Kath. Pfarreien Herz-Jesu und St. Thomas Morus Obertshausen

1910 - 1974: Aufbau der Herz-Jesu-Kirche

1910 ist es soweit, das Pfarrhaus wird für 22.241 Mark erbaut. Für 8000 Mark wird die Hofreite der Witwe Döbert erworben und dient als Schwesternhaus. Die Schwestern leisten ambulante Krankenpflege, leiten einen Kindergarten und halten Koch- und Nähkurse ab.

 

Altar und Kanzel

Altar und Kanzel

1911 beginnt der Bau der neuen Kirche. Der Türrahmen der alten Kirche wird in der neuen Kirche eingebaut (jetzt zwischen Sakristei und Chorraum). Der Turm bleibt teilweise erhalten und steht im neuen Turm. Der Taufstein der alten Kirche wird in die neue Kirche übernommen. Die neue Kirche ist Außen im Neobarock entworfen, damals eine modische Stilrichtung. Innen herrscht der Jugendstil vor. Der Baupreis ist 103.000 Mark. Auf Wunsch Dr. Bruders und mit Genehmigung aus Mainz wird die Kirche dem Herzen Jesu geweiht, behält aber Nikolaus als Patron. Am 15. Juni 1912 wird die Kirche vom Mainzer Erzbischof Kirstein eingeweiht. Da gespart werden musste, gab es nur einen provisorischen Altaraufbau und eine provisorische Kanzel. Die Fenster (Jugendstil / Nazarenerstil) waren gespendet. Im Dezember wird der Kirchenraum noch durch einen Kreuzweg komplettiert, der im Jugendstil / Nazarenerstil ausgeführt ist.

1913 verlässt Pfarrer Eich die Pfarrei wegen der Verbreitung des orthodoxen Marxismus und der damit verbundenen Abfallbewegung in der Pfarrei. Pfarrer Kmietsch wird sein Nachfolger. Die sozialpolitischen Spannungen in der Pfarrei sind weiter vorhanden und die Verschuldung durch den Kirchenbau drückt. Die Kirche ist aber noch nicht vollendet. Innen sind die Altäre, die Kanzel und die Orgel fertigzustellen und außen ist die Kirche durch Nachbargrundstücke stark eingeengt. Diese Grundstücke sollten angekauft werden, der Geldtopf ist aber leer, und 1914 beginnt der 1. Weltkrieg.

1916 kann das Grundstück vor dem Pfarrhaus für 5.800 Mark erworben werden. 1917 werden wohl zwei Glocken der alten Kirche verkauft, sowie ein Satz Orgelpfeifen aus der unbrauchbar gewordenen alten Orgel. Damit wird eine neue Orgel finanziert. 1918 endet der Weltkrieg mit 49 Toten und 12 Vermissten in Obertshausen. 1923 bekommt die Kirche eine zweite Glocke (Marienglocke "G"). 1929 wird das Gelände des "Grünen Baums" für 40.000 RM erworben. Auf den Gelände befinden sich heute der Parkplatz, das Schwesternhaus, der Pfarrsaal und die Kita mit anschließendem Garten. Der "Grüne Baum" war eine typisch örtliche Gaststätte mit hohem Beliebtheits- und Bekanntheitsgrad.

Der WW1 hatte in Deutschland einige Änderungen hinterlassen, die eine vertragsgemäße Durchführung der Staatskirchenverträge nicht mehr möglich machten. Damit begannen die ersten Verhandlungen zum Bayrischen Konkordat mit dem Nuntius Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII. 1924 wurde das Konkordat in Kraft gesetzt. Parallel dazu begannen die Verhandlungen zum Pressenkonkordat in 1920, welches 1929 gültig wurde. 1932 wurde das Badische Konkordat gültig und 1933 das Reichskonkordat. Letzteres legte für Mainz, Rottenburg und Meißen die Gültigkeit des Badischen Konkordates fest. Insbesondere das Reichskonkordat legte besonders günstige Regelungen für die Katholische Kirche fest, da die regierende NSDAP dringend Anerkennung und Ruhe brauchte. Das half der Kirche letztlich allerdings auch nicht viel, wie man auch in Obertshausen erleben musste. 

In Hausen wurde die Pfarrkuratie 1924 endlich eingerichtet. Damit wurde die Pfarrei St. Josef von Lämmerspiel getrennt und eigenständig.

1933 begann die Zeit der Naziherrschaft - und die Informationen werden spärlich. 1937 wird das Grundstück hinter dem Chorraum von Herz-Jesu ohne Wissen der Pfarrei verkauft. Die Pfarrei kann den Käufer überreden ein Ersatzgrundstück zu akzeptieren und übernimmt das Anwesen um es gleich abzureißen, damit die örtliche Parteileitung den Kauf nicht rückgängig machen kann.

neuer Altar von 1938

neuer Altar von 1938

1938 erhält die Kirche endlich einen neuen Altar und eine Kanzel. Die Entwürfe gab es schon lange, konnten aber mangels Geldes nicht verwirklicht werden. Die Eingriffe der Partei in die kirchlichen Angelegenheiten war mehr als unangenehm. Fronleichnam wurde 1942 auf den Sonntag verschoben. Für den Sonntag gab es dann keine Erlaubnis der Prozession. Die Messdiener wurden durch Dienste in der Hitlerjugend vom Messedienen systematisch abgehalten oder der Pfarrer bekam vorgeschrieben, wer dienen durfte. Die zweite Glocke (Marienglocke) wird konfisziert und für Kriegszwecke umgeschmolzen.

Am Ende des 2. Weltkrieges gab es in Obertshausen 63 Kriegstote und weitere 37 Vermisste. Viele Vertriebene kamen nach Obertshausen und mussten eine neue Existenz aufbauen, wie auch die aus den zerbombten Städten Frankfurt und Offenbach. Obertshausen hatte 3200 Einwohner mit einem Anteil von 90 % Katholiken. Die Menschen waren zwar frei, aber bis zur Währungsreform war das Leben nicht leicht. Die Strukturen vor der NS-Zeit mussten neu aufgebaut werden. Pfarrer Kmietsch wurde 1946 in den Ruhestand versetzt, blieb aber weiter im Pfarrhaus wohnen. Für kurze Zeit ist Pfarrer Philipp Kern als Pfarrverwalter eingesetzt, bis Pfarrer Emil Neidig Mitte 1947 das Amt übernimmt.

1948 wird die Gasbeleuchtung der Herz Jesu Kirche durch eine sichere elektrische Beleuchtung ersetzt. Nach der Währungsreform wird die Finanzierung wieder einfacher, die Schäden an den Glasfenstern durch die Kriegsereignisse werden repariert. Das Kreuz an der Bahnhofstrasse wurde bei einem Verkehrsunfall zerstört und durch ein neues ersetzt. 1949 wird der Katholische Kirchenchor gegründet. 1950 wird der Kirchenbauverein gegründet, er besteht noch heute. Seine Aufgaben bestehen in der Erhaltung der Bausubstanz der Herz-Jesu-Kirche und später auch der Bau und die Unterhaltung von neuen Gebäuden.

1951 beginnt der Bau des neuen Gemeindehauses auf dem Gelände des "Grünen Baums". Dazu werden die Nebengebäude abgerissen und die Ausschachtungen für die Fundamente und den Keller von Freiwilligen der Ortsvereine vorgenommen. 1953 ist der Rohbau fertig. Am Ende diesen Jahres wird für ein neues Geläut der Kirche gesammelt. Es kommen 24.000 DM zusammen, zwei Drittel davon von Firmen. 1954 werden vier Glocken in Heidelberg im Beisein von Pfarrer Neidig und einer kleinen Gruppe aus der Gemeinde gegossen. Nach der Anlieferung werden sie feierlich durch Obertshausen gefahren und am "Grünen Baum" ausgestellt und geweiht. Die alte Glocke wird nach Butzbach verkauft. Das Gemeindehaus wird fertiggestellt. Neben der Klausur für die Schwestern enthält es die Räumlichkeiten für die unterschiedlichsten Aktivitäten. Der alte Kindergarten mit dem Schwesternhaus vor der Kirche konnte nun abgerissen werden. Die Pfarrei ersteht das Ott'sche Anwesen vor der Kirche. Die beiden Eigentümer erhalten im Tausch zwei Häuser in der Anton-Bruckner-Strasse.

1957 bekommt die Herz-Jesu-Kirche eine neue Öl-Luftheizung. Es wird ein neuer Rückkanal angelegt, wobei das alte Fundament der Kirche zweimal durchbrochen werden muss. 1959 feiert Pfarrer Emil Neidig sein silbernes Priesterjubiläum. 1961 werden der "Grüne Baum" und das Ott'sche Anwesen abgebrochen. An der Westseite der Kirche wird die neue Sakristei angebaut und die Kirche außen renoviert. Am Fronleichnamstag wird von einem Kreis junger Familien und dem Kirchenchor ein kleines Sommerfest im Garten hinter dem Gemeindehaus veranstaltet. Daraus entwickelte sich die Tradition des Pfarrfestes.

1962 werden der Chorraum der Herz-Jesu-Kirche sowie das Pfarrhaus renoviert. Der Vorplatz der Kirche wird komplett umgestaltet und ein Bücherpavillon für die Pfarrbibliothek installiert.

1967 hat Obertshausen fast 8000 Einwohner. Der Bau einer Kindertagesstätte im Neubaugebiet ist zwingend notwendig. 1953 hat die Zivilgemeinde eine Zusage gemacht, die jetzt eingelöst wird. 7000 qm an der Franz-Liszt-Straße werden für den Bau eines neuen Gemeindezentrums ausgewiesen. Der Bau der Kita wird in Angriff genommen.

1968 wird erstmals ein Pfarrgemeinderat gewählt. die Zahl der Katholiken in Obertshausen ist 5212. Die Gemeinde wird am 1. Juni geteilt und die Pfarrei St. Thomas Morus gegründet. Der Pfarrverwalter Hans Hix wird beauftragt ein Pfarrhaus und einen vorläufigen Gottesdienstraum (der jetzige Pfarrsaal) zu bauen.

1970 für 160.000 DM wird eine neue Orgel für Herz Jesu angeschafft und eingeweiht. Herz Jesu hat jetzt 2990 Katholiken. 1973 stirbt Pfarrer Paul Kmietsch. Er wird auf dem Friedhof am Rembrücker Weg beigesetzt.

Johannes Lötz