Kath. Pfarreien Herz-Jesu und St. Thomas Morus Obertshausen

St. Thomas Morus Kirche

Wie der Verfasser 1980 erstmals nach Obertshausen kam, war St.Thomas Morus von dem biologischen Umfeld, sprich den Pflanzen noch nicht richtig eingenommen. So stand er vor der Kirche mit dem Eindruck: "Ein feste Burg ist unser Gott". Der Bau machte einen Eindruck einer Festung mit dem Sichtbeton und den Ziegeleinschlüssen. Dies ist aus bestimmten Sichten auch heute noch der Fall, insbesondere wenn es Winter ist und das nicht vorhandene Grün des Laubes diesen Eindruck nicht mildern kann. Diese Kirche fotografieren möchte ich jedenfalls am liebsten im Frühling, wenn das Grün satt ausgetrieben ist.

Diese Kirche erschließt sich nicht durch einen Blick, sondern man muss sie als Gesamteindruck erleben. Dazu reicht es nicht sie rundherum von außen zu sehen, man muss sie auch von innen betrachten.

Dort finden wir einen zweischiffigen Innenraum mit dem Hauptaltarraum, der eigentlich quadratisch erscheint. Durch den Altar bedingt, der in einer Ecke des Quadrates errichtet ist, geht der Hauptzugang diagonal durch dieses Quadrat und die Nebengänge auf den Seiten. Die Bänke scharen sich so eigentlich kreisförmig um den Eckpunkt, wenn sie das könnten, denn sie unterliegen dem rechten Winkel. Sie sind aus hellem Holz, was mit den ansonsten dunklen Farben des Bodens und der Wände kontrastiert.

Das zweite Schiff enthält den Marienaltar. Hier war der Ziegelstein-/Betoneindruck wohl nicht so angebracht. Deshalb gibt es ein effektives Oberlicht mit einer hellen Holzkonstruktion, die durchaus etwas Wärme in diesen Raum bringen kann.

Das Auffälligste des Hauptraums fällt meistens erst dann auf, wenn man den Blick nach oben lenkt. Über diesem Raum schwebt scheinbar ein riesiges Betonkreuz, welches das Dach zu tragen scheint und wegen der zeltartigen Dachkonstruktion etwas geknickt ist. Das macht einerseits den Eindruck der Schwere, andererseits den Eindruck der Leichtigkeit, es erscheint somit irgendwie ambivalent, gegensätzlich.

Es gab unter dem verstorbenen Dirigenten Karl Richter 1971 eine spektakuläre Aufführung der Matthäus-Passion von Bach (hier: Kommt ihr Töchter helft mir klagen mit Oberchor Oh du Lamm Gottes, in YouTube ist sie vollständig aufzurufen). Sie fand in einem absolut weiss gestrichenen Studio mit einem riesigen Kreuz statt, welches über einem damals schon recht monumentalen Chor und Orchester schwebte. Das konnte durch Licht in dunkel oder hell verändert werden und bekam dadurch bedrohliche oder versöhnliche Eindrücke. Der Betonbalken der St. Thomas Morus Kirche erinnert immer wieder daran.

Die Beleuchtung des Kirchenraumes übernehmen filigran aussehende Lampen, die den Raum erleuchten aber nicht strahlen lassen. Der Eindruck der Schwere wird dadurch nicht gemildert. Das geschieht eher tagsüber, wenn die Sonne durch die Glasfenster fällt. Die Fenstergläser sind aus relativ strahlenden Farbgläsern zusammengesetzt. Wenn dann das Sonnenlicht einfällt, bekommt der Innenraum auch etwas Strahlendes.

Die Orgelbühne ist ein an der gleichen Atlarseite des Quadrates in die Quadratecke eingepasstes Fünfeck, welches für die Orgel und den Chor genügend Platz bietet. Die über der Orgel ansteigende Dachkonstruktion hat gleichzeitig eine akustische Funktion: Der Schall wird optimal in den Kirchenraum geschleust. Gleichzeitig sorgt die gebrochene Dachkonstruktion dafür, das es wenig Hall gibt, insbesondere wenn die Kirche gefüllt ist. Die Akustik ist dann eher trocken.

Der Sichtbeton tritt nur säulenartig in Erscheinung fast wie Fachwerk, wobei die Fächer mit Ziegeln ausgefüllt erscheinen. Da diese Fächer teilweise sehr große Flächen bilden, werden diese Flächen durch Streifen von andersfarbigen Ziegelsteinen aufgelockert. dies wurde auch im Außenbereich so gemacht. Damit wirken diese Flächen nicht so streng.

Seit 2014 beherbergt die Kirche eine Blutreliquie von Papst Johannes Paul II. Das ist die einzige Reliquie im Bistum Mainz und wurde auch gebührend gefeiert. Thomas Morus könnte sich zu einer Pilgerkirche mausern. Im Jahr 2015 wird es vier Termine für eine Pilgermesse geben:

11.02.2015 10:00 Uhr Welttag der Kranken mit Krankensalbung und Verehrung der Reliquie

08.04.2015 15:00 10. Begräbnistag

18.05.2015 18:00 Uhr Geburtstag von Karol Wojtyla

16.10.2015 18:00 Uhr Jahrestag der Wahl von Johannes Paul II.

 

Glocken

Name

X mm Gewicht kg Ton KW
 St. Josef 1.18 1.120 ges’+4 1,10
 St. Margareta 1.04 767 as’+3 0,80
 Friedensglocke 954 671 ces’’+4 0,80
 Marienglocke 852 486 des’’+4 0,65
    3.044   3,35

St. Josef hat die Inschrift "Meine Zeit steht in deinen Händen". Auf der Margaretaglocke ist zu lesen: "Herr laß uns Gnade finden vor deinem Angesicht". Die Friedensglocke tröstet uns mit dem Wort: "Meinen Frieden gebe ich euch". Die Marienglocke ziert der Spruch: "Dein Wille geschehe auf Erden, wie im Himmel". Ein umfangreicher Glockenstuhl aus Stahlträgern sorgt für den sicheren Stand des Geläuts, welches in der Glockengießerei Heidelberg gegossen wurde. Domkapitular Richard Fahney aus Mainz weihte sie am 12. Dezember 1976, erstmals läuteten sie dann zu Heiligabend.