Schmuckband Kreuzgang

Predigt Gründonnerstag

Predigt zu Gründonnerstag

Kanzel (c) Tiki Küstenmacher
07.04.2020
Alexander Schulte-Sasse

Liebe Kinder und Jugendliche, liebe Schwestern und Brüder,

heute ist Gründonnerstag. Dieser Tag hat große Bedeutung im Leben Jesu. Heute ist der vorletzte Tag des irdischen Aufenthalts Jesu. Bevor Jesus seine Mission in dieser Welt zu Ende führte und seine Seele in die Hand des himmlischen Vaters legte, wollte er durch zwei bedeutsame Zeichenhandlungen seine lebendige Gegenwart unter uns verewigen. Die Fußwaschung und die Stiftung der heiligen Eucharistie sind zwei wichtige Zeichen der Liebe, die Jesus Christus uns beim letzten Abendmahl hinterlassen hat. Deshalb nehmen wir ein wenig Zeit über diese beiden Zeichenhandlungen Jesu nachzudenken und sie zu verinnerlichen. Wer Jesus Christus, seine Mission in dieser Welt und seine Vision für eine neue Menschlichkeit näher kennenlernen möchte, braucht nur diese zwei Ereignisse des Gründonnerstags sehr intensiv zu betrachten.

Die erste Zeichenhandlung am Gründonnerstag war die Fußwaschung. Die Fußwaschung war in der damaligen Zeit die Aufgabe der Haussklaven. Wenn ein Gast zu Besuch kommt, schenkte man ihm Wasser ein, um seine Füße zu waschen. Wenn ich jemandem die Füße zu waschen, muss ich all meinen Egoismus hinter mir lassen. Wenn ich mich selbst für sehr wichtig halte, kann ich niemandem die Füße waschen. Wer möchte in diesem Sinne schon freiwillig einen Sklavendienst übernehmen? Aber Jesus hat freiwillig diesen Sklavendienst für uns übernommen, obwohl er der Größte und der Mächtigste war.

Durch die Fußwaschung will Jesus seinen Jüngern und Jüngerinnen mitteilen, wenn du der Größte werden möchtest, dann musst du freiwillig den letzten Platz unter deinen Brüdern und Schwestern einnehmen. Jesus sagt: „Der Größte von euch soll euer Diener sein. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ (Mt 23,11-12). Ohne Dienstbereitschaft kann niemand mit Jesus Christus Gemeinschaft haben. Ein anderes Mal sagte Jesus seinen Jüngern: „Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und ihre Großen ihre Macht gegen sie gebrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und mein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ (Mk 10,42-45).

Wer sich nach Heil und endgültiger Erlösung sehnt, muss bereit sein, sich diese dienende Einstellung Jesu anzueignen. Wer im Namen Jesu anderen dient, ist sicher bei Jesus. Jesus sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh 14,6). Wenn wir Jesus als unseren Weg, die Wahrheit und unser Leben betrachten, können wir von seiner dienenden Haltung niemals ausweichen. Einander dienen ist das prägende Siegel der christlichen Gemeinschaft. Diese Tatsache hat Jesus Christus eindeutig durch die Fußwaschung am Gründonnerstag zum Ausdruck gebracht. Nur durch das bescheidene Dienen können wir für die Entstehung „eines neuen Himmels und einer neuen Erde“ (Offb 21,1) beitragen.

Nun wollen wir über die zweite Zeichenhandlung Jesu am Gründonnerstag nachdenken. Es geht um die Stiftung der heiligen Eucharistie. Durch das Sakrament der heiligen Eucharistie wollte Jesus uns ganz nahe sein. Auf dem Hintergrund des Paschafestes im Alten Testament hat Jesus das heilige Messopfer gestiftet. Jesus ist das neue Paschalamm. Weil sich Jesus für die Vergebung unserer Sünden ganz hingegeben hat, brauchen wir keine Lämmer mehr zu schlachten, wie das im Alten Testament der Fall war. Wir können nur durch die vollständige Hingabe Jesu am Kreuz die Bedeutung der Stiftung der Heiligen Messe am Gründonnerstag verstehen. Ohne den Kreuzestod Jesu am Kalvarienberg könnten wir die Bedeutung der heiligen Messe nicht richtig begreifen. In der Heiligen Messe vergegenwärtigen wir drei Dimensionen: Das letzte Abendmahl, den Kreuzestod am Kalvarienberg und die Auferstehung Jesu von den Toten. Deshalb können wir mit aller Gewissheit sagen, wenn wir an einer heiligen Eucharistiefeier teilnehmen, haben wir Anteil am Gründonnerstag, am Karfreitag und am Osterfest. Die Stiftung der heiligen Eucharistie ist die Vorwegnahme des endgültigen himmlischen Gastmahles. Wenn wir dieses Erinnerungsmahl von ganzem Herzen feiern, haben wir die Möglichkeit uns mit dem lebendigen Gott in Verbindung zu setzen.

Liebe Gemeinde, obwohl wir Corona bedingt momentan nicht gemeinsam an der heiligen Eucharistie teilnehmen können, bitte ich euch nach dieser Zeit des „eucharistischen Fastens“ wenn wir wieder zusammenkommen dürfen, um die heilige Eucharistie zu feiern: lasset uns diese drei Dimensionen der heiligen Eucharistie immer in Erinnerung rufen. Lasset uns dankbar sein für die vollständige Hingabe Jesu für unser ewiges Heil. Gott will, dass alle Menschen gerettet werden (1 Tim 2,4). Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

P.S.: Wenn es möglich ist, ist es sinnvoll im häuslichen Rahmen heute Abend die Agape- Feier zu halten. Dabei könnt ihr gerne die Lesung aus dem Buch Exodus 12,1-8.11-14 zum Gebrauch machen. Nach der Agape kann man den Psalm 136 beten im Andenken an den Gang Jesu vom Berg Zion durch das Kidron-Tal zum Garten Getsemani.