Kath. Pfarreien Herz-Jesu und St. Thomas Morus Obertshausen

von 200 - 1434: Anfänge des Christentums im Rodgau bis zur Reformation

Zur Zeit Gajus Julius Caesar war das Maingebiet südlich des Mains von Kelten (Alemannen und Franken) und nördlich des Mains von Germanen (u. A. Chatten=Hessen) bevölkert (Sicht von G. J. Caesar). Die Grenze war der Limes mit Wall, Graben und Palisaden. Er verlief im Wesentlichen von der Rheinmündung längs des Rheins und dann längs des Mains. Die Saalburg nördlich von Bad Homburg ist ein ehemals befestigtes Fort. Dort kann man sich im Museum über den Limes informieren.

Im hessischen Glauburg wurden Ausgrabungen gemacht, die auf eine keltische Besiedlung um 500 vor Chr. hinweisen. 200 v. Chr. hatten die Kelten ihre größte Ausdehnung in Europa von Irland bis in die Türkei (Paulus schrieb die Briefe an die Galater, die waren die Reste der Kelten (Boöten) in Vorderasien, die vermutlich nach der Eroberung Roms 387 v. Chr dorthin auswanderten). Sie wurden von den Römern insbesondere in Frankreich und der Schweiz bis Baden-Württemberg unter Caesar stark bekämpft und letztlich unterworfen. Die Beschreibung des antiken Schriftstellers Caesar ist also etwas ungenau aber auch nicht unbedingt gewollt, "De Bello Gallico" sollte ein Fortsetzungskriegstagebuch sein, welches die 'Ruhmestaten' Caesars zum Thema hatte und für das 'einfache' Volk geschrieben war, weswegen es im Lateinunterricht die erste Lateinlektüre ist.

In jedem Grenzgebiet sind die Volkszugehörigkeiten natürlich vermischt und nicht streng getrennt, es gab ja schon einen regen Handel. Über die Römer müssen die ersten Christen im Mainz (Moguntiacum) gewirkt haben, das war um 200 n. Chr. Im 4. Jhd. gab es in Mainz sicher eine christliche Gemeinde und möglicherweise einen Bischof. Erst 315 n. Chr. erließ Kaiser Konstantin das Toleranzedikt von Mailand, welches die Religionsfreiheit ins römischen Reich brachte. 391 wurde das Christentum Staatsreligion im römischen Reich. Spätestens mit Bonifatius (gebürtiger Kelte aus Exeter/England, Bischof von Mainz) nach 721 n. Chr. wurden die Gebiete von Hessen und Thüringen missioniert oder christianisiert und das nicht unbedingt ohne Zwang. Bonifatius schuf auch die Grundlagen zur Errichtung des Bistums Mainz (746), welches sich insbesondere unter seinem Nachfolger Lullus zum größten Bistum nördlich der Alpen entwickelte.

Mainz führt den Namen des Hl. Stuhls, welchen daneben nur noch Rom besitzt. Das ist ein originäres nichtstaatliches Völkerrechtssubjekt des Papstes und von Mainz, die nichtstaatliche souveräne Macht, die die ganze katholische Weltkirche vertritt. Die Kurie ist die Verwaltung des Hl. Stuhls und die Apostolische Nuntiatur die diplomatische Mission. Weitere Völkerrechtssubjekte dieser Art sind das Internationale Komitee vom Roten Kreuz und der souveräne Malteser-Ritterorden. Für Mainz ist dies aber eher ein Ehrentitel, der nie ausgefüllt wurde. Der Hl. Stuhl war allen von Aposteln gegründeten Bischofssitzen vorbehalten, das waren Alexandria, Antiochia, Jerusalem, Rom und Mainz. Geschichtlich sind davon die letzten zwei übrig geblieben.

Der Bischof von Mainz war einer von drei Fürstbischöfen und damit gleichzeitig der Reichserzkanzler von Deutschland. Der Erzbischof von Köln war Reichserzkanzler von Italien und der Erzbischof von Trier Reichserzkanzler von Burgund. Die Fürstbischöfe gehörten zum Kurfürstenkollegium, welches allein die Könige wählen konnte (kur=küren, wählen), die dann auch zum Kaiser gekrönt werden konnten. Dieses Kollegium bestand aus den genannten drei geistlichen Fürsten und vier weltlichen Fürsten: der König von Böhmen als Erzmundschenk, der Pfalzgraf bei Rhein als Erztruchsess, der Herzog von Sachsen als Erzmarschall, der Markgraf von Brandenburg als Erzkämmerer. Wann diese Heraushebung der Fürsten stattfand ist nicht genau geklärt, gilt aber sicher ab dem Mittelalter. Ab 900 ist auch der Titel des Primas für den Mainzer Erzbischof bestätigt, dabei handelt es sich aber nur um einen Ehrentitel, der deshalb auch nie ausgefüllt wurde und nach 1803 nach Regensburg übertragen wurde und dort erlosch. Den (Ehren-)Titel 'primas germaniae' trägt heute nur noch (gewohnheitsmäßig) der Erzbischof von Salzburg.  

Karl der Große eroberte das obere Maingebiet und (Nieder)Sachsen und hatte eine Kaiserpfalz in Seligenstadt (hiess damals noch Obermühlheim, und Mühlheim hiess deshalb Untermühlheim). Von Seligenstadt aus wirkte das dortige Kloster auch im Gebiet vom Rodgau. Karls Sekretär Eginhard (oder Einhard) soll aus dem Maingau stammen. Der Legende nach soll er mit Karls Tochter Emma, möglicherweise eine echte "Öcher Print", von Aachen nach Seligenstadt durchgebrannt sein. Karl war deshalb besorgt und sagte, dass die Stadt, wo er seine Tochter wiederfände, selig sein sollte. Er fand sie in Obermühlheim, die Stadt heisst deswegen jetzt Seligenstadt und Mühlheim konnte das 'Unter' streichen. Die Legende ist gut kolportiert, witzige Hinweise von Wilhelm Busch finden sie hier. Nur hat Emma nie existiert. Die Stadt erhielt ihren neuen Namen eher durch die Lagerung der Gebeine der seligen Märtyrer Petrus und Marcellinus.

815 wird Mühlheim als erster Pfarrort im Rodgau erwähnt. Mit Karl dem Großen ging eine Bildungs- und Rechtsreform einher, so gab es endlich eine Schriftform von Verträgen und Archive zum Aufbewahren. Mühlheim ist die Mutterkirche der Orte Bieber, Bürgel, Dietesheim, Hausen, Obertshausen und Offenbach. 

 

Maingau um 800 V.Chr.

Maingau um 800 V.Chr.

Alle Orte gehörten zum Maingau im Herzogtum Westfranken mit den bedeutenden Orten Seligenstadt (Kloster und Kaiserpfalz) und Aschaffenburg (ab 982 Entwickelung zur Zweitresidenz der Bischöfe von Mainz). Die Verwaltung hat St. Peter und Alexander in Aschaffenburg und gehörte damit zum Bistum Mainz. Dies ist eine Aufteilung der Region nach kirchlichen Einflüssen. Politische Einflüsse gab es mit Sicherheit, diese konnten aber ganz anders aussehen.

Der Maingau gehörte zum Herzogtum Francia Occidentalis (Westfranken). Eine genauere Eingrenzung des Maingaus nennt Johann Wilhelm Christian Steiner in seinem Werk "Altertümer und Geschichte des Bachgaues im alten Maingau I-III" von 1821: „Der Maingau hatte folgende Gränzen. Von Offenbach den Main herauf bis an den Ausfluß der Kinzig, jedoch so, daß Dörnigheim noch zum Maingau gehört. Von da läuft die Gränze der Kinzig aufwärts bis über Gelnhausen, dort gehören die Orte des Kinziggaues: Höchst, Wirtheim, Kassel, sodann Bieber und Löhrhaupten, welche alle in dem Archidiaconat Aschaffenburg liegen, zu dem Maingau. Durch den Spessart neben dem Sinngrund bis nach Lohr an den Main; diese Stadt liegt in seinem Bezirk. Sodann mit den Gränzen des Amts Lohr nach Stadtprozelten bis an den Engelsberg, nun über Mainbullau nach der Grafschaft Erbach, welche, soweit der Plumgau reicht, größtenteils zum Maingau gehört. In Berfelden vorbei westlich nach Reichelsheim, Bieberau, Rheinheim, Georgenhausen, Roßdorf, Dieburg, Messel, Urberach, Oberroden, Ditzenbach, Heusenstamm und Offenbach. Alle diese Orte lagen in seinen äußersten Gränzlinien.“ Die Bezeichnung Rodgau ist eine Unterteilung des Maingaus, wie auch die Gebiete Bachgau, Kinziggau, Plumgau und Spessart.

Aus dem Jahre 865 gibt es ein Dokument, welches sich auf Obertshausen bezieht. Danach war der Bauer Bernhard, der das Hofwerk Obertshausen (Oberdueshuson) für die Abtei Seligenstadt bewirtschaftete, zu einer Zinsabgabe von 12 Denaren (~ 9 €, 405g Silber zu 240 Teilen=1 Denar) verpflichtet. Dies betrifft somit ein Hofwerk, welches man sich als Lehen vorstellen muss, nach heutigen Rechtbegriffen als einen Pachthof, der dem Kloster Seligenstadt gehörte. Die Pacht wird hier als Zinsabgabe bezeichnet. Eine Pacht konnte auch durch andere Dienstleistungen erbracht werden, wie Frondienste oder Teile der Ernte. Es herrschte die Wirtschafts- und Gesellschaftsform des Feudalismus (feudum=Lehen) vor. Grundrechte lagen vorwiegend beim Kaiser/König und wurden als Lehen an die Adeligen weitergegeben, sowie bei der Kirche, die Grund und Boden selber benötigte (z.B. Klöster mit Autarkie, "bete und arbeite") oder verpachtete.

1307 wird der große Pfarrbereich von Mühlheim in vier Pfarreien geteilt: Bieber, Bürgel, Heusenstamm und Lämmerspiel. Offenbach war da wohl schon selbstständig, die Herren von Falkenstein residierten dort. Zu Lämmerspiel gehörten die Filialpfarreien Hausen, Häuser Hof und Obertshausen, wie in einem Dokument aus 1340 zu lesen ist und Obertshausen blieb das bis 1726 und kam dann nach Heusenstamm.

Wappen von Hainhausen

Wappen von Hainhausen

Dies ist wieder eine kirchliche Einteilung der Region. Hier ist es angebracht die politischen Zugehörigkeiten zu klären. 1108 wird der Ort Haginhusen als Standort der Herren von Hagenhausen erwähnt. Es handelt sich dabei um Hainhausen, dem kleinsten Stadtteil der heutigen Stadt Rodgau. Es existierte damals dort eine Wasserburg, die den Herren von Hagenhausen gehörte, welche nur noch als Bodendenkmal existiert (die heutige Burgstraße im Nordosten des Stadtteils schlängelt sich darum). Sie wurde in den letzten Jahren mit geologischen Verfahren (Erdradar) wiederentdeckt und soll weiter erforscht werden. Die Burgherren waren  

Altes Wappen von Obertshausen (bis 1977)

Altes Wappen von Obertshausen (bis 1977)

wahrscheinlich Nachfahren der Maingaugrafen (die Historie ist da etwas lückenhaft), die in Aschaffenburg saßen. Das Wappen enthält zwar die Fränkischen Farben, aber in einer ungewöhnlichen Form, "Eppsteiner Sparren" genannt. Eine Nebenlinie waren die Herren von Hausen, die eine Wasserburg in Obertshausen besaßen, die Ruine der Burg im Hain ist der Rest dieser Burg (heute ausgegraben und als Denkmal frei zugänglich). Im alten Stadtwappen von Obertshausen war dies erkenntlich (inklusive der fränkischen Zacken und der Farben weiss-rot). Auch die Herren von Heusenstamm sind dieser Dynastie zuzuordnen.

 

Steinheim mit Schloss

Steinheim mit Schloss

Die Herren von Hagenhausen waren offensichtlich durch Politik und Heirat wirtschaftlich sehr rührig und bekamen eine gewisse Bedeutung in ihrem Bereich, dem Rodgau. Sie erwarben die Burg Eppstein im Taunus (heute als Ruine zu bewundern) und nannten sich ab da die Herren von Eppstein. Die Herren von Eppstein entwickelten sich seit dem Ende des 12. Jhd. zu einer der einflussreichsten Familien im Hochmittelalter. Im 13 Jhd. stellten sie allein 4 Erzbischöfe in Mainz. In ihrem Stammland rund um den Rodgau und den Main besaßen sie ein zusammenhängendes Gebiet mit dem Verwaltungssitz in Steinheim (Hanau). Dort besaßen sie ein beeindruckendes Schloss seit 1222 (siehe Bild) von dem es heute nur noch wenige Teile gibt.

Wappen derer von Eppstein

Wappen derer von Eppstein

 

Burg Eppstein in Eppstein

Burg Eppstein in Eppstein

Die Familien waren aber auch innerlich zerstritten. Deswegen gab es Streit um das Erbe, was in 13. Jhd. zu einer 10 Jahre dauernden Fehde führte. Dieser Streit war der Beginn einer Reise in die Bedeutungslosigkeit. Nach und nach verloren die Eppsteiner Gebiet für Gebiet, weil durch die teuere Hofhaltung und Streitereien das Vermögen dahinschmolz. 1425 wurde das Amt Steinheim, also der Stammbesitz der Eppsteiner, von Gottfried VIII. von Eppstein an Konrad III. von Dhaun Erzbischof von Mainz für 38.000 Gulden (~ 4 Mio. €, bei 1 Gulden = 3,5 g Feingewicht) verkauft. Damit gelangte das Gebiet in den Besitz des Erzbischofs und Kurfürsten von Mainz, also des Domkapitels. 1535 starben die Eppsteiner aus.

Konrad von Dhaun war von 1419 bis 1434 Erzbischof von Mainz. Während dieser Zeit regierte König Sigismund, der 1433 zum Kaiser gekrönt wurde. In diese Zeit fiel auch das Konzil von Konstanz, welches zur Beendigung des Abendländischen Schismas beitrug, eigentlich eine Auseinandersetzung zwischen Frankreich und Italien. Während dieses Konzils fand auch die Verbrennung von Jan Hus wegen Ketzerei statt, trotz Zusage des freien Geleits seitens Sigismunds. Jan Hus predigte gegen den Ablasshandel der Kirche, wie ein Jahrhundert später Luther. Durch diese Verbrennung angestachelt, begehrten die Anhänger von Hus in Prag gegen die Kirche auf, was letztlich zu den Hussitenkriegen führte, der mit dem Ersten Prager Fenstersturz begann (1419) und mit der Schlacht bei Brüx mit einer Niederlage der Hussiten endete (1434).

Konrad von Dhaun hatte ein Bündnis  mit Dietrich II. von Moers (Erzbischof von Köln), Otto von Ziegenhain (Erzbischof von Trier), Ludwig III. von der Pfalz, Friedrich I. von Sachsen und Friedrich I. von Brandenburg geschlossen, den Binger Kurverein (1424). Der sollte Streitigkeiten untereinander regeln und eine Front gegen die Hussiten bilden. Der König Sigismund war damit in der Kritik, da er nicht ausreichend gegen die Hussiten vorging und damit ein neuerliches Schisma heraufbeschwor. Das Basler Konzil versuchte 1431 - 1439 die Reformbemühungen des Konstanzer Konzils weiter zu führen, was aber in einem neuerlichen Schisma endete, welches 1449 mit der Niederlegung des Amtes des (letzten historischen) Gegenpapstes Felix V. endete.

Die Reformbemühungen blieben stecken, aber der Unwille bezüglich der Kirche blieb bestehen. Es begann eine Revolution durch die Erfindung des Buchdruck, vergleichbar mit der Entwickelung des Internets heutzutage. Die Papiermedien machten die Verbreitung von Ideen erst möglich. So gewann die Reformation letztlich doch. 

Johannes Lötz