Schmuckband Kreuzgang

Lassen wir uns begeistern

(c) Walter
Datum:
Mo. 16. Mai 2022
Von:
Walter Montigny

Liebe Gemeinde,

unser alltägliches Leben ist eingewo­ben in Etikette, gesellschaftliche Re­geln und Gesetze. Wir haben uns da­ran gewöhnt oder damit arrangiert, dass uns dies Richtschnur sein kann oder einen Rahmen vorgibt. Das ist gut so, denn es hilft auch, dass Men­schen miteinander auskom­men. Was globale Teilhabe betrifft, haben die verschiedenen Zivilisatio­nen un­tereinander leider noch erhebliche Defizite, die dringend aufgelöst werden sollten.

Die vermeintliche Sicherheit, an die wir uns eben durch Achtung dieser Regeln ge­wöhnt haben, führt jedoch auf der an­deren Seite auch dazu, dass Fantasie und Kreativität allzu oft ein Schatten­dasein führen oder schlimmstenfalls einfach verküm­mern.

Kinder könnten uns da ein Vorbild sein. Sie sind noch nicht eingebunden oder eingeschränkt, je wie man es sehen möchte. Für alles offen lernen sie beim Tun und mit unserer Hilfe, sich im Geflecht der Regeln zurechtfinden. Fantasie und Kreativität sind dabei der Motor für ihre Entwicklung und manche können sich diese Gaben oder wenigstens einen Teil davon beim Erwachsenwerden bewahren.

 

Als Kind mit Dir
auf Du und Du.

Doch irgendwann
bist Du entschwunden
meinen Blicken.

So suche ich
seit Jahren schon
den Himmel ab
nach deines Geistes
Feuerzungen.

 

Gisela Baltes fasst in wenigen Zeilen trefflich zusammen und stellt damit auch die Frage, in welcher inhaltlichen Dimension der Biblische Text zu Pfingsten noch bei uns ankommt.

„Der Heilige Geist erfüllt die Jünger mit dem lebendigen Glauben daran, dass Gott Jesus vom Tod auferweckt hat, dass er heute lebt und regiert. Sofort beginnen die Apostel, allen voran Petrus, anderen zu verkün­den, was sie selbst erlebt haben. Sie konnten plötzlich in vielen Sprachen sprechen und alle Zuhörenden konn­ten sie verstehen.“

(c) Pfarrbriefservice.de

Ich lade Sie ein, mit auf die Suche zu gehen, Fragen zu stellen, zu sortieren, sich Antworten zu nähern.

Bis der biblische Text unser Herz erreicht, wenn er denn so weit vordringt, wurde er von Regeln und Sach­zwängen geschliffen, reduziert auf Worte, die man glaubt zu glauben. Gestehen wir uns selbst ein, dass es uns kaum gelingen würde, nur mit eigenen Worten den Inhalt überzeugend zu beschreiben? Es fehlt Entscheidendes, aber ein erster Schritt könnte es sein.

Lassen wir uns von Gottes Geist packen und beGEISTern? Also nicht nur hören, sondern auch und vor allem fühlen. Über die Worte hinaus, auf direktem Weg hinein in unser Innerstes.

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. So sagt es der Fuchs dem kleinen Prinzen.

Schauen wir über Mauern und geben wir unserer Fantasie und Kreativität Luft zum Atmen? Nehmen wir uns die uneingeschränkte Offenheit der Kinder zum Vorbild und lassen un­seren Gefühlen freien Lauf, uns über­raschen von dem, was uns durch die Worte vor Augen geführt wird? Su­chen wir zu erspüren, was kaum er­fassbar ist, wo uns Gott im Rauschen des Windes, im Brausen des Sturms, in Feuerzungen nicht sicht­bar aber spürbar, fühlbar gegen­übersteht?

Jesu Jünger hatten zwar den Vorteil, alles erlebt, es am eigenen Leib erfahren zu haben. Aber auch ihnen hat der Geist den letzten Schubs gegeben.

Wenn die Worte zu Pfingsten sich in unseren Emotionen spiegeln, in der Waage liegen, wird es uns dann möglich sein, sie mit unserer Begrenztheit zu ertasten?

Wollen wir es versuchen?