Schmuckband Kreuzgang

Gedanken zum 5. Sonntag der Osterzeit 2020

Pfarrer Martin Sahm macht sich Gedanken über die richtige Richtung

Richtungspfeil (c) Pfarrer Martin Sahm
Richtungspfeil
Datum:
Mo 11. Mai 2020
Von:
Pfarrer Martin Sahm

Gedanken zum 5. Sonntag der Osterzeit 2020

10. Mai 2020

von Pfr. Martin Sahm

           

Die Bibelstellen des Sonntages sind:

- 1. Lesung:    1. Petrusbrief 2, 4-9

- Evangelium: Johannesevangelium 14, 1-12

 

Einleitende Worte

Liebe Schwestern und Brüder, herzlich willkommen! Ich freue mich, dass wir heute wieder gemeinsam Gottesdienst feiern können! Ja, ich weiß, es ist eine komische Situation: sich für einen Gottesdienst anmelden zu müssen; nicht auf dem gewohnten Weg auf seinen Platz gehen können; kein Gesangbuch; aber Mindestabstand – dafür aber Desinfektionsmittel und ein Ordner an der Tür…

Auch, dass wir nicht wie gewohnt miteinander singen dürfen. Vieles wird sich noch einspielen müssen. Und das wird es auch, in den nächsten Wochen.

Lassen wir uns von diesen Äußerlichkeiten die Freude am Gottesdienst nicht nehmen! Lassen wir uns nicht ablenken von dem, der wirklich zählt: Jesus Christus!

 

Predigt

Liebe Schwestern und Brüder,

auch die Jünger Jesu waren in ihrem Glauben – und ihrer Treue zu ihm – nicht immer so fest und standhaft, wie es die folgenden Generationen gerne verklärt haben. Sie waren nicht immer; nicht alle und auch nicht in jedem Moment fest überzeugt, dass Jesus wirklich der Messias war. Die Evangelien berichten immer wieder von ihrem Unglauben, oder zumindest von ihren Zweifeln. Und nichts anderes, als diese Angreifbarkeit seiner Jünger meint Jesus, wenn er die Worte spricht: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren!“ Es lasse sich nicht verwirren von den vielen Stimmen der Zeit. Von denen, die ihnen einreden wollen, dass mit diesem Jesus irgendetwas nicht stimmt. Diese Einflüsterer am Wegesrand. Jene, die aufstacheln und aufwiegeln. Auch Jesus wurde so bekämpft; von Leuten, die keine Ahnung von ihm hatten; von Menschen, die sich keine Mühe gaben, ihn zu verstehen, aber doch schon längst ein Urteil über ihn gefällt hatten. Von Menschen, die ihre Stimmgewalt einsetzten, um ihre persönliche Meinung unter das Volk zu bringen und für bare Münze zu verkaufen. Ist es da so verwunderlich, dass Pilatus resigniert antwortet: „Was ist Wahrheit…?!“

Jesus, der angegriffene, bleibt sachlich. Er bleibt ruhig. Er weiß, dass er in dieser Situation der Konfrontation nicht gewinnen kann. Die anderen sind zu angesehen; ihre Stimmen zählen beim Volk und den Römern.

Um seine Botschaft zu retten, spricht er nicht zu denen, die ihn niederschreien würden. Er geht zu seinen Jüngern, um ihnen die wichtigsten Dinge noch einmal zu erläutern. Sein Tod steht fest; es geht darum, die Zeit danach abzusichern.

„Glaubt an Gott…“ erinnert er sie: Glaubt an Gott, den Vater; und an alles, was die hl. Schrift über ihn lehrt; glaubt den Propheten.

„und glaubt an mich!“ Glaubt an all das, was ich euch über mich gesagt habe; glaubt an das, was in der hl. Schrift auch über mich gesagt ist, denn ich habe es erfüllt! Glaubt an das, was ich in eurer Mitte gesagt und getan habe – denn diese Zeichen und Wunder sind nur geschehen, damit ihr erkennt, wer ich bin!

Und Jesus geht noch einen Schritt weiter: Wir haben hier eines der wenigen direkten Zeugnisse Jesu, dass er selbst der erwartete Messias ist: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, außer durch mich.“

Ich bin der – so sagt Jesus – der gesandt ist, um euch zum Vater zu führen. Und ich weiß, wovon ich rede, denn ich bin es selbst!

An diese Bibelstelle vom Weg und von der Wahrheit musste ich unwillkürlich denken, als ich dieser Tage mit Elmar Sandhofen (Lich) / Markus Weimer und Reimund Giersch (Hungen) die Pfeile auf den Boden der Kirche kleben musste. Diese Wegweiser sind selten so aktuell, wie heute. Es gibt wohl kaum ein Geschäft, wo sie uns nicht begegnen. Kaum ein öffentlicher Raum, in dem es keine Wegweiser gäbe. Jetzt also auch in der Kirche. Was mir beim Aufkleben besonders schwer fiel war die Tatsache, dass die Pfeile nicht nur nach vorne weisen (Mitte), sondern auch wieder nach hinten (Seiten). Sollte denn in einer Kirche nicht jeder Pfeil einfach nur nach vorne zeigen? Nicht auf den Priester; aber auf Christus? (Altarbild/ Tabernakel) Wir sollten doch die Menschen hinführen zu den Sakramenten, statt durch Striche auf dem Boden wieder Grenzen und Abstände zu schaffen… Und doch sind uns diese viele Pfeile vorgeschrieben, ohne eine Reglementierung der Wege dürften wir uns eben nicht versammeln.

Liebe Schwestern und Brüder, es ist nicht leicht, in diesen Zeiten der Distanz und der Abstände ein Gemeinschaftsgefühl entstehen zu lassen. Besonders wenn alles, was uns hilft, untersagt ist: kein wirklicher Gemeindegesang; kein normaler Plausch vor oder nach der Kirche; die großen Feiern sind alle abgesagt; auf noch unbestimmt verschoben; oder reduziert auf einen kleinen Kreis.

Und doch sind wir Gemeinschaft. Auch in den letzten Wochen, in denen wir uns hier nicht gemeinsam treffen konnten waren wir eine Gemeinschaft! Wir Christen stehen oft staunend vor der Eucharistie; Gott schenkt sich uns! Er kommt zu mir. Legt sich in meine Hand; und wird mir zur Speise. „Herr, ich bin nicht würdig!!“ Doch das Sakrament der Eucharistie betrifft nicht nur Gott und mich. Es betrifft ebenso auch alle, die es auch empfangen oder mal empfangen haben. Christus erinnert uns daran im Wort vom Weinstock: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben!“ Das heißt: wir gehören alle nicht nur zu ihm, sondern auch zusammen! Auch dann, wenn wir uns nicht regelmäßig sehen. Auch wenn einer – in der Fernsehübertragung – den Gottesdienst in Köln mitgefeiert hat, und einer in Mainz; an der Bergstraße, in Berlin oder in Bayern, oder mit einem kleinen Gottesdienst mit der Familie im eigenen Wohnzimmer. Die Kilometer, die zwischen diesen Orten liegen, zählen nicht. Denn in einer jeden Feier der Eucharistie ist immer das ganze Volk Gottes versammelt.

Liebe Schwestern und Brüder, der Blick in die Kirche zeigt, dass wir auch jetzt noch weit von der Normalität entfernt sind. Es sind erste Schritte. Und doch, jeder einzelne Schritt zählt, solange Christus unser Weg bleibt. Amen