Schmuckband Kreuzgang

Gedanken zum 6. Sonntag der Osterzeit 2020

Pfarrer Martin Sahm macht sich Gedanken über die Situation jemandem "Rede und Antwort" zu stehen

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Menschengruppe
Datum:
Mo 18. Mai 2020
Von:
Pfarrer Martin Sahm

Gedanken zum 6. Sonntag der Osterzeit 2020

17. Mai 2020

von Pfr. Martin Sahm

           

Die Bibelstellen des Sonntages sind:

- 1. Lesung:    1. Petrusbrief 3, 15-18

- Evangelium: Johannesevangelium 14, 15-21

 

Predigt

Liebe Schwestern und Brüder,

wie hat sich – auch durch die neuen Medien und die sozialen Netzwerke – nur Kommunikation verändert. Noch vor wenigen Jahrzehnten war dieser eine Satz über das Zeugnisgeben aus dem 1. Petrusbrief eine große Herausforderung. Wer kann schon / wer will schon groß und viel von sich erzählen? Gerade über intime Dinge wie auch den eigenen Glauben redete man nicht gerne. Da war es wichtig, diese Aufforderung immer und immer wieder zu hören! Es war wichtig, die Leute zu ermutigen, zu den eigenen Überzeugungen auch zu stehen. Und eben auch vom eigenen Glauben Zeugnis abzulegen. Genau das war und ist noch immer die besondere Rolle eines Paten: Den eigenen Glauben erklären zu können; davon zu berichten, was dieser Glaube für mich und mein Leben bedeutet. So eben, wie wir es gerade gehört haben: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt.“

Aber wie hat sich das heute verändert?

Jeder kann – und viele tun es: sie schreien geradezu ihre eigenen Gedanken in die Welt hinaus. Erst waren es Kurznachrichten über Twitter oder Instagram; heute als Videobotschaften. Mal sind sie mehr, mal weniger fundiert. Mal nüchtern und sachlich, mal laut und hochemotional…

Ob Politiker, Köche oder Musiker, auch Pfarrer und Kardinäle: jeder kann veröffentlichen, was ihm gerade durch den Kopf geht. Und bei so manchem erinnert man sich an den Lateinunterricht zurück: [„Si tacuisses, philosophus mansisses“] – „Hättest Du geschwiegen, so wärst Du Philosoph geblieben.“ So ein lateinisches Sprichwort. Hättest Du doch geschwiegen, dann hättest Du Dir keine Blöße gegeben; dann würdest Du immer noch als klug, oder garals weise gelten.

Nun ja, trotz allem müsste sich doch zumindest der Verfasser des Petrusbriefes freuen: Nach so vielen Jahrhunderten endlich mal eine Generation, die das Herz auf der Zunge trägt. Eine ganze Generation, die eintritt für das, was sie für richtig hält.

Doch diese Schlussfolgerung ist ein großer Irrtum! Leute, die viel von sich – aber auch von anderen erzählt haben, hat es immer schon gegeben. Die sind nichts Besonderes, auch wenn sie heute vielleicht eine größere Verbreitung finden. Der Autor schreibt aber nicht(!): führt das große Wort! Er sagt nicht: redet oder schreit alle nieder, die anderer Meinung sind! Er würde heute nicht sagen: Sammelt Klicks und Downloads; die Verbreitung, auf die es aus christlicher Sicht ankommt, ist eine andere!

Da hilft auch ein Blick in die Kirchengeschichte: dort, wo es laut wurde und die Stimmung aufgeladen war, dort war nicht die Blüte – sondern meist die Katastrophe nicht mehr weit:

Die Gerichtsverhandlung Jesu vor Pilatus, als der römische Statthalter Angst bekam vor der schreienden Menge;

Auch später, als das Volk aufgewiegelt wurde zu den Kreuzzügen oder den Hexenverbrennungen;

Immer da, wo die Rufe / das Geschrei / die Emotionen das Evangelium von der Liebe Gottes zu uns Menschen übertönt haben, waren wir ganz klar in den dunkelsten Kapiteln unserer Kirchengeschichte.

Worum geht es Petrus aber dann? Nun, es ist keineswegs eine Aufforderung, uns auf die Marktplätze zu stellen und zu predigen. Es ist zu allererst eine Aufforderung, ein überzeugend christliches Leben zu führen! Zu hoffen auf die Auferstehung; den Nächsten zu lieben; auf Gott zu vertrauen! Und das so überzeugend und ehrlich zu tun, dass es anderen auffällt. So, dass sie neugierig werden.

Und wenn sie dann kommen und fragen: „Sag mal, wie kannst Du eigentlich so leben?“ „Warum tust Du das?“

Dann sollen wir Christus nicht verleugnen; auch wenn mir das vielleicht Spott und Hohn einbringen könnte.

„Rede und Antwort“ meint also nicht die hohe Theologie, wo wir vielleicht Angst haben könnten, etwas Falsches zu sagen und daher lieber schweigen. „Rede und Antwort“ meint: Das zu sagen – dafür einzustehen – was ich verstanden habe. Und das auch zu leben. Amen.