Kath. Pfarreien Herz-Jesu und St. Thomas Morus Obertshausen

Pfarrer Emil Neidig

Pfarrer Neidig begann seine Amtszeit 1947 und fand eine Kirche vor, die renovierungbedürftig war. Kriegseinwirkungen und Alter hatten Teile der Kirche angegriffen. Die Heizung lief schon seit 1915 nicht mehr, so mussten die Messen auch bei tiefen Temperaturen gefeiert werden. Die Beleuchtung wurde mit Gas betrieben und war ebenfalls nicht mehr funktionsfähig. Kerzen mussten somit als Licht ausreichen. Der Innenanstrich war verschmutzt und der Außenputz bröckelte insbesondere am Turm. Die Kupferzwiebel wies mehrere Löcher durch Einschüsse auf und mehrere Dachziegel waren zerbrochen. Der Kindergarten und das Schwesterwohnheim entsprachen nicht mehr den Vorschriften. Pfarrer Neidig war von Haus aus ein sparsamer Mensch und so sollten keine Schulden gemacht werden, was heftige Diskussionen in der Gemeinde auslöste. Noch vor der Währungsreform erhielt die Kirche eine moderne Elektrobeleuchtung und die kriegsbedingten Schäden an den Fenstern wurden beseitigt. Pfarrer Neidig hatte im "duzendjährigen Reich" auch seine Erfahrungen machen müssen (Inhaftierung durch die Gestapo wegen "undeutschen Einflusses auf die Jugend"). So war es ihm wichtig die Jugend- und Gruppenarbeit voranzutreiben, wie es auch schon Pfarrer Kmietsch getan hatte. Die Gründung eines Kirchenbauvereins wurde beschlossen und gleichzeitig wurden Sammler für Spenden losgeschickt. Monat für Monat kam so Geld in die Kasse. 1951 wurde schon einmal Baumaterial eingekauft ('gehamstert'), der Koreakrieg  drohte auszuweiten. In Frühjahr wurden die Ausschachtungsarbeiten durch freiwillige Mitarbeiter für das Gemeindehaus begonnen. So stand letztlich 1954 das Gemeindehaus - durch Eigenarbeit und Spenden erstellt - fast schuldenfrei und die Schwestern und der Kindergarten konnte bezogen werden. Das alte Schwesternwohnheim wurde abgerissen. Ebenfalls 1954 wurde ein neues Geläut von vier Glocken gegossen, welches zunächst manuell bedient werden musste und später in Jahr Läutemaschinen bekam. 1957 bekam die Herz-Jesu-Kirche nach 42 Jahren ohne Heizung eine moderne Öl-Luftheizung. 1961 wurden die Gebäude des "Grünen Baums" und des Ott'schen Anwesens vor der Kirche (1954 gekauft) abgerissen und die immer dringender gewordene Außensanierung vorgenommen. Die Pfarrbücherei erhielt einen Pavillion vor der Kirche, da der Platz im Gemeindehaus nicht mehr ausreichte. 1962 wurde die Innenrenovierung der Herz-Jesu-Kirche angegangen. Der Raum wurde entsprechend des 2. Vatikanums umgestaltet und erhielt einen neuen Anstrich. Außerdem wurde das Pfarrhaus innen und außen renoviert, was auch dringend notwendig war. Alle Kosten waren durch Sonderspenden und Zuschüsse weitestgehend abgedeckt. 1967 wurde ein zweites Gemeindezentrum eingerichtet. Zunächst entstand in der Franz-Liszt-Straße der Kindergarten. 1970 erhielt die Herz-Jesu-Kirche eine neue Orgel. 1984 feierte Pfarrer Neidig sein goldenes Priesterjubiläum ehe er 1985 in den Ruhestand trat.

 

20.7.1910 Geburt in Worms
24.2.1934 Priesterweihe in Mainz
1934 - 1936 Kaplan in Erbach Odenwald und Biblis
1936 - 1941 Kaplan in Mainz und Viernheim
5.5.1941 Einberufung zum Militär
1945 Kurze amerikanische Gefangenschaft in Thüringen anschliessend Pfarrvikar in Falkenstein/Sachsen
1946 Militärseelsorger in einem Internierungslager in Darmstadt
1.5.1947 Pfarrer der Herz-Jesu-Kirche
1.1.1956 bis 31.12.1969 Dekan des Dekanats Offenbach-Land
31.7.1985 Versetzung in den Ruhestand, Umzug ins Elternhaus in Bensheim
22.6.1995 in Bensheim verstorben, Grab ist auf dem Friedhof in Bensheim

 

Neidig