirche nicht verschwiegen werden.

Die Frage ist wichtiger: Was würde uns Jesus heute sagen? Damals sagte er den Jüngern: »Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen.«

Also: Ihr dürft nicht aufgeben! Bei all der mühsamen Arbeit im Schiff der Kirche heutzutage: Aller Erfolg hängt am Wort und Willen Jesu.

Dieses Bemühen erinnert mich an den alten Fischer, der am Bug seines Bootes in der Lagune steht und das Wurfnetz in Händen hält. Er versteht sein Handwerk. Im vollendeten Kreis fällt sein Netz ins Wasser und sinkt. Dann wartet er, bis der bleibeschwerte Rand den Boden berührt. Nun zieht er es hoch, behutsam, mit hoffenden Händen, ob im Netz Leben ist oder der Wurf wieder einmal umsonst war. Wenn das Netz leer ist, schüttelt er es aus, entfernt den Unrat und bereitet den nächsten Wurf vor. Wer mitzählt, kann beobachten, wie das Netz zwei Dutzend Mal und mehr auf das Wasser klatscht.

Kaum einer kann sagen, wie heutzutage die jüngeren Generationen begeistert werden können für gesellschaftliche Aufgaben wie Feuerwehr, Politik, amnesty international, Greenpeace, Schützen und auch für die Kirche. Aber es gilt, den Auftrag des Herrn zu erfüllen oder die Lebenserfahrung eines alten Fischers umzusetzen, der weiß: »Es gibt Tage, da muss man das Netz werfen wider besseres Wissen: zwanzig Mal, fünfzig Mal, hundert Mal. Weil- Nicht-Werfen hieße Aufgeben. Und Aufgeben hieße aufhören zu leben.« (nach L. Weingärtner) Verhaltensforscher sagen eine Trendwende der Spaßgesellschaft voraus. Vielleicht müssen wir erst in noch tiefere Abgründe als Terror und Orientierungslosigkeit blicken, um zu erleben, wie wieder nach einem geistlichen Halt aus dem Glauben heraus auch für eine gültige Moral Ausschau gehalten wird. Wenn sich Kirche im guten Sinne ändert und den Menschen dient, kann das eintreten, was im Evangelium steht: Sie konnten das Netz nicht wieder einholen, so voller Fische war es.

(nach Hoffsümmer. Mit Symbolen und Geschichten predigen)