4. Sonntag der Osterzeit

Weltgebetstag um geistliche Berufe

GuteHirte (c) Pfarrbriefservice
GuteHirte
Fr 1. Mai 2020
Pfr. Berbner

Einführung

Mit dem Bild vom Guten Hirten beschreibt Jesus seine Beziehung zu uns Menschen. Es ist ein schönes Bild. Denn es drückt Vertrauen, Liebe und Hingabe aus. Das wird jetzt erfahrbar in der Feier der Heiligen Messe, wenn wir im Evangelium die Stimme des Guten Hirten hören, wenn er uns das Brot des Lebens reicht.

Heute ist auch der Weltgebetstag um geistliche Berufe. Wir wollen Jesus, den Hirten seiner Kirche, bitten, Menschen in seine besondere Nachfolge zu rufen, aber auch um die Einsicht, was jede und jeder von uns tun kann, dass Menschen diesen Ruf hören und ihm folgen.

Tagesgebet

Allmächtiger, ewiger Gott, dein Sohn ist der Kirche siegreich vorausgegangen als der Gute Hirt. Geleite auch die Herde, für die er sein Leben dahingab, aus aller Not zur ewigen Freude. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

Fürbitten

Lasst uns beten zu unserem Herrn Jesus Christus, dem Guten Hirten seines

Volkes: Jesus, du Guter Hirt - wir bitten dich, erhöre uns.

  • Wir beten für alle, die ein geistliches Amt ausüben oder dir in besonderer
    Weise nachfolgen, dass sie ihrer Berufung treu bleiben und von Liebe zu
    dir und den Menschen erfüllt sind.
  • Für alle Eheleute, dass sie jeden Tag das leben, was sie sich bei der Trauung versprochen haben.
  • Für die jungen Menschen, die eine Entscheidung für einen Beruf treffen müssen, dass sie auch auf dich hören und einen Beruf wählen, der sie wirklich erfüllt.
  • Für unsere Familien und Pfarrgemeinden, dass sie ein guter Boden sind, auf dem geistliche Berufungen wachsen können.
  • Für unsere Verstorbenen, dass du sie auf die Weide des ewigen Lebens führst.

Du, Herr, bist gekommen, damit wir das Leben haben und es in Fülle haben.

Dafür danken wir dir und preisen dich, jetzt und in alle Ewigkeit.

KYRIE-RUFE

Herr Jesus Christus, du weißt, was es bedeutet, ganz für andere da zu sein. Herr, erbarme dich.

Du kennst die Gefahren, in denen das Leben einem verloren geht. Christus, erbarme dich.

Du teilst Angst und Freude derer, die suchen und retten. Herr, erbarme dich.


TAGESGEBET

Allmächtiger, ewiger Gott, dein Sohn ist der Kirche siegreich vorausgegangen als der Gute Hirt. Geleite auch die Herde, für die er sein Leben dahingab, aus aller Not zur ewigen Freude. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

ZWEITE LESUNG I Petr 2,20b-25

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Petrus.

Geliebte, wenn ihr recht handelt und trotzdem Leiden erduldet, das ist eine Gnade in den Augen Gottes. Dazu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt.

Er hat keine Sünde begangen und in seinem Mund war keine Falschheit. Als er geschmäht wurde, schmähte er nicht; als er litt, drohte er nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter.

Er hat unsere Sünden mit seinem eigenen Leib auf das Holz des Kreuzes getragen, damit wir tot sind für die Sünden und leben für die Gerechtigkeit. Durch seine Wunden seid ihr geheilt. Denn ihr hattet euch verirrt wie Schafe, jetzt aber habt ihr euch hingewandt zum Hirten und Hüter eurer Seelen.

Wort des lebendigen Gottes.

EVANGELIUM Joh 10,1-10

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

In jener Zeit sprach Jesus: Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe.

Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme.

Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen.
 
Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte.

Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.

Der Dieb kommt Nur um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit Sie das Leben haben und es in Fülle haben. 

Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

Predigt

Papst Franziskus zeigt sich den Bedürftigen gegenüber als Bedürftiger

Zwei Beispiele zu aktuellen Hirtenämtern sind mir eingefallen beim Evangelium von heute. Sie unterscheiden sich fundamental.

Das erste: Papst Franziskus lädt im November 2016 Obdachlose aus ganz Europa zu sich in den Vatikan ein. In seiner Ansprache und Hinwendung zu ihnen macht er deutlich, wie sehr die Kirche auf ihr Verzeihen angewiesen ist überall dort, wo sie den Armen und Schwachen gegenüber versagt hat. Und er bittet die Obdachlosen, ihm, dem Papst, die Hände aufzulegen. Franziskus zeigt sich den Bedürftigen gegenüber als Bedürftiger. Er kehrt die zementierten Rollen um und macht deutlich, dass alle Menschen - auch die in »Amt und Würden« - aufeinander angewiesen sind und einander brauchen. Wichtig ist dem Papst außerdem, dass die Stimmlosen mehr Stimme, die Ausgeschlossenen mehr Mitspracherecht erhalten: »Christus hat von einer Gesellschaft gesprochen, in der die Armen, die Schwachen, die Ausgeschlossenen diejenigen sind, die entscheiden. Nicht die Demagogen, nicht die Gauner, sondern das Volk«, sagte er der Tageszeitung »La Repubblica«.

Wenn die Mächtigen ihre Position dazu benutzen, um andere zu tyrannisieren, so verlieren wir alle

Das zweite Beispiel: Der Präsidentschaftskandidat der USA, Donald Trump, verhöhnt im November 2015 einen Reporter der New York Times, der unter einer angeborenen Gelenkversteifung leidet. Er tut dies, indem er seine - durch die Krankheit behinderten - Bewegungen nachäfft. Die Schauspielerin Meryl Streep greift dieses Ereignis im Januar 2017 in einer Rede auf und äußert sich wie folgt:

»Es gab ... eine Performance, die mich fassungslos machte. Sie senkte ihre Widerhaken in mein Herz. Nicht, weil sie gut war. Es gab nichts Gutes daran. Aber sie war wirksam und erreichte ihr Ziel. Sie brachte das Zielpublikum dazu, zu lachen und seine Zähne zu zeigen. Es war dieser Moment, in dem der Mensch, der danach verlangt, den am meisten respektierten Platz in unserem Land zu besetzen, einen behinderten Reporter nachmachte. Jemanden, dessen Privilegien, Macht und Fähigkeit, zurückzuschlagen, er übertrumpfte. Als ich das sah, brach es mir das Herz. Ich kann es noch immer nicht aus meinem Kopf kriegen, denn es war kein Film. Es war die Realität. Wenn dieser Instinkt, jemanden zu erniedrigen, von einem mächtigen Menschen vorgelebt wird, so sickert er runter in unser aller Leben. Denn er erlaubt andern, das Gleiche zu tun. Respektlosigkeit lädt ein zu Respektlosigkeit. Gewalt verleitet zu Gewalt.

Wenn die Mächtigen ihre Position dazu benutzen, um andere zu tyrannisieren, so verlieren wir alle.

Diebe und Räuber leben ihre niedersten Instinkte aus

Im Johannesevangelium werden uns heute auch zwei Beispiele vor Augen geführt: Das eine sind die Diebe und Räuber. Die kommen nicht durch das Tor zu den Schafen, sondern steigen irgendwo übers Gatter. Sie schleichen sich an. Sie wollen nicht gesehen und schon gar nicht erkannt werden, denn sie kommen »zu nichts als zum Stehlen, zum Schlachten und Zugrunderichten«, Jesus beschreibt hier Menschen, die ihre Macht missbrauchen und üble Absichten haben. Ihnen geht es nur um ihren eigenen Gewinn. Diese Diebe und Räuber leben ihre niedersten Instinkte aus. Tun sie das in verantwortlichen Positionen, dann geschieht, was Metyl Streep benennt: »Wenn dieser Instinkt, jemanden zu erniedrigen, von einem mächtigen Menschen vorgelebt wird, so sickert er runter in unser aller Leben. Denn er erlaubt andern, das Gleiche zu tun.«

Der Hirt kennt seine Schafe mit Namen - er ruft sie einzeln

Das zweite Beispiel im Johannesevangelium ist das des Hirten. Dem öffnet der Torwächter. Der Hirte ist bekannt. Man kennt ihn und vertraut ihm. Er hat nichts zu verbergen, Er kommt durch das Tor und nicht hinten herum. Er gibt sich zu erkennen. Und er kennt seine Schafe mit Namen - er ruft sie einzeln. Jedes einzelne ist ihm bekannt und vertraut und wertvoll. Ein Verhalten, wie es Papst Franziskus immer wieder zeigt, indem er sich dem einzelnen Menschen zuwendet, ihm zuhört, ihn berührt, ihn anschaut. 

Jesus - Tor zu Leben, Rettung und Fülle

Das Evangelium geht noch einen Schritt weiter. Jesus sagt von sich: »Ich (selbst) bin das Tor. Geht einer durch mich hinein, so wird er gerettet. Und er geht ein und aus und findet Weide. ... Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben -ja es haben überreich.«

Nicht irgendein Tor, das nirgendwohin führt. Jesus selbst ist das Tor, das den Weg öffnet hin zur Lebensweide und zur Rettung. Damit gibt Jesus uns zentrale Anhaltspunkte, wie wir ihn erkennen und sicher sein können, dass wir auch wirklich seine Stimme heraushören aus all dem Lärm. Auf ihn und seine Stimme hören, heißt: mich dorthin wenden, wo es Weideland gibt und Rettung und Leben »überreich« und in Fülle. Dort werden behinderte Journalisten nicht öffentlich nachgeäfft- und schon gar nicht von Menschen in verantwortlichen, mächtigen Positionen. Dort bittet ein Papst Obdachlose um Vergebung und um ihren Segen. Jeder Mensch hat dort sein Auskommen, findet Nahrung und findet Heilung für das, was ihm fehlt, was verwundet ist. Jede und jeder ist dort auf Verzeihung angewiesen, ist bedürftig und bereit, auch selbst zu verzeihen.

Damit wir sicher gehen können, beschreibt Jesus das Gegenteil, das abschreckende Beispiel gleich mit. Überall dort, wo das Leben enger und trist und unlebendig wird - dort finden sich die Diebe und die Räuber. Das sind die, sagt Jesus, die stehlen, schlachten und zugrunde richten. Die das Leben beschneiden oder sogar nehmen. Das sind die, die ihre Macht und Position missbrauchen, um andere zu tyrannisieren, wie Metyl Streep sagte. Wenn wir ihnen folgen, verlieren wir alle. Sie führen uns ins Dunkel der Tyrannei, der Respektlosigkeit und der Gewalt.

Auf die Gebrochenen und Kleinen hören und auf unsere eigene Bedürftigkeit

Wenn es uns gelingt, dorthin zu schauen, wo das Leben erblüht, wo Menschen einander und der Schöpfung gut tun, dann folgen wir dem Guten Hirten. Manchmal ist seine Stimme gebrochen, heiser, fast verstummt  — dann müssen wir umso genauer hinhören. Dabei hilft, immer wieder zu schweigen und das Zuhören zu üben. Lauschen und horchen, auch auf die leisen Töne, auf die Gebrochenen und Verwundeten, auf die Kleinen und die Kinder, auf die Bedürftigen jeglicher Art und auf unsere eigene Bedürftigkeit.

 

GABENGEBET

Herr, unser Gott, gib, daß wir dir allzeit danken durch die Feier der österlichen Geheimnisse. In ihnen führst du das Werk der Erlösung fort, mache sie für uns zur Quelle der unvergänglichen Freude. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herr.

PRÄFATION
Wir danken dir, Vater im Himmel, und rühmen dich durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn erstehen die Kinder des Lichtes zum ewigen Leben, durch ihn wird den Gläubigen das Tor des himmlischen Reiches geöffnet. Denn unser Tod ist durch seinen Tod überwunden, in seiner Auferstehung ist das Leben für alle erstanden. Durch ihn preisen wir dich in österlicher Freude und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

EINLADUNG ZUM VATERUNSER

Viele Menschen auf der ganzen Welt beten das Vaterunser. Gottes Familie ist groß. Dennoch dürfen wir an unser je persönlickes Verhältnis zu Gott glauben, so wie es vom Hirten heißt, dass er die Schafe einzeln beim Namen ruft. In diesem Sinn lasst uns zusammen beten; Vater unser im Himmel ...

EINLADUNG ZUM FRIEDENSGEBET

Mir tun die Leute leid, sagt Jesus einmal in einer Situation, sie sind wie Schafe, die keinen Hirten haben. Denken wir an Einzelne und an Völker, die gute Hirten dringend nötig hätten, und bitten wir für alle, die auf der ganzen Welt an der Eucharistie teilnehmen, um die Kraft, dem Frieden zu dienen: Herr Jesus Christus ...

KOMMUNIONVERS

Auferstanden ist der Gute Hirt. Er gab sein Leben für die Schafe, Er ist für seine Herde gestorben. Halleluja.
 

SCHLUSSGEBET

Gott, du Hirt deines Volkes, sieh voll Huld auf deine Herde, die durch das kostbare Blut deines Sohnes erkauft ist; bleibe bei ihr und führe sie auf die Weide des ewigen Lebens. Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

SCHLUSSSEGEN

Der Gott des Lichtes und des Lebens strahle leuchtend auf über uns. Er lasse uns spüren das Feuer der Liebe und wärme unsere Herzen mit seiner Lebensglut, damit wir erkennen seine Güte und seine Barmherzigkeit,die überreich sind für jede und jeden von uns. Er lasse uns aufstehen, wenn Leid unser Leben lähmt - und lasse uns seine Stimme hören, wenn er ruft: Ich will, dass du lebst. Das gewähre uns Gott, der für uns Licht ist am Tag und in der Nacht: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Führen und leiten

Im Übrigen meine ich
Möge uns der Herr weiterhin
Zu den Brunnen des Erbarmens führen
Zu den Gärten der Geduld
Und uns mit Großzügigkeitsgirlanden Schmücken
Er möge uns weiterhin lehren
Das Kreuz als Krone zu tragen
Und darin nicht unsicher zu werden
Soll doch seine Liebe unsere Liebe sein
Er möge wie es auskommt in unser Herz eindringen
Um uns mit seinen Gedankengängen
Zu erfrischen
Und uns auf Wege zu führen
Die wir bisher nicht betreten haben
Aus Angst und Unsicherheit darüber
Dass der Herr uns nämlich aufrechten Ganges
Fröhlich sehen will
Weil wir es dürfen
Und nicht nur dürfen sondern auch müssen
Wir müssen endlich damit beginnen
Das Zaghafte und Unterwürfige abzuschütteln
Denn wir sind Kinder Gottes: Gottes Kinder!
Und jeder soll es sehen und ganz erstaunt sein
Dass Gottes Kinder so leicht und fröhlich sein können
Und sagen: Donnerwetter
Jeder soll es sehen und jeder soll nach Hause laufen
Und sagen: er habe Gottes Kinder gesehen
Und die seien ungebrochen freundlich
Und heiter gewesen
Weil die Zukunft Jesus heiße
Und weil die Liebe alles überwindet
Und Himmel und Erde eins wären
Und Leben und Tod sich vermählen
Und der Mensch ein neuer Mensch wird
Durch Jesus Christus.

(Hanns Dieter Hüsch)