Fabian Jestaedt in Rio de Janeiro/Braslien

Bild5 (c) Fabian Jestaedt
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Fr 12. Jun 2020
Fabian Jestaedt

Mitte August 2019 machte ich mich zusammen mit meiner Mitfreiwilligen Lena vom Frankfurter Flughafen aus auf den Weg nach Brasilien. Sieben Monate später stand ich plötzlich wieder und mit einer Maske im Gesicht in der nahezu leeren Flughalle von Frankfurt.
Doch lieber von vorne: Als mein Abenteuer in Brasilien, genauer gesagt in Miguel Couto, in der Nähe von Rio de Janeiro losging, prasselten die neuen Eindrücke nur so auf mich herein. Die Lautstärke, die Landschaft, die Sprache, die Menschen, die Atmosphäre. Ich fühlte mich wie im Film. Nachdem Lena und ich von unseren Vorfreiwilligen in unserem neuen Zuhause begrüßt wurden, machten wir uns auf zur Zentrale unserer Organisation Casa do Menor.
Casa do Menor wurde 1986 von einem italienischen Pater gegründet und macht sich seitdem zur Aufgabe vor allem junge Brasilianer*innen von der Straße zu holen und ihnen ein besseres Leben, fern von Kriminalität, Drogen und Armut, zu ermöglichen. Neben Kinderhäusern für Babys, Kleinkinder, Jugendliche und behinderte Kids, bietet Casa do Menor für Kinder eine Vor- und Nachmittagsbetreuung mit Hausaufgabenhilfe, einer warmen Mahlzeit sowie Spiel und Spaß. Außerdem wird eine Vielzahl von Ausbildungskursen angeboten, mit denen jungen und älteren Erwachsenen der Einstieg in Berufe, wie der Gastronomie, der Verwaltung oder im Handwerk vereinfacht werden soll.
All diese Bereiche durfte ich mit der Zeit kennenlernen und mit meiner Freiwilligenarbeit beleben und unterstützen. Kontrastprogramm gab’s an den Wochenenden, die Lena und ich nutzten, um die Strände, die Natur und das Nachtleben von Rio de Janeiro kennenzulernen.
Ein großer Einschnitt in meinen Freiwilligenjahr war, als Ende Oktober klar war, dass Lena aus privaten Gründen zurück nach Deutschland fliegen sollte. Plötzlich stand ich wieder am Anfang, einem neuen Berg von Ungewissheiten und Herausforderungen. Doch glücklicherweise fand mein Alleinsein relativ schnell ein Happy End: Eine brasilianische Familie wurde zu meiner Gastfamilie und ermöglichte mir neben einem neuen Zuhause, einen tiefen Einblick in die brasilianische Kultur.
Vier weitere Monate später und um viele Erfahrungen reicher – von der Kinderbetreuung bis zu Silvester an der Copacabana – war ich plötzlich zurück in Deutschland. Zuerst in der Flughalle von Frankfurt und dann in meinem Kinderzimmer; auf der einen Seite bin ich erleichtert und froh wieder bei Familie und Freunden sein zu können, auf der anderen Seite bleibt natürlich die Sehnsucht nach meinem brasilianischen Alltag, den Kindern und vor allem meiner Gastfamilie.