Sozialer Dienst

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Do 30. Jan 2020
Janina Kreisel und Frederike Göbel

Sozialer Dienst für Frieden und Versöhnung

Im August 2018 starteten wir in unser kleines Abenteuer nach Rondonópolis (Brasilien), wo wir für ein Jahr lang bleiben und in den Jugendzentren der Associação Koblenz Brasil - Kobra mitarbeiten sollten. Neben der Arbeit mit den Kindern in den Zentren, in denen wir gemeinsam bastelten, musizierten, bei Hausaufgaben halfen und Lese- und Schreiblernunterricht gaben, machten wir gemeinsam mit unserer Mentorin zahlreiche Hausbesuche. Erschreckend war für uns beide, dass Lepra in Brasilien und vor
allem im Staat Mato Grosso eine immer noch so weit verbreitete Krankheit ist. Der Grund für die große Verbreitung ist zum einen, dass Ärzte die Krankheit nur sehr selten richtig diagnostizieren und dass die Betroffenen sich aus Angst vor gesellschaftlicher Verachtung dieser entziehen. Heilbar und damit generell auch ausrottbar ist Lepra durch die frühzeitige Einnahme von kostenlosen Medikamenten, um auch Spätfolgen vorzubeugen. Beunruhigend war es auch immer wieder, die Lebensumstände der Kinder mitansehen zu müssen. Einfache Steinhäuser oder selbstgebaute Holzhütten, in welchen aufgrund des
Geldmangels ohne Strom und Wasser mit vielen Personen auf engem Raum gehaust
wird, sind eher der Normallfall als eine Seltenheit. Mit Gutscheinen für eine
Supermarktkette, welche die Patenkinder Kobras monatlich erhalten, kann zumindest
die Basis für eine Grundversorgung mit Reis und Bohnen sichergestellt werden.
Zusätzlich verkompliziert wurde die Situation im letzten Jahr durch die Präsidentschaftswahl, die große Unruhen ins Land brachte und die Bevölkerung spaltete.
Auch eine gute Schulbildung kommt bei der derzeitigen Situation vor Ort zu kurz. Neben der Tatsache, dass die Eltern oftmals nicht besonders auf die Bildung ihrer Kinder und deren Anwesenheit in der Schule achten, sind Schulbesuche vor allem durch lange
Streiks eher selten. Dies hat unter anderem zur Folge, dass die Alphabetisierungsrate
sehr gering ist. Den Kindern, die noch nicht lesen und schreiben konnten habe
ich (Janina) in einer kleinen Gruppe spielerisch versucht die Buchstaben näherzubringen.
So konnte ich mich immer wieder an den Fortschritten erfreuen, da die
Kinder sehr motiviert bei der Sache waren. Ich (Frederike) habe von einer Vorfreiwilligen
den Flötenunterricht eine Zeit lang weitergeführt und so den Kindern Spaß
an der Musik und dem Erlernen eines Instruments vermittelt.
Über das Jahr hinweg entwickelte sich auch zwischen den Kindern eine immer bessere Gruppendynamik, welche sich vor allem bei den Theateraufführungen bemerkbar machte. Bei diesen konnten die Kinder stolz ihre auswendig gelernten, kritischen und teils
politischen Texte und Tänze aufführen. Über die Zeit vergaßen wir im Projekt beim Spielen häufig, wie schlecht die Lebenssituation der Kinder ist und auch die Kinder wirkten im Projekt sehr glücklich über die Aufmerksamkeit und die Aktivitäten. Vielleicht haben
wir es ja geschafft, dass sie in der Projektzeit ihren Alltag ein Stück vergessen konnten. Wenn wir eins gelernt haben, dann dass Mitleid oder traurige Blicke wirklich niemandem helfen. Dennoch sollte man nie unterschätzen, was die Kinder auf der Straße erleben und deswegen wird auch im Projekt zunehmend Aufklärungsarbeit zu politischen Themen, sexueller Gewalt, Umwelt, Hygiene und vielem mehr geleistet.
Dies war jetzt nur ein kleiner Einblick in unseren Freiwilligendienst, sofern jedoch
weiteres Interesse besteht, sprechen Sie uns doch einfach mal drauf an, wir beantworten
gerne alle möglichen Fragen. Até logo! Bis bald!