Berichte von den Kindern aus Kolumbien

Dem Elend entkommen

Datum:
Fr 6. Mär 2020
Von:
Thorsten Pippert

Jahr für Jahr verlassen 200 bis 250 Mädchen die Schulen der Schwestern vom armen Kinde Jesu. Die Kinder, die häufig aus einem desolaten Umfeld stammen, können daher trotz dessen mit einem staatlichen Schulabschluss ins Leben starten.

Die nachfolgenden Lebensgeschichten der fünf vorgestellten Frauen zeigen, wie wichtig die Ausbildung ist, die sie in den Schulen der Schwestern erhalten haben. Sie zeigen aber auch, dass Ausbildung allein nicht alles ist, sondern wie wichtig die Erziehung und die vorgelebten Werte der Schwestern sind.

Sie heißen Lilia und Esperanza, Nancy und Emilse und Sandra. Sie gehören zu den Mädchen, die durch die Aufnahme in einer Schule bzw. in einem Internat der Schwestern die Chance für ein besseres Leben erhalten haben. Woher sie kamen, was aus ihnen geworden ist und was für sie selber wichtig war, davon wollen wir in dieser Ausgabe berichten. Wir wollen zeigen, was die Hilfe der vielen Paten und Förderer im Leben dieser fünf Mädchen (bzw. heutigen Frauen und Mütter) konkret bewirkt hat.

Esperanza kam 1970 ans Institut Clara Fey, als sich ihre 7-köpfige Familie in einer schwierigen finanziellen Situation befand. Nach dem Gymnasium absolvierte sie eine Ausbildung als Sekretärin, arbeitete dann in einer privaten Firma und ist heute als Sekretärin für die Ordensprovinz der Schwestern tätig. Gemeinsam mit ihrem Mann erzieht sie Zwei Söhne, die heute bereits berufstätig sind.
Esperanza sagt: "Die Schwestern ermöglichten mir nicht nur eine Ausbildung. Meine ganze Persönlichkeit wurde durch ihre Werte geformt. Was mein Familienleben und mein Berufsleben ausmacht, verdanke ich der Erziehung der Schwestern."

Lilias Familie musste gerade den Tod von Lilias einjährigem Bruder verkraften, als sie zunächst in die 5. Klasse des Instituts Clara Theresia und dann nach Andres Fey kam. Mit Unterstützung der Schwestern legte sie dort das kaufmännische Abitur ab, wurde 2004 Sekretärin und studiert nach einigen Semestern Elektronik an der Universität der Augustiner nun Wirtschaftsprüfer im 3. Semester. Sie ist glücklich mit ihrem Mann verheiratet und hat einen Sohn.
Lilia sagt: "Die Schwestern haben uns Werte vermittelt und die Liebe zu Gott. Das ist das Fundament, um zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und sich auf ein ehrliches Leben auszurichten, trotz schwieriger Umstände."

Die 7-köpfige Familie von Nancy und Emilse gerät in große Schwierigkeiten, als bei ihrem Vater ein Gehirntumor diagnostiziert wird und er die Familie nicht mehr ernähren kann. Die beiden Mädchen haben das Glück, einen Platz im Internat Andres Fey zu bekommen. Sie sind 12 und 7 Jahre alt, als ihr Vater stirbt und die Mutter die Familie alleine durchbringen muss. Auch dank der Hilfe aus Deutschland legen beide ihr Abitur ab. Emilse studiert später Systemingenieurin und arbeitet heute in einer Firma als Beraterin. Nancy wird Grafikdesignerin und arbeitet nun in diesem Beruf.
Nancy und Emilse sagen: "Unsere Zeit im Internat war eine großartige Erfahrung. Wir wurden von allen gut behandelt und geleitet. Wir bekamen gutes Essen, Unterkunft und Hilfe beim Lernen. Die Werte, die uns vermittelt wurden, helfen uns heute in der Gesellschaft, unsere Berufe professionell auszuüben."

Sandra war 6 Jahre alt, als sie in die Obhut der Schwestern kam. Ihre Mutter war alleinerziehend und musste fern von zu Hause den Unterhalt tUr die Familie verdienen. Nach dem Abitur verließ Sandra das Internat und arbeitet heute als Finanzverwalterin der Universität Piloto Kolumbien in Bogota. Seit 12 Jahren lebt sie glücklich mit ihrem Mann, einem Sohn und einer Tochter zusammen.
Sandra sagt: ,,Die Schwestern waren wie meine Mutter, als sie mir ihre Liebe nur aus der Feme geben konnte. Die Erziehung und die Werte, die• ich erhalten habe, spiegeln sich heute in meiner Familie wider. Meine 6-jährige Tochter kommt jetzt, genau wie ich in diesem Alter, zu den Schwestern. Ich weiß, dass sie in den besten Händen sein wird. (...) Die Arbeit der Schwestern und so vieler Menschen in Deutschland lohnt sich; sie bemühen sich um die Bildung von so vielen Mädchen, die die Zukunft unseres Landes sind. Dank ihrer Arbeit tragen sie dazu bei, dass inmitten von so viel Gewalt und fehlendem Interesse der Gesellschaft Menschen mit Werten heranwachsen, die kostbar und wichtig sind für diese Gesellschaft und für die Zukunft Kolumbiens."

Wir bitten Sie sehr herzlich, weiterhin dazu beizutragen, dass noch vielen Mädchen und Jungen aus schwierigen Verhältnissen in Bogota, Monterredondo und Pereira die Chance gegeben werden kann, "dem Elend zu entkommen"!