Verabschiedung von Pfarrer Stefan Schäfer

Gemeinde (c) Chr. Dischinger
Gemeinde
Datum:
Mo 29. Jun 2020
Von:
Pfarrbüro

Am 28.06.2020 verabschiedete die Pfarrei St. Stephan ihren langjährigen Pfarrer Stefan Schäfer.  Nachfolgend finden Sie zum Nachlesen die Redebeiträge von Christoph Stillemunkes, Dr. Regina Heyder und Peter Eckes.

Zur Rede von Christoph Stillemunkes

Zur Rede von Dr. Regina Heyder

Zur Rede von Peter Eckes

 

 

 

Rede von Christoph Stillemunkes 

zur Verabschiedung von Pfarrer Stefan Schäfer
Mainz, 28.06.2020


Lieber Stefan,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Schwestern und Brüder,


als die damalige Leitung des Bistums Mainz im Jahr 2002 dem Pfarrer von St. Ignaz zugleich das Amt des Pfarrers von St. Stephan übertrug, handelte sie klug. Bedenken, ein „halber“ Pfarrer schaffe das nicht, erwiesen sich schnell als unbegründet. So wurde diese
Verbindung von Stefan Schäfer mit St. Stephan eine Erfolgsgeschichte. Wenn es nach uns 
ginge, würde diese erfolgreiche Verbindung auch nicht aufgelöst – aber das bleibt die einzige Anmerkung dazu, versprochen.

Es fällt schwer, mehr als siebzehn Jahre in einem kurzen Beitrag zu würdigen. Ich versuche es in sieben Punkten (und bitte Sie um Geduld).


Erster Punkt: Die Verkündigung des Wortes Gottes

Vielfach wird die Forderung erhoben, das Evangelium sei für die jeweilige Zeit auszulegen. Stefan Schäfer setzt sie um: Sonntag für Sonntag verkündigt er die frohe Botschaft in der Sprache unserer Zeit und für die Herausforderungen unserer Gegenwart. So zeigt er ihre zeitlose Kraft. Damit erreicht er die Nahen und die Fernen, Gläubige und weniger Gläubige, Zweifelnde, Verzagte und auch nicht mehr oder überhaupt nicht Gläubige. Viele nehmen im wörtlichen Sinn einen langen Weg auf sich, um hier eine Orientierung zu finden. Denn sie spüren, wie bei seinem Namenspatron und unserem Kirchenpatron Stephanus, dass hier einer mit „Weisheit und Geist“ (Apg. 6,10) redet.

Es ist die Botschaft der Liebe, die du verkündigst, des liebenden Gottes. Einer Liebe, die frei macht von Egoismus und der Bindung an Vorübergehendes. Dieser Gott steht an der Seite der Schwachen, Gestrauchelten und Gescheiterten.

Bei deiner Verkündigung stimmen Inhalt und Form überein: Sie kommt nicht donnernd oder mit großer Geste daher, sondern mit subtiler Sprache, gedankenreich, einfühlsam; sie will nicht überwältigen, sondern überzeugen, nicht einschüchtern, sondern ermutigen. 

Bei dir erfährt: Glaube, das ist eben nicht das Aufzählen oder Auswendiglernen von angeblich zeitlosen Wahrheiten, sondern das Vertrauen in Gott. Denen, die suchen, bietest du daher eine frohe Botschaft, nicht die Erläuterung kirchenrechtlicher Regelungen. Denn der Sabbat ist für den Menschen da und nicht der Mensch für den Sabbat. (Mk 2,27).

Während der Corona-Krise hast du Zeichen der Verbundenheit gesetzt, Verbindung gehalten, auch mit den neuen oder in diesem Fall tatsächlich sozialen Medien: Glockenläuten, Kerzen in den Fenstern, die offene Pankratiuskapelle mit Gebetstexten, die Lesung der Abschiedsreden, Aufnahmen aus der Kirche, das Exsultet der Osternacht, die schriftlichen Ostergrüße. Dadurch hast du Trost und Zuversicht vermittelt.


Zweiter Punkt: Die Kirche

Du bist ein Freund der klaren Worte zur aktuellen Situation der Kirche, auch heute. 
Für diese klaren Worte sind dir die kritischen Geister hier dankbar. Andererseits mag dem einen oder anderen auch die Deutlichkeit nicht gefallen haben, mögen einige sich entzogen haben. Aber jede Medaille hat zwei Seiten.

Zuletzt an Pfingsten hast du der Kirche ins Stammbuch geschrieben, sie müsse eine hörende Kirche werden und nicht eine schmetternd-triumphierende; eine hörende Kirche nämlich auf die Fragen und Anliegen der Gläubigen, auch auf die Fragen von außen.
Aber: Diese Reform-Forderung bleibt nicht auf der Ebene der Kirche in Deutschland oder der Weltkirche stecken. Du stellst das eigene Handeln und das Leben der Gemeinde in Frage; du gibst Impulse für Innovationen, für neue Wege. In einem Buch über St. Stephan rufst du in deinem Beitrag dazu auf, die „überkommenen Wege der Pastoral zu überprüfen und nach neuen Ansätzen zu suchen“ (S. 86). Das Buch trägt bezeichnenderweise den Untertitel: Gemeinde im Wandel.

Dieser Wandel findet tatsächlich statt und ist ganz besonders dir zuzuschreiben, z.B. in neuen Gottesdienstformen, in der Zusammenarbeit mit Altmünster, in der Öffnung der Gemeinde nach dem Ansatz, den du in deiner Predigt bekräftigt hast.


Mit solchen Aktivitäten willst du den unterschiedlichen Erwartungen der Menschen entsprechen. Vielfalt heißt die Antwort, nicht Einheitsbrei. Deshalb kannst du auch einem (in einer Broschüre des Bistums zum pastoralen Weg gezeichneten) Zukunftsbild von Gemeinden, das sie als nach einem einheitlichen Muster angelegten und streng geordneten Garten darstellt, nichts abgewinnen. Wir auch nicht. 


Dritter Punkt: Unser Kirchengebäude

Es ist das Schicksal aller Pfarrer in Gemeinden mit denkmalgeschützten Gebäuden, dass sie immer auch Baumeister sein müssen. Denn an solchen Gebäuden gibt es immer etwas zu tun; oft stellen sich unerwartete Probleme. Und das Geld fehlt manchmal auch. Wir haben in dieser Hinsicht viel großen Spendern und Sponsoren, dem Stiftungsrat zu verdanken. Herr Eckes hat darüber gesprochen; ich danke ihm und den anderen, insbesondere Herrn Schmitz und Herrn Breier, an dieser Stelle herzlich.
Nur ein paar Beispiele: Kreuzgangsanierung, neues Gemeindehaus, Tauf- und Marienkapelle, neue Orgel, neue Glocken, neuer Schriftenstand, Türmerstube. Ein gewaltiges Programm – und von den gleichzeitig betriebenen Sanierungsmaßnahmen in St. Ignaz habe ich noch nicht gesprochen. Ich stelle hier gern einen Bezug zum Gründer dieser Kirche, zu Willigis, her, auch er ein großer Bauherr. 

Auch in unserem Kirchengebäude fand so eine Umgestaltung statt; dein Anliegen war und ist seine Weiterentwicklung für die Anforderungen von morgen, denn jede Generation ist aufgerufen, ihr Bestes zu diesem Gebäude beizusteuern – bei gleichzeitigem Erhalt seiner Aussage und der Botschaft des Gebäudes in der Verantwortung vor seiner Geschichte, nämlich der Botschaft von Friede und Versöhnung, ganz besonders akzentuiert durch die Fenster des jüdischen Künstlers Marc Chagall. Immer wieder war es dein  Anliegen, diesen Geist des Gebäudes zum Sprechen zu bringen. Darauf hat Frau Dr. Heyder soeben hingewiesen.


Vierter Punkt: Gremien

Als Vorsitzender des Pfarrgemeinderats will ich auch gern über die Arbeit in diesem Gremium sprechen. Sie war eng, vertrauensvoll, jederzeit konstruktiv. Dabei hast du gezeigt, dass deine Forderungen nach Partizipation und Beteiligung aller Kräfte keine wohlfeilen, aber folgenlosen Bekenntnisse darstellen, sondern gelebte Wirklichkeit. Unserem Pfarrgemeinderat, zum ersten Mal gemeinsam für Ignaz und Stephan – auch eine Anregung von dir –  gehören sehr viele junge Menschen an und sehr viele Frauen [das muss auch so sein im Jahr 2020 und in einer Kirche mit der Patronin Maria von Magdala!] – das hängt auch damit zusammen, dass du die Fähigkeit hast, Menschen für die Mitwirkung zu begeistern.

Das aber ist wiederum ein Ergebnis dessen, wie du dort arbeitest:

In den fast siebzehn Jahren, denen ich dem PGR angehöre, habe ich keine einzige Situation erlebt, in der du deine formale Stellung als Pfarrer ins Spiel gebracht hättest, um ein Vorhaben durchzusetzen oder zu verhindern. Du hast stets nur auf die Kraft des Arguments vertraut – und dem besseren Argument den Vortritt gelassen. Das ist eben nicht Machtkirche. Und kein Klerikalismus – übrigens auch nicht in der Kleidung!

Überdies lässt sich deine Arbeit von A bis Z so beschreiben: Von A wie anregen bis Z wie zulassen. Das ist nämlich eine große Stärke, die verschiedenen Kräfte zur Geltung kommen zu lassen, ihnen etwas zuzutrauen, ihnen zu vertrauen. Dazwischen steht ein E für ermöglichen, ein I für Impulse geben, ein O für Türen öffnen und ein U für etwas unternehmen. Nur das K fehlt auch an dieser Stelle im Alphabet: denn du bist kein Kontrollfreak. Das danken dir alle Mitglieder des Pfarrgemeinderats.


Fünfter Punkt: Ökumene

Auch sie war dir ein wichtiges Anliegen. Wir haben gestern Abend hier einen sehr schönen Abendgottesdienst mit Beteiligung von Pfarrer Hendrik Maskus von unserer evangelischen Schwestergemeinde erleben dürfen. Ein schöneres Zeichen der Zusammengehörigkeit kann es nicht geben.

Ich glaube, dass ein tieferer Grund für dieses Engagement auch in der Botschaft des liebenden Gottes liegt. Denn diese Botschaft ist allen Christen gemeinsam und sie richtet sich an alle Menschen.

Wie du in deiner Predigt hervorgehoben hast, geht es darum, durch gemeinsame Vorhaben und regelmäßigen Austausch voneinander zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

In diesem Geist beten wir gemeinsam, feiern wir gemeinsam Gottesdienst, aber feiern wir auch zusammen Feste. Das ist eine Art „Einheit von unten“: Mit dir und Hendrik Maskus gehen wir einen gemeinsamen Weg und erweitern schrittweise den Raum der Möglichkeiten.


Sechster Punkt: Begegnung mit Kunst und den Künsten.

Ein Feld, das dir besonders am Herzen liegt, auf dem zu zahlreiche Anstöße gegeben hast, denen wir bedeutende künstlerische Ereignisse verdanken, ist die Begegnung mit den Künsten, vor allem mit Musik und bildender Kunst. Unser dafür besonders geeignetes Gotteshaus hast du zum Ort dieser Begegnung gemacht. 

Nehmen wir als ein Beispiel die kalligraphische Ausstellung „Das Geheimnis buchstabieren“, mit der ein Baustein zum Dialog der Religionen geliefert wurde. Zugleich wurde an den Versöhnungsauftrag unserer Kirche angeknüpft, denn es kann keinen Zweifel daran geben, dass wir diesen Dialog für den Frieden mehr denn je brauchen. 

Auch die Chancen der neuen Orgel werden genutzt; ich erinnere außerdem an die Uraufführung der deutschen Messe von Stefan Heucke.
Oder an The armed man von Kurt Jenkins, aufgeführt aus Anlass des Jahrestags des Beginns des Zweiten Weltkriegs, ebenfalls ein Aufruf zum Frieden.

Viele Gottesdienste wurden durch Musik bereichert, EvenSong und ökumenische Buß- und Bettagsgottesdienste mit verschiedenen Künstlern, Chören, Gruppen. Auch gestern im Abendgottesdienst war dies so.

In deinen Predigten finden sich oft literarische Anspielungen, Zitate aus der modernen Literatur (so auch heute), der Lyrik. Damit schaffst du einen anderen Zugang zu der frohen Botschaft und eröffnest du neue Horizonte.

Besonders eindrucksvoll sind deine Interpretationen der Chagall-Fenster, die wir bald auf dem Audioguide hören können.


Siebter Punkt: Begegnungen

Beziehungen und Begegnungen sind dir besonders wichtig. Dazu hast du in der heutigen Predigt eine Theologie des Dialogs entwickelt, der nichts hinzuzufügen ist.

Du bist persönlich ein Mensch des Dialogs und Gesprächs, ein Mensch, der kommunikationsfähig ist, das Gespräch sucht, offen für seine Gesprächspartner ist. Vielen bist du ein aufmerksamer Zuhörer geworden, mit dem sie über alles und jedes reden konnten, dem sie auch einmal ihr Herz ausschütten konnten, auch ihr religiöses oder kirchliches Herz, das vielleicht einmal verwundet oder verletzt wurde. Sie merkten, dass sie einem Kirchenmann begegneten, der sie nicht mit Leerformeln traktierte und damit allein  gelassen hat, dass sie einen Menschen mit einem offenen Geist und Interesse an seinen Mitmenschen gefunden hatten.

Auch unsere Sitzungen fanden nicht selten eine Fortsetzung in schönen Gesprächen in einer Weinstube in unserer Nachbarschaft. Lebensfreude ist zutiefst christlich. Darauf kommen wir noch zurück.

Und zur Lebensfreude gehört Humor.

Stefan Schäfer besitzt einen feinen und geistreichen Humor und verfügt über die Gabe feingeistiger Ironie. Mit dieser ironischen Begabung und mit kleinen Spitzen versteht er es, Unterhaltungen zu bereichern und allzu trockene Beratungen aufzulockern. Übrigens auch, indem er sich selbst auf die Schippe nimmt.

Kostproben seines Humors kann man (oder konnte man) in jedem Jahr im Gottesdienst am Fastnachtssonntag genießen, wenn er das Zeitgeschehen in Kirche und Welt in gekonnten Versen und Reimen kommentierte. Keine Angst vor großen Hüten, auch nicht vor dem Kardinalsrot aus Finthen. Mainz ist ja stolz auf seine literarisch-politische Fassenacht. Bei Stefan Schäfer findet man deren theologische Variante in höchster Qualität. Wenn ich einmal in die hierarchische Welt zurückfallen darf: Der Priester steht über dem Obermessdiener. Und wer genau zuhört, der findet auch in diesen Versen eine Botschaft. 

Niemand, der im Februar dieses Jahres die diesjährige Fastnachtspredigt miterlebt hat, wird sie vergessen können. Niemand konnte sich dem Zauber entziehen, den du mit deinem heiter-melancholisch-selbstkritischen Rückblick a la Frank Sinatra ausgelöst hast. You did it your way. And you did it great. (Zwar hat das Wort great beste Chancen zum Unwort des Jahrzehnts gewählt zu werden, aber hier ist es angebracht.)

 

Ich komme zum Schluss:

Lieber Stefan Schäfer,
schon dieser überaus lückenhafte Überblick hat gezeigt, dass die Gemeinde St. Stephan dir viel zu verdanken hat. Diesen Dank drücken wir heute gern aus.
Du hast die Herzen und den Verstand der Menschen erreicht und ihnen viel gegeben,
in der Gemeinde und an ihrem Kirchengebäude hast du sichtbare und bleibende Spuren hinterlassen.

Mutig greife ich der künftigen Geschichtsschreibung vor und sage: 
Sie wird dich einmal zu den großen und prägenden Pfarrern dieser Gemeinde zählen.
Dafür danken wir dir.
Und für die Zukunft wünschen wir dir alles Gute.

 

 

 

Rede von Dr. Regina Heyder

Liebe Gottesdienstgemeinde,
liebe ehrenamtlich Engagierte,
lieber Pfarrer Schäfer, 

als Verein Biblische Botschaft Marc Chagall haben wir im vergangenen Jahr gemeinsam Imagekarten entwickelt. Sie erzählen vom Engagement der Ehrenamtlichen am Chagall-Schriftenstand und im Verein. Die Ehrenamtlichen sind einmal Chagall-Experten, einmal Sprachgenies, sie sind Früher Vogel oder Segenspender. Bei der gemeinsamen Textarbeit war Ihre spontane Reaktion: „Ich nehme den Botschafter“. Vielleicht hing das auch mit dem Satz Klaus Hemmerles zusammen, den Sie heute in der Predigt zitiert haben: „Lass mich dich lernen, …, damit ich daran die Botschaft neu lernen kann, die ich dir zu überliefern habe.“ Und tatsächlich war das immer zu spüren: Mit viel Herzblut haben Sie die Botschaft der Bibel und die Botschaft dieser Kirche mit ihren Fenstern verkündet. Nur wenige Dinge möchte ich hervorheben: 2015 beging der Verein in Kooperation mit Mainzer Geschäftsleuten und Galerien den 30. Todestag von Marc Chagall. Chagall-Lithografien wurden in der ganzen Altstadt ausgestellt; die Botschaft war im Dialog, an diesem konkreten Ort, in dieser Mainzer Stadt-Gesellschaft präsent.
Im vergangenen Jahr konnte dank des Engagements der Stiftung St. Stephan und nach langen Vorarbeiten der neue Chagall-Schriftenstand eingeweiht werden. Damit verbinden Sie, verbinden wir die Botschaft, dass in dieser Kirche Menschen aus der ganzen Welt herzlich willkommen sind. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, sich St. Stephan auf ihre ganz persönliche Weise zu erschließen – wenn sie möchten, auch mit den Angeboten des Chagall-Schriftenstands. Er wird vom Verein betrieben und mit dem Willkommenheißen ist auch viel Vorstandsarbeit verbunden, in die Sie kreative Ideen eingebracht haben. Das ist unaufdringliche Antreffbarkeit, das ist christliche Gastfreundschaft auf eine sehr konkrete Weise.
Die Botschaft der Fenster haben Sie bei vielen denkwürdigen Anlässen in St. Stephan mit poetischen Worten verkündet und damit viele Menschen berührt. Leider darf ich das nicht auf dem Konto des Vereins verbuchen, sondern muss Ihre Doppelfunktion ansprechen: Sie wurden nicht gefragt, ob Sie im Vereinsvorstand mitarbeiten möchten. Laut Satzung ist der Pfarrer von St. Stephan geborenes Mitglied.
Gefragt haben Sie aber von zweieinhalb Jahren mich, ob ich Vorsitzende werde und eindringlich für diese Vereinsarbeit geworben. Für mich gab es einen weiteren Grund zuzusagen: ich selbst habe mich lange mit der lateinischen Exegese der Schöpfungserzählungen befasst – und damit auch mit jüdischen Auslegungen, die die Theologen des Mittelalters kannten.
Spuren davon finde ich in Chagalls Biblischer Botschaft. So möchte ich zum Schluss Ihren Blick auf die unterste Szene im rechten Fenster richten: Behutsam trägt ein Engel den noch unbelebten Menschen in den Paradiesgarten, den Gott in Eden, im Osten, gepflanzt hat. Chagalls Darstellung vermittelt deutlich, dass der Mensch wie ein Setzling dort Wurzeln schlagen soll. Erstaunlicherweise ist der Aufenthalt im Paradies nach der Bibel mit Arbeit verbunden – es ist die Aufgabe des Menschen, diesen Garten zu pflegen und zu hüten.
Wir wissen: Auf lange Sicht ist der Mensch nicht im Paradies geblieben. Chagall deutet das im Schöpfungsfenster bereits mit dem Versöhnungszeichen des Regenbogens an.
Lieber Pfarrer Schäfer, Sie sind vor fast zwei Jahrzehnten nach St. Stephan gekommen. Sie haben in der Pfarrei, in dieser Kirche, im Verein Biblische Botschaft, Wurzeln geschlagen. Theologisch ist es eindeutig: Weder Pfarrei noch Verein können das Paradies sein. Ein Vergleich ist dennoch erlaubt: Sie haben diesen Garten mit seiner großen Tradition gepflegt, kultiviert und neue Pflanzungen vorgenommen. Dafür darf ich Ihnen im Namen von Monsignore Klaus Mayer, von allen Ehrenamtlichen am Chagall-Schriftenstand und im Namen aller Vorstandsmitglieder – die meisten sind heute hier – herzlich danken! Es ist eine nachhaltige Pflanzung, und wir werden diesen Garten weiter pflegen, um die Früchte noch lange ernten zu können! 
Die Engel Chagalls blicken selten in die Richtung, in die sie fliegen oder schreiten. Das gilt auch für den Engel, der den Menschen ins Paradies trägt. Für Menschen wäre das ausgesprochen leichtsinnig. Vielleicht ist damit ja eine theologische Aussage verbunden: Die Engel haben Herkunft und Zukunft, sie haben das größere Ganze im Blick. Sie, Pfarrer Schäfer, brechen nun um des größeren Ganzen willen in eine andere Pfarrei auf. Wenn Sie dort Botschafter sind, sind die Bilder Chagalls mit Sicherheit auf die ein oder andere Weise dabei.
In der Predigt am letzten Sonntag haben Sie Silbermond zitiert: „man reist besser mit leichtem Gepäck“. Dennoch muss sich der Dank des Vereins Biblische Botschaft Marc Chagall für Ihr Engagement und die gute Zusammenarbeit in Kunst ausdrücken. Herzlichen Dank für alles, alles Gute und Gottes Segen!

28. Juni 2020, Dr. Regina Heyder

 

 

 

Rede von Peter Eckes

Sehr geehrter, lieber Herr Pfarrer Schäfer,
sehr geehrte Frau. Dr. Heyder, Vorsitzende vom Förderverein „Biblische Botschaft Marc Chagall,
sehr geehrter Herr Stillemunkes. Vorsitzender vom Pfarrgemeinderat St. Stephan,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

im Besitz Ihrer Einladung zu dieser Heiligen Messe hatte ich darum gebeten, von hier aus einige Grußworte an Sie, lieber Herr Pfarrer Schäfer richten zu dürfen.

Ich möchte dies tun als Vorsitzender des Stifiungsrates der Stiftung St. Stephan in Mainz und im Namen aller Mitglieder dieses Gremiums.
Diese Gruppe existiert seit 2012 und bemüht sich seitdem redlich, zum Wohle der Stephanskirche. Ein großes Ziel ist es, weitere engagierte Stifter, Förderer und Sponsoren zu gewinnen.

Damit dies in geordneter Weise geschieht, steht dieser Stiftung ein Stiftungsrat zur Seite, bestehend aus 11 Damen und Herren, die ehrenamtlich und - das möchte ich hier einmal sagen dürfen - auch mit Erfolg dieser Aufgabe nachkommen.
Als Hausherr von St. Stephan gehörte Herr Pfarrer Schäfer von Anfang an diesem Gremium selbstverständlich an.

Doch heute müssen wir Abschied nehmen. was auch ifir Ihre Demission aus dem Stiftungsrat, lieber Herr Schäfer, gilt und deshalb unser großer Dank für Ihre engagierte Mitwirkung in all den Jahren.
Und wo würde das besser passen als am Ende eines feierlichen, sonntäglichen Gottesdienstes hier in St. Stephan.

Ihre besonnene, ruhige und geduldige Art war einfach wohltuend und sympathisch und stets von den christlichen Idealen bestimmt.
Unser Pfarrer war in jeder Beziehung auch unser Seelsorger, dem man sich gerne anvertraut hat.

Und immer, wenn es um besondere Sachverhalte IHRER Kirche ging, schien es gelegentlich, als würden Sie jeden einzelnen Stein hier oben auf dem Stefansberg persönlich kennen und schützen bzw. neu ausrichten.

Seit 2012 konnte mit Ihrer Unterstützung durch die Stiftung und ebenso durch einzelne Mitglieder des Stiftungsrates beachtliches realisiert werden, was nicht unerwähnt bleiben soll — zum Beispiel:

> Die Maquetten (Arbeitsentwürfe) zu einigen Motiven der Chagall-Fenster
Diese drei Kunstwerke waren seit über 30 Jahren - mehr oder weniger unbeachtet - in einer Anwaltskanzlei verwahrt, ehe sie bei Sothebey‘s in New-York und auch hier in Mainz von sich reden machten. Wir sind sehr stolz, dass wir diese erwerben konnten und die feierliche Übergabe fand am 11.03.2015 statt.

> Die Madonna im Rosenhag
(ist nach einem Entwurf von Prof Thomas Schmitz, Aachen erstellt worden)

> Der neue Schrifienstand mit einem elektronischen Abrechnungs-System
(damit Besucher unseres Gotteshauses viele Informationen bekommen)

> Oder die Neugestaltung des gesamten Eingangsbereiches

> Und im Wesentlichen auch in der Vergangenheit mit Federführung durch Herrn Stefan Schmitz die Anschaffung einer neuen Heizung / Ausrichtung und langfristiges Konzept für St. Stephan

> Von unserer neuen Orgel ganz zu schweigen. . . das Prachtstück für Mainz

Danke also für alles, was Sie auch für unsere Stiftung getan haben, denn Sie haben es für St. Stefan getan. Und deshalb soll es ohne Pathos gesagt sein:

Ja — Sie werden uns schon sehr fehlen.

Für Ihre neuen Aufgaben wünschen wir Ihnen weiterhin einen wachen Geist und ein offenes Herz und eine Gemeinde, die es gut mit Ihnen meint.
Gottes reichen Segen für uns alle.

28. Juni 2020, Peter Eckes

Bilder zur Verabschiedung Pfarrer Stefan Schäfer

Mo 29. Jun 2020
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