6. Sonntag der Osterzeit

Alles geht gut aus

HeiligerGeist (c) Pfarrbriefservice
HeiligerGeist
Di 12. Mai 2020
Pfr. Berbner

TAGESGEBET

Allmächtiger Gott, laß uns die österliche Zeit in herzlicher Freude begehen und die Auferstehung unseres Herrn preisen, damit das Ostergeheimnis, das wir in diesen fünfzig Tagen feiern, unser ganzes Leben prägt und verwandelt. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

ERSTE LESUNG Apg 8,5-8.14-17

Lesung aus der Apostelgeschichte.

In jenen Tagen kam Philippus in die Häuptstadt Samariens hinab und verkündete dort Christus. Und die Menge achtete einmütig auf die Worte des Philippus; sie hörten zu und sahen die Zeichen, die er tat. Denn aus vielen Besessenen fuhren unter lautem Geschrei die unreinen Geister aus; auch viele Lahme und Verkrüppelte wurden geheilt. So herrschte große Freude in jener Stadt.

Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Sarndrien das Wort Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin. Diese zogen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen. Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur getauft auf den Namen Jesu, des Herrn. Dann legten sie ihnen die Hände auf und sie pfingen den Heiligen Geist.

Wort des lebendigen Gottes.

Philippus, von dem hier berichtet wird, ist einer der Diakone,die zusammen mit Stephanus gewählt worden waren. Man kann sich fragen, wie er sich gefühlt haben muss nach den dramatischen Ereignissen in Jerusalem, die mit der Steinigung seines Freundes und Kollegen einen traurigen ersten Höhepunkt erreicht hatten. Und weiter, wie es ihm ums Herz sein musste, jetzt, da er und andere die Heimat verlassen und in die Fremde gegangen waren, weil Saulus mit allen Mitteln versuchte, die Kirche zu vernichten. Wenn so jemand überzeugen kann, wenn so jemand es wagt, von seinem Glauben zu reden, dann kann das etwas Faszinierendes und Bezwingendes haben. Trauer und Leid konnten und können ihn nicht beugen. Und nun stärkt das, was ihn stärkt, auch andere. Davon kündet diese Lesung. Zugleich macht sie aufmerksam auf die Tatsache, dass Verfolgungszeiten und der Vernichtungswille von Fanatikern mitunter das Gegenteil von dem erreichen, um was es ursprünglich ging. Nach Samarien wäre Philippus sonst wohl nie gekommen. Auch, dass die Apostel gerufen werden und »zum Firmen« kommen, ist ein sehr schöner Hinweis, dass der gute Geist, der dazu geführt hatte, Diakone zu wählen und Verantwortung zu teilen, trotz aller Schwierigkeiten weiter am Wirken ist.


Evangelium Johannes 14, 15-21

Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet. An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. 

Aussprache

Alles geht gut aus

Manche ältere und mittlerweile auch jüngere Menschen neigen dazu, die Zukunft mit dunklen Farben zu zeichnen. Ein Blick in die Nachrichten bestätigt sie ja auch: Die Freiheit des Menschen, für die manche sogar in den Tod gehen, wird mancherorts weiterhin mit Füßen getreten; es gab noch nie so viele christliche Märtyrer wie in unseren Tagen, noch nie waren so viele Menschen auf der Flucht und noch immer sitzen Millionen von Menschen vor leeren Tellern, während in reichen Ländern, wie etwa in Deutschland, ein Drittel der Lebensmittel im Müll landet.

Aber warum soll es nicht eine bessere Zukunft für alle geben? Der ehemalige Innsbrucker Bischof Reinhold Stecher hat dazu ein köstliches Beispiel erzählt:

Es war einige Tage vor den Osterferien. Ich war gerade mit der langen Erzählreise über Abendmahlsaal, Ölberg und Golgota bis zur Auferstehung zu Ende gekommen. Da hab ich an den Sepp! in der dritten Bank die gewichtige Frage gestellt, was ihm denn an der Erzählung von Jesus am besten gefallen habe.

Der Achtjährige, auf einem einsamen Hof eine Stunde hangeinwärts zu Hause, gab strahlend die Antwort: »Dass alles so gut ausgeht!« 

Die Antwort zwang mir ein Lächeln ab: »Dass alles so gut ausgeht!«

Wie unbekümmert ein Kind seine Sehnsucht auf den Punkt bringen kann! Es nützt mir letztlich doch nichts, wenn mir ein berühmter Philosoph auf die Schulter klopft und klarmacht,  dass Sinnlosigkeit zum Leben gehört oder ich mit einer raffinierten Versenkungsmethode aus der Wirklichkeit fliehe und in ein Nirwana entschwebe.

Es hilft mir nur der Auferstandene, weil er nicht von unserer Seite der Ohnmacht kommt. Er ist der Einzige, dem ich abnehme, dass - trotz allem - alles gut ausgeht.

Nach Reinhold Stecher

Darin liegt das Senfkorn unseres Glaubens, das Berge versetzen kann: Weil der Auferstandene unser Halt ist, können wir - trotz allem - an einer besseren Welt bauen. Eine Welt, in der wir für mehr Gerechtigkeit und Frieden kämpfen und für eine Toleranz, in der jede und jeder erwünscht ist. Ja, weil Jesus in unserer Mitte ist, vertrauen wir darauf, dass alles gut ausgeht - trotz allem. Und das ist doch ein Grund für tiefe österliche Freude!

Fürbitten

Guter Gott, dein lebendiger Geist ist uns verheißen. Er will uns von innen her erfüllen und erneuern. Wir bitten dich:

  • Um den Geist der Liebe für alle, deren Herz sich nicht mehr berühren lässt von der Not anderer Menschen.
  • Um den Geist der Wahrheit für alle, die Menschen mit falschen Worten negativ beeinflussen und Zwietracht säen.
  • Um den Geist der Lebendigkeit für alle, die sich in ihren Lebensmöglichkeiten eingeengt und erstarrt fühlen.
  • Um den Geist des Mutes für alle, die resigniert haben und keine Kraft mehr spüren zum Weiterleben.
  • Um den Geist des Trostes für alle, die trauern um den Verlust eines geliebten Menschen.

Guter Gott, wir brauchen deine Nähe und deinen Beistand. Stärke unser Vertrauen, dass du mit uns auf dem Weg bist, heute und alle Tage unseres Lebens. 
Amen.