Schmuckband Kreuzgang

Nachdenken über Kirche und Welt

Datum:
Mi. 23. März 2022
Von:
Pfr. em. Kurt Sohns

Der Pfarrgemeinderat (PGR), der aus gewählten Frauen und Männern besteht, hat die Aufgabe, an der Gestaltung der Gemeinde mitzuwirken. Das heißt, er hat zu verhindern, dass eine Gemeinde als müde Gemeinde dahinlebt. Die einzelnen Sitzungen sind offen für Interessierte. Die einzelnen Mitglieder des Gemeinderats übernehmen je nach Fähigkeit gewöhnlich einen Schwerpunkt der Gemeinde, zum Beispiel die Ökumene mit dem Anliegen, dass auch evangelische Frauen und Männer die Eucharistie mit uns feiern können. Viele tun es aus eigener Entscheidung, auch wenn es (noch) gegen die Vorschrift der Kirchenleitung geschieht. Sie fühlen sich durch die Worte Jesu dazu ermutigt: All denen die um der Apostel Worte willen an ihn glauben, sollen eins sein, so wie er in Eins mit dem Vater ist. Was dabei auf dem Spiel steht?: „Damit die Welt glaube, dass DU mich gesandt hast“ (Joh 17,20-21). 

Ich nenne noch ein Beispiel, das deutlich macht, dass in der Gemeinde durch den Pfarrgemeinderat als wichtiges Anliegen für die Zukunft der Kirche erkannt und bejaht werden muss: Frauen können zu Priesterinnen geweiht werden. In der vorletzten Sitzung des PGR habe ich darauf hingewiesen: Jesus hat nach dem letzten Abendmahl den Jüngern aufgetragen.: „Tut dies zur Er- Innerung an mich!“ Heute gibt es schon viele Gemeinden, in denen nur noch wenig Eucharistie gefeiert wird. Das Immer-weniger darf von den Priestern nicht stillschweigend hingenommen werden und auch nicht von den Gemeinderäten. So ähnlich habe ich es in der genannten Sitzung angesprochen. Ich füge jetzt noch dazu: Jesus hat beim letzten Abendmahl im Symbol des Brotteilens und in seiner Deutung „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. - Das ist mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird“ das vielleicht wichtigste Tun aufgezeigt, damit wir die Liebe leben. Wir waren in der genannten PGR-Sitzung eine kleine Gruppe. Ich habe mich über Zustimmung gefreut. Wir haben in der Kirche, in der Gemeinde, im Pfarrgemeinderat mehr zu tun, als das, was die Kirchenleitung vorgibt. Unser Papst hat es ausgesprochen und uns damit angesprochen. „Die Herde selbst besitzt ihren Spürsinn, um neue Wege zu finden.“ Das ist ein in der Kirche ungewohntes, aber wertvolles Wort. Im Blick auf die Frauenfrage empfehle ich das Buch >>Weil Gott es so will<<, in dem Philippa Rath OSB veröffentlicht, was 150 Frauen erzählen von ihrer Berufung zur Diakonin und Priesterin. 

Dass Jesus eine Kirche will, die nicht erstarrt an dem Gewohnten, dafür spricht sein kritisches Wort an die Erstarrten: „Ihr Heuchler! Das Gesicht der Erde und des Himmels wisst ihr zu prüfen, diese Zeit aber – wie kommt es, dass ihr die nicht zu prüfen wisst?“ (Lk 12,56). Ähnlich heißt es im Matthäus-Evangelium: „Die Zeichen der Zeit wisst ihr nicht zu deuten“ (16,3). Goethe könnte dazu die Verse aus seinem Gedicht EINS UND ALLES geschrieben haben: „Es soll sich regen, schaffend handeln,/ Erst sich gestalten, dann verwandeln;/ Nur scheinbar steht’s Momente still./ Das Ewige regt sich fort in allen,/ Denn alles muss in Nichts zerfallen,/ Wenn es im Sein beharren will.“

Wir alle befinden uns in einer Situation, die uns erschrecken lässt. Sie ist jetzt schon lange Zeit geprägt durch Corona, augenblicklich aber noch mehr durch den Krieg, den Putin begonnen hat und mit ungemeiner Brutalität führt. Es ist ein gutes Zeichen, dass die vielen Flüchtlinge gut aufgenommen werden und dass viele von uns durch Geldspenden helfen und die Opfer Mitmenschlichkeit lassen. Nicht zu vergessen, so zeigt es sich, ist unser Beten, sind es Gottesdienste. Je inniger wir beten, umso mehr begreifen wir, dass unser gesamter Lebensstil sozialer werden muss, damit die Voraussetzungen gegeben werden, die notwendig sind für die Verwirklichung des Friedens. Am Mittwoch haben wir in der Frühschicht das wertvolle Gebet für den wahren Frieden gebetet: „Gib uns deinen befremdlichen Frieden, Herr, der mitten im Kampf aufblüht wie eine Blume aus Feuer, der die dunkle Nacht durchbricht, wie ein heimliches Lied, der mitten im Tod eintrifft wie die ersehnte Umarmung.“ Das Gedicht ist geschrieben von dem brasilianischen Bischof Casaldaliga, der für die Gerechtigkeit, für die Menschenrechte, für den Frieden eingetreten ist mit der Bereitschaft, dafür sein Leben einzusetzen. Wir können dankbar sein, dass es diese Menschen gibt. Sie können uns ermutigen, unsere Schritte zur Verwirklichung des Lebens zu tun.

Kurt Sohns