Schmuckband Kreuzgang

Evangelium und Predigt am 5. Sonntag der Osterzeit 2020  

Jesus der Architekt

(c) Pfr. Winter
So 10. Mai 2020
Daniel Braun

Evangelium                                            Joh 14,1–12

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
1Euer Herz lasse sich nicht verwirren.
Glaubt an Gott
und glaubt an mich!
2Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.
Wenn es nicht so wäre,
hätte ich euch dann gesagt:
Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?
3Wenn ich gegangen bin
und einen Platz für euch vorbereitet habe,
komme ich wieder
und werde euch zu mir holen,
damit auch ihr dort seid, wo ich bin.
4Und wohin ich gehe –
den Weg dorthin kennt ihr.
5Thomas sagte zu ihm:
Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst.
Wie können wir dann den Weg kennen?
6Jesus sagte zu ihm:
Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben;
niemand kommt zum Vater
außer durch mich.
7Wenn ihr mich erkannt habt,
werdet ihr auch meinen Vater erkennen.
Schon jetzt kennt ihr ihn
und habt ihn gesehen.
8Philíppus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater;
das genügt uns.
9Jesus sagte zu ihm:
Schon so lange bin ich bei euch
und du hast mich nicht erkannt, Philíppus?
Wer mich gesehen hat,
hat den Vater gesehen.
Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater?
10Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin
und dass der Vater in mir ist?
Die Worte, die ich zu euch sage,
habe ich nicht aus mir selbst.
Der Vater, der in mir bleibt,
vollbringt seine Werke.
11Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin
und dass der Vater in mir ist;
wenn nicht,
dann glaubt aufgrund eben dieser Werke!
12Amen, amen, ich sage euch:
Wer an mich glaubt,
wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen
und er wird noch größere als diese vollbringen,
denn ich gehe zum Vater.

 

Predigt:        „Jesus der Architekt“ (Joh 14,1-12)

Liebe Schwestern und Brüder,                                                                                                   

"Dreimal umgezogen, das ist wie einmal abgebrannt!"  so sagt es ein Sprichwort.
Und als unmittelbar Betroffener kann ich da nur sagen: da steckt eine ganze Menge Wahrheit drin. Ein Umzug kann schon auch Bauchschmerzen bereiten! Viele von Ihnen haben das sicher selbst schon am eigenen Leib verspürt, und alle anderen müssen sich nur einmal vorstellen, was das heißt, alles, was man besitzt, was sich so im Laufe der Jahre angesammelt hat, in Schachteln zu verpacken und an einen anderen Ort zu transportieren. Ein Umzug, ganz egal ob ein kleiner oder ein großer, so ein Umzug, das ist eine Tortur. Und jemand, der vor solch einem Gewaltakt kein komisches Gefühl hätte, den kann ich mir eigentlich gar nicht vorstellen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, denen ein Umzug keinen Druck bereitet, die auch keine Angst davor haben, ob da auch wirklich alles gut geht, die schönsten Stücke nicht etwa zu Bruch gehen, die Wohnung zum ausgemachten Zeitpunkt auch wirklich fertig wird usw.                                                      
Ich kann's mir kaum vorstellen, dass es Leute geben soll, denen all dies nicht so manche schlaflose Nacht bereiten würde. Umziehen tut man einfach nicht gerne.                                                    
Das ist vielmehr eines von diesen notwendigen Übeln, an die man am liebsten überhaupt nicht denken möchte. Ein notwendiges Übel, um das man halt ab und an nicht einfach drumherum kommt. Mittlerweile verstehe ich das ganz gut.

Und ich verstehe deshalb auch, was Jesus wohl damit sagen möchte, wenn er im heutigen Evangelium vom Umziehen spricht. Das ist mir früher so gar nicht aufgefallen,                                  
aber Jesus vergleicht ja in dieser Stelle, die wir gerade eben gehört haben,                                                     
das Sterben, den Tod des Menschen, tatsächlich mit einem Umzug! Er spricht davon,                                                                                 
dass er uns vorausgeht, dass er hingeht, um eine Wohnung zu bereiten, um uns im Hause seines Vaters eine Wohnung einzurichten. Und in diese Wohnung sollen wir dann einziehen, wenn sie fertig ist, dann sollen wir ihm dorthin folgen, in diese neue Wohnung umziehen. Sterben, ist für Jesus: offensichtlich so etwas wie Umziehen.

Ich finde das echt großartig, denn dieses Bild zeugt für mich von einer ganz großen Menschenkenntnis. Jesus weiß offensichtlich ganz genau, dass ein Wohnungswechsel für uns Menschen absolut nichts Schönes ist. Ja, er weiß darum, dass uns so etwas Druck und Bauchschmerzen bereitet. Und wenn er vom Sterben im Bild vom Umzug spricht, dann nimmt er offensichtlich ganz deutlich zur Kenntnis, dass wir Angst haben,                                                                            
dass uns unser Sterben und unser Tod Angst macht. Gott weiß sehr wohl darum,                                                         
dass auch für uns Christen der Tod, ein unschönes und trauriges Erleben ist!

Es stimmt also nicht, wenn manche sagen, die Christen, die müssten doch freudig auf den Tod zugehen. Christen haben schließlich eine Hoffnung, und deshalb müssten sie sich doch auf das Jenseits freuen, deshalb dürften sie doch keine Angst vor dem Sterben haben. Das stimmt offensichtlich nicht so ganz! Christus weiß darum, was Sterben für uns Menschen bedeutet.

Sicherlich fasziniert uns die Botschaft vom neuen Leben, das uns Christus bereitet,                                                                      
die Botschaft vom Reich Gottes, diesem Ort, wo es dann kein Leid und keinen Schmerz mehr geben wird. Aber der Gedanke, dass wir zuvor sterben werden, dass wir davor durch den Tod wie durch solch einen Umzug hindurchgehen müssen, dieser Gedanke,                                                                                             
der wird Menschen immer Furcht und Entsetzen einflößen. Und das ist doch auch ganz normal, das ist kein Zeichen von schwachem Glauben, das gehört zu uns Menschen dazu, und Jesus weiß darum. Diese Furcht kann auch er uns im Letzten nicht ganz wegnehmen.

Ich hab den Eindruck, dass er aber weiß, was uns bei all diesen Ängsten noch am ehesten hilft. Und genau das versucht er seinen Jüngern im heutigen Evangelium deutlich zu machen. Denn wenn es um einen Wohnungswechsel geht, dann ist noch am ehesten hilfreich, wenn man darum weiß, dass die Handwerker, die das neue Zuhause herrichten, dass die zuverlässig sind, dass man sich wirklich auf sie verlassen kann. Und wenn es um einen Wohnungswechsel geht, dann ist es äußerst hilfreich,
wenn man darum weiß, dass das ganze Projekt in der Hand eines guten Architekten ruht. Das nimmt einem nicht die Angst vor dem Umzug, aber es beruhigt ungemein,                                                                                
es lässt einen gelassener, ja - etwas ruhiger in diese ungewisse Zukunft blicken.

Und darum weiß Jesus sehr wohl! Er weiß darum, dass er uns die Angst vor dem Sterben im letzten nie ganz nehmen kann. Aber er macht uns deshalb ganz besonders deutlich: Das mit der neuen Wohnung, das mit eurem neuen Zuhause, das geht in Ordnung! Vertraut darauf, dass da mit Sicherheit nichts schief gehen wird. Denn dieses neue Zuhause, das liegt in der Hand eines guten Architekten!

Jesus selbst ist dieser Architekt. Er ist der Architekt dieses neuen Lebens. Er selbst geht hin, um für uns dieses neue Zuhause beim Vater zu schaffen. Und selbst wenn uns der Umzug dorthin, wenn uns das Sterben eine noch so große Gänsehaut bereitet.                                                                                            
Auf dieses neue Zuhause, darauf dürfen wir uns freuen, denn davon können wir ausgehen, bei diesem Architekten, wenn Jesus selbst die Planung übernommen hat,                                          
wenn Gott selbst die Bauaufsicht führt, dann kann da wirklich am Ende absolut nichts schief gehen. Amen.