5. Sonntag der Osterzeit

Die Sehnsucht nach dem Zuhause

weg (c) Pfarrbriefservice
weg
Mi 6. Mai 2020
Pfr. Berbner

TAGESGEBET

Gott, unser Vater, du hast uns durch deinen Sohn erlöst und als deine geliebten Kinder angenommen. Sieh voll Güte auf alle, die an Christus glauben, und schenke ihnen die wahre Freiheit und das ewige Erbe. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

ERSTE LESUNG Apg 61-7
Lesung aus der Apostelgeschichte.

In diesen Tagen, als die Zahl der Jünger zunahm, begehrten die Hellenisten gegen die Hebräer auf, weil ihre Witwen bei der täglichen Versorgung übersehen wurden.

Da riefen die Zwölf die ganze Schar der Jünger zusammen und erklärten:

Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen widmen. Brüder, wählt aus eurer Mitte sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit; ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen. Wir aber wollen beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben.

Der Vorschlag fand den Beifall der ganzen Gemeinde und sie wählten Stephanus, einen Mann, erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist, ferner Philippus und Pröchorus, Nikänor und Timon, Parmönas und Nikolaus, einen Proselyten aus Antiöchia.

Sie ließen sie vor die Apostel hintreten und diese legten ihnen unter Gebet die Hände auf.

Und das Wort Gottes breitete sich aus und die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer; auch eine große Anzahl von den Priestern nahm gehorsam den Glauben an.
Wort des lebendigen Gottes.

EVANGELIUM Joh 14,1-12

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr.

Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen?

Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.

Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.

Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!
Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater. 
Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.


FÜRBITTEN

Zu Jesus Christus, der für uns Weg, Wahrheit und Leben ist,
beten wir voll Vertrauen:

  • Für alle, die vom Weg abgekommen sind und in ausweglose Situationen geraten sind.
  • Für alle, die uns auf unserem Lebensweg nahe sind und mit uns Wahrheit und Leben suchen.
  • Für alle, die weite und gefährliche Wege zurückgelegt haben, um Elend zu entkommen, um Schutz und eine bessere Zukunft zu haben.
  • Für alle, die auf der Suche sind nach einem Partner oder einer Partnerin fürs Leben.
  • Für alle, die den Glauben verkündigen und Wege zu einem Leben als bekennender Christ ebnen.
  • Für unsere Verstorbenen, die auf das ewige Leben gehofft haben.

Du, Herr, schenkst uns Sicherheit und Orientierung. Du schenkst uns Bilder der Hoffnung für unser Leben und für die ganze Welt. Dir sei die Ehre in alle Ewigkeit. Amen.

Predigt

Liebe Schwestern und Brüder!

»My home is my castle«, sagt eine englische Redensart und meint so viel wie: Meine Wohnung oder mein Haus gehen mir über alles! Das ist mein Reich, in dem ich tun und lassen kann, was ıch will; da bın ich Mensch, da kann ıch sein. Wer viel unterwegs ist, beruflichem Druck und persönlicher Anspannung ausgesetzt, der sehnt sich nach einem Platz, wo er einfach Mensch sein darf. Zur Ruhe kommen; ın einer vertrauten Umgebung da sein, ohne sich zu rechtfertigen, wer wünschte sich das nicht! ? Eine solche Sehnsucht nach Heimat, nach einer Bleibe hat viele Gesichter.

Ist es doch der Traum vieler Menschen, vier Wände als Eigentum zu besitzen. Wie viel an Energie verwenden wir darauf, um dieses Ziel zu erreichen, wenigstens aber einigermaßen sicher und bequem zu wohnen. Ideen und Phantasie vermögen ein gemütliches Heim zu schaffen, in liebevoller Kleinarbeit eine Welt zum Wohlfühlen zu zaubern. Wer dagegen erst einmal eine Wohnung suchen muss, der weiß um die Not, das Rechte zu finden. Und wer Kinder hat, muss nicht selten bitter erfahren, dass er nicht willkommen ist.

Dabeı sagen wir in unserer Sprache: Platz ist in der kleinsten Hütte. Vermutlich verbirgt sich dahinter das Gespür, dass Heimat und Geborgenheit nur zum Teil von den eigenen vier Wänden abhängen. Vielmehr kommt der Wunsch nach einem Ort ins Spiel, wo unsere Müdigkeit und Kraftlosigkeit abfallen, wo die zermürbende Unruhe zur Ruhe kommen darf und alles Belastende zurücktritt. Das ist jene Wohnung, die sich letztlich nur Menschen sein können, die einander vertraut sind und sich gegenseitig aushalten.

Hinter all dieser Sehnsucht verbirgt sich die Hoffnung auf eine endgültige Wohnung, ein Zuhause, das uns nicht mehr genommen werden kann. Nicht umsonst geht es so tief, wenn wir von Menschen verlassen werden, die uns nahe sind. Der Boden unter den Füßen droht wegzubrechen, eine Welt stürzt ein. Eine solche Enttäuschung steht nicht selten hinter dem Konflikt der Generationen. Wer sich alleingelassen und fremd fühlt, der hat Heimat verloren.

Liebe Schwestern und Brüder! Wo also suchen wir danach, dass sich unsere Sehnsucht nach dem Zuhause erfüllt? Warum strengen wir uns so sehr an, den Weg zu finden, der uns am Ende an ein Ziel führt?! Vielleicht geht es uns wie dem Apostel Thomas. Er versteht die Andeutung Jesu vom ewigen Zuhause nicht. »Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen ?« Dabei spricht Jesus nicht wie von einer fernen, überirdischen Kostbarkeit, sondern schlägt selbst die Brücke zur Wirklichkeit. »Ich gehe«, sagt er, »um einen Platz für euch vorzubereiten.« Und »wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen.« Er selbst ist der treue Begleiter, der uns in jene Heimat führen wird, in der wir geborgen sind. In der wir einen Platz haben mit allem, was einen jeden Einzelnen von uns auszeichnet. So wie uns an einem gehetzten "Tag die Freude auf das Zuhause durchhalten lässt, so kann uns diese Hoffnung noch tragen, wenn wir nicht mehr weitersehen.

»Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?« Das ist tröstlich. »Viele Wohnungen« sind es bei Gott. Viele Wohnungen sind es für die vielfältigen Lebensentwürfe und Träume. Da wird keinem eine Wohnung von der Stange zugewiesen. Deshalb können wir auch nicht mehr so einfach sagen: »Du gehörst nicht zu uns!«, wenn uns etwas fremd erscheint, als vielleicht eher: »Du bist nicht fern vom Reich Gottes!« Vor diesem Hintergrund dürfen wir hoffen, dass Jesus auch für uns bei Gott eine Wohnung bereitet. Eine Wohnung, in der wir mit allen Licht- und Schattenseiten aufgenommen werden — und die uns selbst der Tod nicht mehr nehmen kann. »Euer Herz lasse sich [also] nicht verwirren.«
Mit dieser Kurzformel des Glaubens ermutigt uns Jesus, uns, fest verankert am Boden, nach dem auszustrecken, was letztlich bei Gott Bestand hat. Denn in dieser von Jesus verheißenen Wohnung hat alles einen Platz, was uns ausmacht. »Glaubt an Gott und glaubt an mich!« Das genügt. Glauben nicht im Sinne von Glaubenssätzen auswendig lernen, sondern im Sinne von Vertrauen. Das kann uns in bedrängter Zeit ermutigen. In einer Zeit, in der die Hetze uns allzu oft gefangen nimmt. Denn sie macht uns unbehaust und lässt uns sehnsüchtig werden nach einem Zuhause, das Bestand hat. Fine solche Heimat wird uns zugesprochen. Eine Verlässlichkeit, auf die wir uns verlassen können. Da gilt es, den Anker zu werfen und uns zu verorten.

Liebe Schwestern und Brüder! »My home is my castle!« Wenn wir davon schon jetzt etwas erahnen, haben wir allen Grund zur Dankbarkeit. Letztlich aber ist es tröstlich zu wissen, dass es
»im Haus [des] ... Vaters [für uns] ... viele Wohnungen [gibt]« und wir uns deshalb nicht verwirren zu lassen brauchen.

GABENGEBET

Erhabener Gott, durch die Feier des heiligen Opfers gewährst du uns Anteil an deiner göttlichen Natur. Gib, daß wir dich nicht nur als den einen wahren Gott erkennen, sondern unser ganzes Leben nach dir ausrichten. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

PRAFATION
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, Vater, in diesen Tagen freudig zu danken, da unser Opferlamm geopfert ist, Jesus Christus. Als er seinen Leib am Kreuz dahingab, hat er die Opfer der Vorzeit vollendet. Er hat sich dir dargebracht zu unserem Heil, er selbst ist der Priester, der Altar und das Opferlamm. Durch ihn preisen wir dich in österlicher Freude und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit.

EINLADUNG ZUM VATERUNSER

In der Lesung wurden wir eingeladen, uns zu einem geistigen Haus aufbauen zu lassen und zu einer Gemeinschaft von priesterlichen Menschen, von solchen also, die Gott den Menschen nahebringen. Das tut auch das Vaterunser-Gebet. Es baut uns auf und richtet uns aus. Beten wir es jetzt ganz bewusst in diesem Sinne: Vater unser im Himmel ...

EINLADUNG ZUM FRIEDENSGEBET

Der Dienst am Wort und der Dienst an den Tischen, Lehre und Leben, dürfen nicht auseinanderfallen, sondern sollen stets aufeinander verweisen. Im Bewusstsein, dass diese Bemühung immer notwendig ist, beten wir auch heute: Herr Jesus Christus ...

KOMMUNIONVERS Vgl. Joh 15,1,5
So spricht der Herr: Ich bin der wahre Weinstock, ihr seid die Rebzweige. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht. Halleluja.