Schmuckband Kreuzgang

Öffentliche Gottesdienste in St. Antonius – jedoch ohne Eucharistie

Die Messe feiern (c) Pfarrbriefservice
Die Messe feiern
Fr 8. Mai 2020
Dagmar Maus

In der Pfarrei St. Antonius hat sich das Seelsorgeteam dazu entschieden, in Zeiten der Teilnehmerbeschränkungen bei öffentlichen Gottesdiensten, auf die Feier der Eucharistie und damit verbundene Kommunionspendung zu verzichten. Das hat mehrere Gründe:

Hygiene und Praktikabilität

Gerade die Kommunionspendung stellt unter den Aspekten der derzeit geltenden, strengen Hygieneauflagen einen besonders heiklen und sensiblen Punkt dar. Darauf weist das Bistum Mainz in seiner Dienstanweisung eigens hin. Durch das Reichen der Hostien kann der Mindestabstand nicht eingehalten werden. Zudem ist unsere Kirche klein und die Durchgänge sind eng. Ein Hinzutreten zur Kommunion unter Beachtung der vorgeschriebenen Abstände ist nur schwer realisierbar.

 

Gelebte Solidarität

Derzeit ist die Teilnehmerzahl am Gottesdienst auf 30 Personen beschränkt. Eine telefonische Anmeldung dazu ist zwingend vorgeschrieben. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Zudem bittet das Bistum Mainz, Personen der Risikogruppe aus Eigenschutz, nicht an Gottesdiensten teilzunehmen. Auch wenn explizit niemand ausgeschlossen wird, entsteht dadurch eine zweite Vorauswahl Gläubiger, die sonst selbstverständlich und gerne teilgenommen hätten.

Beide Aspekte, die Beschränkung der Teilnehmerzahl und die Selektion durch Risikogruppe, führen zwangsläufig zum Ausschluss vieler Schwestern und Brüder. Gleichzeitig erscheinen diejenigen, die rechtzeitig zum Hörer gegriffen haben oder das Risiko nicht scheuen, privilegiert. Sie dürfen die Kommunion empfangen, während die übrigen weiterhin ausgeschlossen sind. Dabei bräuchten gerade diejenigen besonders der Stärkung durch den Leib des Herrn, die alleine zu Hause sind, die sich berechtigt aus Angst um ihre Gesundheit oder die der anderen separieren. Doch ausgerechnet diese Geschwister können den Leib des Herrn nicht erhalten. Kommunion heißt Gemeinschaft. Alleine die Bezeichnung legt schon nahe, dass ein Ausschluss durch äußere Umstände dem Wesen der Kommunion zuwiderläuft. Zurzeit herrscht nicht Gemeinschaft aller Gläubigen in unseren Kirchen, sondern die die der Privilegierten. Immer wieder taucht in der Kirchengeschichte die Idee auf, dass man die Kommunion stellvertretend für jemanden empfangen kann. In diesem Sinne sollten wir stellvertretend für und mit unseren Schwestern und Brüdern verzichten. Der Verzicht ist dann nicht nur ein Zeichen, sondern wirklich gelebte Gemeinschaft, die Solidarität im Verzichten.

 

Würde des Sakraments

Alle vorgeschlagenen Arten, die Kommunion in den Kirchen zu spenden, entsprechen nicht der Würde des Sakramentes. Weder Zange noch Handschuhe erscheinen geeignet, um den Leib des Herrn zu reichen.

Hinzu kommt, dass die Heilige Messe ohne Gesänge und möglichst zügig gefeiert werden soll, damit sich die Menschen nicht lange in geschlossenen Räumen aufhalten. Dabei lebt die Liturgie gerade von der Teilnahme der Gläubigen durch ihren Gesang und die Andacht, die entsteht, wenn die Riten in Ruhe und Besinnung vollzogen werden. Eine schnell abgehaltene Messe ohne Gesang und mit Gläubigen als passive Zuschauer wiederspricht den liturgischen Vorgaben und dem Geist der Liturgie.

 

Persönliche Begegnung mit Jesus Christus

Die Kommunion ist eine wesentliche Weise, unserem Herrn, Jesus Christus, zu begegnen. Es ist jedoch nicht die ausschließliche und einzige. Das zweite Vatikanisch Konzil lehrt, dass Jesus Christus auch in der versammelten Gemeinde und in der Heiligen Schrift präsent ist. Wir begegnen Jesus Christus also auch auf andere Weise.

Leider ist in den vergangenen Jahrzehnten die Gegenwart Jesu Christi in der Kommunion betont worden, während seine Gegenwart im Wort und der versammelten Gemeinde eher vernachlässigt wurde. So kam es - auch in unserer Gemeinde -  zu einem Phänomen, das Prof. Hansjakob Becker so bezeichnet: „Die Kirche leidet an Eucharistitis.“ Damit will er sagen, dass im Bewusstsein vielen Gläubiger nur noch die Messe als einiger Gottesdienst wahrgenommen wird. Man geht nur noch in die Kirche, wenn dort auch die Messe gefeiert wird. Und jeder religiöse Anlass muss mit einer Eucharistie verbunden sein. Dabei kennt die Kirche eine Reihe an Gottesdiensten, die keine Messe sind: Vesper, Laudes, Kreuzwegandacht, Maiandacht, Rosenkranzandacht, Anbetung etc. In den letzten Jahrzehnten entstand also eine Verengung gottesdienstlichen Lebens allein auf die Messe und den Kommunionempfang hin. Der bewusste Verzicht auf die Eucharistie kann unseren Blick weiten und wir können auch andere Gottesdienstformen kennen und schätzen lernen. Es ist die Gelegenheit, die Gegenwart Jesu Christi im Wort und der versammelten Gemeinde zu entdecken und zu erleben.

 

Vor der Pandemie ist nach der Pandemie

Die Umstände, dass kurzzeitig keine Gottesdienste gefeiert werden durften und wir jetzt auf die Eucharistie verzichten, bringt den Lauf des pastoralen Weges für das Bistum Mainz nicht zum Stillstand. Weiterhin bereiten wir uns auf massive Einschnitte in Organisation und Leben unseres Bistums vor. Aus 18 eigenständigen Pfarreien im Dekanat Darmstadt sollen ab dem Jahr 2021 3 Pfarreien entstehen. Dass dies auch mit Einschnitten in die gewohnte Gottesdienstpraxis einhergeht, verwundert also nicht. Kurzum: auf nahe Zukunft hin werden sich die Gemieden in unserem Dekanat darauf einstellen müssen, dass sie nicht mehr in dieser Häufigkeit und Selbstverständlichkeit die Eucharistie werden feiern können, wie bis jetzt.

 

Pfarrer Christoph Nowak