Impuls zum Evensong am 14.11.2018 Pfr. Hendrik Maskus

November
Es ist November Nebel breitet sich aus und wir versinken in Erinnerung es ist so die Zeit, wenn die Tage kürzer werden und man zurückschaut.
Vielleicht gehört es dazu, wenn man sich danach sehnt, dass es wieder heller wird
Und in diesen Tagen ist es schwer zurückzublicken: So viel ist passiert, das erinnert werden soll und muss dass uns aber auch verstört und irritiert dass unsere Gefühle Achterbahn fahren lässt:
I
Es ist November und mit Scham sehen wir sie: brennende Synagogen vor 80 Jahren. Jüdische Einrichtungen und Geschäfte zerstört und geschändet, Menschen deportiert viele fliehen, nutzen die letzte Chance. Diese Nacht - ein wesentlicher Grundstein eines nie vorstellbar geglaubten Wahns der Menschenvernichtung - und allzu wenige haben die Zeichen der Zeit erkannt.
Wir wollen daher wachsam sein da wo rechte Töne sich unflätig gebärden und meinen die Stimme des Volkes zu sein!
Wir wollen auf unsere Freiheit und die Freiheit der anderen achten wenn es wieder welche gibt, die sie einschränken, oder anderen absprechen wollen wo immer versucht wird Menschen auszugrenzen.
Ach, Gott, wir rufen zu dir: Mach uns mutig und stark dass so etwas nie mehr geschehen kann!
II
Es ist November und ich sehe sie noch auf der Mauer sitzen „das ist doch verboten“ und sie liegen sich in den Armen ich gebe zu, ich habe nie dran geglaubt: zu ewig war mir die Vorstellung von 2 Staaten in Deutschland Dass Mauern zerbröckeln einfach so über Nacht wer hätte es gedacht? Ich selbst nicht, das erkenne ich schmerzlich. Schmerzlich, denn die Hoffnung, dass Menschen etwas in der Welt bewegen können die will ich ja eigentlich nie aufgeben
Und alles friedlich und ohne Gewalt muss ein Staat aufgeben, der seine Bürgerinnen und Bürger die Freiheit raubte der Menschen verwaltete und drangsalierte der ihnen Hoffnungen und Träume zerstörte
Mitten im November ein Licht dass Veränderung auch da möglich ist wo alles geplant und kontrolliert wird: Dass sie mit Kerzen und Gebeten kommen, damit haben wir nicht gerechnet sagt der Stasi Offizier in Erich Loests großem Roman Nikolaikirche resigniert.
III
Es ist November dieses Jahr ist es auch 1918. Da ist noch so ein Datum Ende des sinnlosen Abschlachtens eines überhöhten Nationalismus und der Gedanke: wir sind die Besten und Gott mit uns 100.000 fach mit Blut besiegelt in den Ardennen und Verdun Orte, die uns noch heute schaudern lassen Wozu sind Menschen fähig
100 Jahre ist es her und wir? Wir haben Wege der Versöhnung geschafft alte Feindschaften überwundern vieles erreicht und denken über eine gemeinsame Armee nach: gemeinsam - aber immer noch Armee
Es ist November und ich frage mich wie sehr wir auch 100 Jahre danach noch immer am Anfang einer friedlicheren Welt stehen.
IV
Es ist November da sind auch sie wieder: die Kinder mit Liedern und Laternen laufen sie einem Pferd hinterher obenauf ein Soldat Ach, schon wieder einer aber irgendwie ist alles anders Der steigt plötzlich ab vom hohen Ross hinab holt sein Schwert und teilt seinen Mantel Gibt einen Teil des Mantels dem Armen gibt später sein Soldatsein auf und wird Bischof
Ach, das könnten Bilder der Hoffnung auch für unsere Welt sein: Der, der teilt der das Schwert unblutig einsetzt der heilt
Und die Kinder lieben ihn eifern ihm nach und ich denke mir: Ja, der, der solches tut ist auch heute noch ein Heiliger
Solche Bilder und Vorbilder brauchen wir und es wird ein wenig Licht im November!
AMEN