Schmuckband Kreuzgang

Stellungnahme

zur Segnung Homosexueller Paare in der Katholischen Kirche

Segen von Herzen (c) Unbekannt
Segen von Herzen
Datum:
Fr. 19. März 2021
Von:
Dagmar Maus

Zum Schreiben der römischen Glaubenskongregation über die Segnung homosexueller Paare, das am 15. März 2021 veröffentlicht wurde, nehmen wir als Seelsorgeteam der Katholischen Kirche in Pfungstadt wie folgt Stellung:

Die Äußerung der römischen Glaubenskongregation haben wir mit Erschrecken und größtem Bedauern wahrgenommen. Wir distanzieren uns von ihrem Inhalt und schämen uns für die dort getroffenen Aussagen, die für homosexuelle Menschen eine Demütigung und Ausgrenzung darstellen. 

Das Schreiben der Glaubenskongregation verstärkt in uns die Sorge, dass sich die Kirche in der heutigen Welt immer mehr ins Abseits stellt und aufgrund von eigenem Versagen fast keine Chance mehr hat, die lebensbejahende Botschaft des Evangeliums zu verkünden. Das II. Vatikanische Konzil hat der Kirche in der pastoralen Konstitution “Gaudium et spes” ins Stammbuch geschrieben: “Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute (…) sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.” (GS 1) Diesen Grundsatz sehen wir mit der neuerlichen Äußerung des Vatikans nicht vereinbar. Im Gegenteil: sie läuft der Aussage des Konzils zuwider. 

Wir sehen unsere pastorale Arbeit von dem Schreiben der Glaubenskongregation, aber auch von anderen Fehlern, die sich in jüngster Vergangenheit häufen (Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum Köln, Ablehnung des Flächentarifvertrages für Pflegekräfte durch die Caritas u.v.m.), massiv untergraben. 

Das Schreiben beansprucht, den derzeitigen Stand der Glaubenslehre wiederzugeben. Nach unserer Meinung vermittelt es aber nicht den heutigen Stand der Theologie sowie der Sozial- und Humanwissenschaften.

Uns stellt sich die Frage: Mit welchem Recht behaupten römische Würdenträger, die Kirche sei in der Lage, Gott Vorschriften zu machen, für wen sein Segen Geltung habe und für wen nicht? Eine Kirche, die sich anmaßt, den Segen Gottes einschränken zu können und von sich behauptet, keine Vollmacht zum Segnen aller Menschen zu haben, muss sich fragen, wozu sie da ist.

Die römische Glaubenskongregation argumentiert, dass die Segnung homosexueller Verbindungen nicht möglich sei, da diese Partnerschaften keine natürlichen Möglichkeiten zur Zeugung von Nachkommenschaft haben. Die Schlussfolgerung ist, dass solche Partnerschaften wider die Natur sind.

Ist es wider die Natur, wenn zwei Menschen sich lieben und sich diese Partnerschaft auf Treue, gegenseitiges Wohl und Beständigkeit beruft? Ist es nicht vielmehr ein Geschenk Gottes, der das Leben in Fülle für uns will, wie es Jesus selbst gesagt hat (vgl. Joh 10,10)? Bleibt man auf dem argumentativen Niveau des Schreibens, muss auch die zölibatäre Lebensweise der Priester als widernatürlich und sündhaft bewertet werden, weil sie per se die Zeugung von Nachkommenschaft ausschließt.

Wir sind der Meinung, dass ohne Gott nichts sein kann. Deshalb ist auch die gleichgeschlechtliche Liebe zweier Menschen ein Werk Gottes und steht somit unter seinem Segen. 

Daher widersprechen wir dem vatikanischen Schreiben vom 15. März 2021. Wir stehen für eine Kirche, in der auch Homosexuelle und Transgender ihren Platz haben. Wir heißen alle in unserer Gemeinde willkommen und werden allen Menschen wertschätzend begegnen. Im kirchlichen Alltag segnen wir Wohnungen, Fahrzeuge und allerlei andere Gegenstände – zuletzt sogar die Spielgeräte auf dem Kindergartengelände von St. Hedwig. Wie könnten wir da zwei Menschen, die sich lieben, den Segen verweigern? Wir werden daher allen Menschen, die uns danach fragen, den Segen Gottes zusagen. Dazu sind wir von Gott in seinen Dienst gestellt.

Pfarrer Christoph Nowak und Gemeindereferentin Hiltrud Beckenkamp