Kath. Pfarreien Herz-Jesu und St. Thomas Morus Obertshausen

Der Kreuzweg in der Herz-Jesu Kirche

1. Station ; 2. Station ; 3. Station ; 4. Station ; 5. Station ; 6. Station ; 7. Station ; 8. Station ; 9. Station ; 10. Station ; 11. Station ; 12. Station ; 13. Station ; 14. Station

In der Herz-Jesu-Kirche gibt es - wie in jeder Kirche -  einen Kreuzweg. In 14 Bildern wird der Leidensweg des Herren dargestellt. Leider habe ich keine Angaben über den ausführenden Künstler gefunden. Es gibt aber ein Dokument zur Einweihung des Kreuzweges mit folgendem Text:

Errichtung des heiligen Kreuzweges

In Berücksichtigung des großen Seelennutzens, der aus der Betrachtung des bitteren Leidens Jesu Christi, unseres Erlösers, geschöpft wird, haben verschiedene Päpste zahlreiche Ablässe all jenen verliehen, die den sogenannten Kreuzweg andächtig verrichten. Sie können nämlich, wenn sie fromm vor den einzelnen Stationen beten und dabei das bittere Leiden Jesu Christi betrachten, alle jene Ablässe gewinnen,denen sie teilhaftig würden durch die persönliche Besuchung des heiligen Kreuzwegs in Jerusalem.

Nachdem Herr Pfarrer Eich durch Gesuch von 21. November 1912 gebeten hat, das wir gestatten möchten, daß ein Kreuzweg in der Pfarrkirche zu Obertshausen errichtet und durch einen Priester P. Stanislaw (Ordensbezeichnung schlecht zu lesen) gemäß besonderer vom Apostolischen Stuhle verliehener Vollmacht geweiht werde, so wollen wir, um diese so fromme und nützliche Andacht immer mehr auszubreiten und die Gläubigen der Gnadenschätze der Ablässe, die bei kanonisch errichteten Kreuzwegen gewonnen werden können, teilhaft zu machen, diesem Gesuche willfahren und erteilen dadurch die erbetene Bischöfliche Genehmigung

Mainz, den 3. Dezember 1912                                + Georg Heinrich

Es folgt noch die Bestätigung der Einweihung am 22. Dezember 1912. Schriftliche Eintragungen in Kursiv hervorgehoben.

Der Kreuzweg fängt links am linken Nebenaltar an, geht im Gegenuhrzeigersinn nach hinten am Haupteingang vorbei und endet rechts in der Nebenkapelle am Hl. Grab. Die bildlichen Darstellungen sind sehr realistisch in Nazarenerstil durchgeführt, erkennbar an den Farben und den durchweg ernsten, fast ausdruckslosen Gesichtern.

 

Johannes Lötz 5.7.2012

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Herz-Jesu Kreuzwegstation 1

Jesus wird zum Tode verurteilt

Jesus wird zum Tode verurteilt

Dieses Bild zeigt genau das Ende des Prozesses, dem der Landpfleger (heute würde man sagen Gouverneur) Pontius Pilatus als Richter vorstand. Rom hatte ja grosse Teile von Vorderasien erobert und hatte die Macht in Israel. Die jüdischen Herrscher waren eigentlich nur Marionetten der Römer, und Prozesse von grösserer Bedeutung mussten von den Römern geführt werden. Der Prozess Jesu war wegen der Anklage des Hochverrats ein solcher.

Während des Prozesses kommt es zu einem sehr bekannten philosophischen Disput um die Frage: Was ist die Wahrheit? zwischen Jesus und Pilatus. Über diese Frage sind schon ganze Bände in der philosophischen Literatur erschienen.

Die Entscheidung von Pilatus war keineswegs eindeutig, faktisch sagte er:"Macht was ihr für richtig haltet, ich wasche meine Hände in Unschuld. Ich finde keine Schuld an diesem Menschen." Genau diese Haltung erkennt man im Hintergrund, Pilatus in der Senatorentoga auf einem Thron sitzend wäscht sich die Hände, während im Vordergrund Jesus zur Kreuzigung abgeführt wird.

Wegen dieser Rolle beim Tod Jesu ist die Einstellung zu Pilatus sehr unterschiedlich. Über sein Leben weiß man sehr wenig, da er in den archäologisch bekannten Schriften wenig auftaucht. Im Johannes-Evangelium erscheint er als belesener und kluger Richter, ist aber in einer gewissen Zwickmühle, aus der er sich mehr oder weinger geschickt herauswindet. Er hat Jesus zum Tode verurteilt, es bleibt die Frage, ob er Gottes Werkzeug war? In der koptischen Kirche ist er ein anerkannter Heiliger, in der katholischen Kirche nicht.

Johannes Lötz

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Herz-Jesu Kreuzwegstation 2

Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern

Jesus wird in diesem Bild in einer ungewöhnlichen Pose dargestellt. Beide Hände wie bittend auseinandergebreitet den Blick zum Himmel gerichtet wird ihm von einem Henkersknecht das Kreuz auf die Schulter gehoben. Was vom Kreuz auf dem Weg zur Kreuzigung getragen werden musste, ist bis heute ungeklärt. Möglicherweise war es nur das Querholz, es kann aber auch das ganze Kreuz gewesen sein. In dieser Darstellung ist es das letztere.

Johannes Lötz

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Herz-Jesu Kreuzwegstation 3

Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

Dieses Bild stellt den ersten Fall Jesus unter dem Kreuz dar. Nirgendwo wird erzählt, warum dies passierte. Deshalb sind nur Annahmen möglich. Eine mögliche Erklärung ist die vor dem Kreuzweg erfolgte Geisselung. Sie wurde mit Geisseln durchgeführt, die mit Dornen bespickt waren. Bei der Geisselung wurden dadurch entsetzliche Wunden in den Körper gerissen. In dem Film "Die Passion" von Mel Gibson wird dies sehr deutlich gezeigt. Mit dem Wunden ging so ein Blutverlust einher, was den Körper durchaus schwächen konnte. Die Folgen einer solchen Geisselung sind in diesem Kreuzweg nicht zu sehen.

Johannes Lötz

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Herz-Jesu Kreuzwegstation 4

Jesus begegnet seiner Mutter

Jesus begegnet seiner Mutter

Jesus begegnet in diesem Bild seiner Mutter Maria. Im Hintergrund steht Johannes der Apostel, der Maria noch bis zum Berg Golgatha begleitet hatte. Bleich vor Gram und Entsetzen über diese Vorgänge schaut Maria auf ihren Sohn.

Johannes Lötz

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Herz-Jesu Kreuzwegstation 5

Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

Man erkannte wohl, dass Jesus zu schwach war, das Kreuz zu tragen. Deshalb befahl man Simon von Cyrene, der zufällig des Weges kam, Jesus behilflich zu sein und das Kreuz zu tragen. Simon gilt der Legende nach als erster Heiliger dunkler Hautfarbe. Hier wird er aber eher mit heller Hautfarbe dargestellt. Wie lange er das Kreuz tragen musste ist nirgends erwähnt, vermutlich aber nur eine kurze Strecke.

Johannes Lötz

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Herz-Jesu Kreuzwegstation 6

Veronika reicht Jesus das Schweisstuch

Veronika reicht Jesus das Schweisstuch

Die Hl. Veronika ist nur über die Legende bekannt. In den Evangelien taucht sie nicht auf. Nach der Legende reichte sie Jesus auf seinem Kreuzweg ein Tuch, um das Blut und den Schweiss abzuwischen. Der Legende nach erschien wunderbarerweise das Antlitz Jesus auf dem Tuch. Das Tuch der Veronika ist heute im Petersdom in einem gewaltigen Tresor im Veronikapfeiler aufbewahrt. Eine Kopie davon befindet sich in der Schatzkammer der Wiener Hofburg. Diese Reliquie ist die wohl am meisten verehrte der Christenheit.

Johannes Lötz

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Herz-Jesu Kreuzwegstation 7

Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

Dieses Bild zeigt den zweiten Kreuzfall Jesus unter dem Kreuz. Brutal wird er von einem Henkersknecht mit einem Seilende geschlagen.Das Bild zeigt ein offenes Feld mit einer angedeuteten Mauer im Hintergrund. Der Kreuzweg hat in dieser Darstellung die Stadt Jerusalem verlassen.

Johannes Lötz

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Herz-Jesu Kreuzwegstation 8

Jesus begegnet den weinenden Frauen

Jesus begegnet den weinenden Frauen

Dieses Bild zeigt ein Ereignis, welches bei Lukas 23,27-31 beschrieben ist: Es folgte eine große Menschenmenge, darunter auch Frauen, die um ihm klagten und weinten. Jesus wandtezu ihnen um und sagte: "Ihr Frauen von Jerusalem, weint nicht über mich, weint über euch und eure Kinder. denn es kommen Tage, da wird man sagen: Wohl den Frauen, die unfruchbar sind, die nicht geboren und nicht gestillt haben. Dann wird man zu den Bergen sagen: Fallt auf uns!, und zu den Hügeln: Deckt uns zu! Denn wenn das mit dem grünen Holz geschieht, was wird erst mit dem dürren werden?" Trotz dieser düsteren Prophezeihung scheint auf diesem Bild Jesus einen Segen zu erteilen und hat eine mehr tröstende Haltung.

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Herz-Jesu Kreuzwegstation 9

Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

Dies ist der dritte Fall unter dem Kreuz. Wieder schlägt der Henkersknecht mit einem Seil zu und ein zweiter zieht den völlig erschöpften Jesus hoch.

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Herz-Jesu Kreuzwegstation 10

Jesus wird seiner Kleider beraubt

Jesus wird seiner Kleider beraubt

Jesus ist am Ende des Kreuzwegs angekommen, dies ist aber noch nicht das Ende, es ist die Spitze des Berges Golgatha, die Hinrichtungsstätte in Jerusalem. Das Kreuz liegt am Boden und wird von einem Henkersknecht für die Kreuzigung vorbereitet. Ein römischer Soldat mischt Wein mit Mhyrre, was Jesus trinken sollte, aber nicht tat. Jesus werden seine Kleider abgenommen.

Johannes Lötz

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Herz-Jesu Kreuzwegstation 11

Jesus wird an das Kreuz genagelt

Jesus wird an das Kreuz genagelt

Üblicherweise wurden die Delinquenten bei einer Kreuzigung an das Kreuz gebunden. Sie hatten die Möglichkeit sich auf die Arme zu stützen oder auf die Füsse aber nicht gleichzeitig. Beides war mit einer nur statischen Belastung der Arme oder Beine möglich. Wer einen vollen Bierseidel am ausgestreckten Arm mehrere Minuten hält, kennt die Folgen. Ein Gekreuzigter musste das ähnlich tun, aber egal, was er tat, es endete in einer schmerzlichen einseitigen Belastung. Dies führt nach mehreren Stunden zu einem Zusammenbruch des Kreislaufsystems und Ohnmachtsanfällen. Üblicherweise wurde dann der Tod des Delinquenten durch das Brechen der Extremitäten mittel Eisenstangen eingeleitet. Da dann die Hilfe des stützenden Skeletts ausbleibt und die gebrochenen Glieder schwere innere Verletzungen erzeugen, stibt der Delinquent entweder durch den Blutverlust oder durch ein Lungenödem durch Kreislaufversagen: Die Lungen laufen voll Wasser und der Delinquent erstickt innerlich. 

Jesus wurde an das Kreuz genagelt, indem man Nägel durch die Füsse und die Hände trieb, wie das in den üblichen Darstellungen gezeigt wird. Wissenschaftlich ist das so nicht ganz haltbar. Die Handflächen bieten zu wenig mechanischen Widerstand und die Haut wäre durch die Nägel zu sehr aufgerissen worden, bis die Hand wieder frei war. Eher ist die Nagelung nahe der Handwurzel zwischen Elle und Speiche denkbar. Ähnliches gilt für die Füsse. Eine Nagelung seitlich zwischen der Archillessehne und der Fusswurzel ist wahrscheinlicher. Ausserdem wurden die Extremitäten mit Sicherheit durch Seile an das Kreuz fixiert. Es gibt keine Verfahrensanweisungen, so ist man auf Vermutungen angewiesen. Für den Tod Jesus ist das aber nur ein Nebenschauplatz. Die Tortur an sich muß jedenfalls unerträglich gewesen sein.

Johannes Lötz

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Herz-Jesu Kreuzwegstation 12

Jesus stirbt am Kreuz

Jesus stirbt am Kreuz

Diese Kreuzigungsgruppe ist sehr eindrucksvoll. Vor dem Kreuz in knieender Haltung Maria Magdala. Rechts vom Kreuz Maria, die Mutter Jesus und der Apostel Johannes. Der Himmel ist schwarz und die Sonne scheint nur als roter Rest hindurch. Es ist die 9 Stunde, also etwa 15 Uhr. Johannes hat sich Maria zugeneigt, während sie noch verzweifelt die Hände zum Kreuz erhebt. Der bärtige Mann im Hintergrund, der auch auf vielen andern Kreuzwegbildern erscheint, faltet seine Hände zusammen. Ihn haben die Vorgänge um Jesus sichtlich erschüttert. 

Johannes Lötz

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Herz-Jesu Kreuzwegstation 13

Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoss seiner Mutter gelegt

Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoss seiner Mutter gelegt

Im Evangelium steht, das Rüsttag war. Der Rüsttag ist ein wichtiger Tag in der jüdischen Jahresabfolge. Üblicherweise ist der Freitag der Rüsttag, den der jüdische Gäubige nutzt, um sich auf den Sabbat vorzubereiten. Der Sabbat ist der geheiligte siebte Tag, an dem Gott nach der Genesis eine Ruhepause einlegte. Orthodoxe Juden dürfen an diesem Tag nicht arbeiten oder arbeiten lassen. Der Todestag Jesus war aber noch zusätzlich der Rüsttag zum Pessachfest, das Fest zur Erinnerung an die letzte Strafe Gottes für Ägypten. Der Tag war so heilig, dass man die Gekreuzigten nicht an diesem Tag hängen sehen wollte, sie mussten somit vom Kreuz genommen werden. Jesus war ja schon tot, was ein Soldat mit einer Lanze feststellte, indem er sie in Jesus Seite stach. Sogleich floß Wasser und Blut, ein eindeutiges Zeichen für ein Lungenödem.

Die beiden anderen Gekreuzigten waren noch nicht tot, so zerschlug man ihre Gebeine um den Tod herbeizuführen. Jesus aber wurde mit der Erlaubnis von Pontius Pilatus vom Kreuz genommen. Die Szene dieses Bildes ist klassisch. Jesus wurde in den Schoss seiner Mutter gelegt, die damit von ihm Abschied nahm. Bei Maria stehen Johannes der Apostel und Maria Magdala.

Johannes Lötz

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Herz-Jesu Kreuzwegstation 14

Der heilige Leichnam Jesus wird in das Grab gelegt

Der heilige Leichnam Jesus wird in das Grab gelegt

Diese Bild zeigt Josef aus Arimathäa und Nikodemus, die den Leichnam Jesus im Beisein von Maria und Johannes nach jüdischem Ritus beisetzen. Damit ist der Kreuzweg am Ende und die Wartezeit auf den Ostermorgen beginnt, an dem Jesus von Toten auferstand.

Johannes Lötz

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