12. So. im Jahreskreis C- Msgr. Klaus Mayer

„ES GIBT NICHT MÄNNLICH UND WEIBLICH; DENN IHR ALLE SEID EINER IN CHRISTUS JESUS."

Datum:
Mi. 26. Juni 2019
Von:
Msgr. Klaus Mayer

IHR ALLE SEID EINER IN CHRISTUS JESUS 22./23.06.2019
Sach 12,10-11;13,1 Gal 3,26-29; Lk 9,l8-26

Bestandsaufnahme, heute in der Zweiten Lesung aus dem Galaterbrief: Paulus schreibt: "Da gibt es nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus" (Gal 3,28). Das kennzeichnet die Jünger Jesu damals und uns heute, die wir auf Christus getauft sind: "Ihr alle seid einer in Christus Jesus."

Jünger Jesu sein beginnt mit der Beantwortung seiner Frage im Evangelium: "Für wen haltet ihr mich" (Lk 9,20)? - "Für wen hältst du mich?" Petrus antwortete: "Für den Christus Gottes", für den "Gesalbten", den von Gott einzig erwählten, verheißenen Messias, den Retter der Welt
In Jesus den "Christus Gottes" zu erkennen, ist nicht so einfach weil dieser Christus so gar nicht unserer menschlichen Vorstellung entspricht: kein königlicher Prunk, keine Zurschaustellung von Macht. Jesus bereitet die Jünger auf sich, den ganz anders Erwarteten, vor: "Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten - also den geistlichen Profis - verworfen werden; er muss getötet und am dritten Tag auferweckt werden" (Lk 9,22).

Wir Menschen fassen das nicht. Schon im Buch des Propheten Sacharia 12,10, unserer Ersten Lesung, wird verkündet: "So spricht" der Herr: Über das Haus David und über die Einwohner Jerusalems werde ich einen Geist des Mitleids und des flehentlichen Bittens ausgießen." Ohne den „Geist" geht es nicht. Nur mit dem Geist, vom Geist beseelt, kann geschehen: „Und sie werden auf mich blicken, auf ihn, den sie durchbohrt haben. Sie werden um ihn klagen, wie bei der Klage um den Einzigen; sie werden bitter um ihn weinen, wie man um den Erstgeborenen weint." Und wir begreifen, für den Zugang zu dem leidenden und sterbenden Christus Gottes muss der "Geist des Mitleids und des flehentlichen Bittens auch über uns ausgegossen werden.

Nur im Blick auf diesen leidenden Christus Gottes können wir dann auch nachvollziehen, was Jesus uns sagt: "Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach" (Lk 9,23)
„Ihr alle seid einer in Christus Jesus". - Mit der Antwort auf die Frage Jesu „Für wen hältst du mich?": „Für den Christus Gott" gewinnen wir Zugang zu ihm. Aber damit gewinnen wir auch zugleich Zugang zu unseren Mitmenschen angesichts der vielen Grenzen, Abschottungen, die wir Menschen im Lauf unserer Geschichte aufge¬baut haben, etwa „zwischen Juden und Griechen, Sklaven und Freien, männlich und weiblich", wie Paulus im Galaterbrief schreibt. Alle diese Grenzen, Trennungslinien, Unterschiede trennen nicht mehr, wenn wir an Christus Jesus glauben. Der Apostel sagt uns: "Ihr alle seid einer in Christus Jesus."

Biblische Botschaft ist nicht zeitgebunden, sondern zeitübergreifend, brandaktuell. So auch diese Lesung aus dem Galaterbrief im Blick auf die in unseren Tagen lebhafte Diskussion um die Stellung und Verantwortung der Frau in der Kirche. Das Leitwort für den pastoralen Weg im Bistum Mainz lautet: "Eine Kirche, die teilt". Dabei geht es auch darum, zeitbedingte, gesellschaft¬liche, geschichtliche Fehlentwicklungen und Festlegungen zu hinterfragen, nicht biblische Grenzen abzubauen, Verantwortung zu teilen": "Es gibt nicht mehr männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus."

Viele Begrenzungen, die wir Menschen in Jahrhunderten aufgebaut haben, gibt es in der Bibel in der heute noch bestehenden, praktizierten Form so nicht. Auf der ersten Seite der Bibel steht: "Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie" (Gen 1,27). Da gibt es kein über und unter, sondern "männlich und weiblich erschuf er sie. Ebenbürtig, gleichwertig, gleichberechtigt, wie in unserem Paradieses Bild Adam und Eva gleich groß gemalt.
Da gibt es nur ein und denselben Glauben für beide Geschlechter "Es gibt nur eine Taufe", so Eph 4,5, und eine Taufliturgie für beide Geschlechter.
Es gibt nur ein Firmsakrament für beide Geschlechter. In der Apostelgeschichte 1,14 und 2,4 lesen wir: "Alle verharrten (nach Christi Himmelfahrt) einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria , der Mutter Jesu." Und "Alle (männlich und weiblich) wurden erfüllt vom Heiligen Geist."
Das gleiche Gotteswort der Bibel ist beiden Geschlechtern gegeben
Frauen folgten Jesus, ebenso wie die Jünger. Frauen wie Männer, Mädchen wie Jungen wurden von Jesus geheilt, aus dem Tod auferweckt. (z.B. die Tochter des Jairus, der Jüngling von Naim)

Höchsten Stellenwert unter allen Menschen, nach Jesus, der Gott und Mensch, empfängt eine Frau, Maria, die Königin aller Engel und Heiligen, wie die vielen Marienfeste, Marienkirchen, Marienwallfahrtsorte bezeugen. Nur Maria, eine Frau, war so tief einbezogen in die Heilsgeschichte, das Geheimnis der Menschwerdung in ihrer einzigartigen Berufung, Mutter Gottes zu werden.

Frauen stehen unter dem Kreuz. Männer waren dort äußerst spärlich nur in Johannes, vertreten. Eine Frau, Maria Magdalena, ist es, der sich der auferstandene Jesus zu erkennen gab und die er zu den Aposteln gesandt hat mit der Frohbotschaft, dass er lebt.

Polarität ist Grundgesetz der Schöpfung, der Menschheits- und Heilsgeschichte, deshalb auch ein Leitmotiv in unseren Chagall-Fenstern, besonders im Fenster des Mannes und dem Fenster der Frau.

Es ist zutiefst biblischer Befund, was Paulus in die Worte fasst: "Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. Deshalb brauchen wir „eine Kirche, die teilt", die den Frauen - mindestens 50% aller Christen - den Anteil gibt in Diensten, Aufgaben und Verantwortung, der ihnen zukommt:

„ES GIBT NICHT MÄNNLICH UND WEIBLICH;
DENN IHR ALLE SEID EINER IN CHRISTUS JESUS."