Schmuckband Kreuzgang

Corona-Pandemie ändert den Blick auf die Fastenzeit

Ausgelöst durch die Ausbreitung des Corona - Virus musste unser geplanter Themengottesdienst mit dem Titel :" Es reist sich besser mit leichtem Gepäck", abgesagt werden. Das Thema unseres Gottesdienstes wurde von der Pandemie im wahrsten Sinne des Wortes überholt.

(c) Peter Weidemann
Mi 25. Mär 2020
Liturgieausschuss

Die Tragweite des Themas ist mir erst jetzt richtig klar geworden. Was muss alles mit, auf welches Gepäck kann ich verzichten. Freiwillig hätte ich natürlich auf das verzichtet, was mir nicht besonders weh tut. Vielleicht auf Wurst und Fleisch, weil ich das eh nicht so gerne esse. Auf Autofahren, weil Fahrradfahren sowieso mehr Spaß macht. Kleiderschrank ausmisten, weil mir die Sachen schon lange nicht mehr passen etc.

Die Realität hat uns überrollt. Ein Virus beherrscht unseren Alltag. Es liegt nicht mehr in unserem Ermessen, auf was wir verzichten können, sondern es wird uns genommen. Jetzt tut der Verzicht weh. Vor allem die Einschränkung unserer Freiheit. Für mich sind es das Fehlen der sozialen Kontakte, die mich am härtesten Treffen. Wir müssen Abstand voneinander halten. Keine Schwätzchen mehr beim Einkauf. Keine Verabredungen zum Frühstück. Nicht einmal meine 90jährige Mutter darf ich besuchen, damit ich sie nicht gefährde. Meine Enkel kann ich nur per Skype oder durch die Windschutzseite sehen, damit sie uns nicht gefährden. Die Gemeinschaft mit anderen Menschen vermisse ich schmerzlich  und die körperlichen Berührungen mit meinen Liebsten fehlen mir sehr. 

Ein leeres Regal im Supermarkt versetzt uns schon fast in Panik. „Es gibt ja gar nichts mehr“, höre ich einen Kunden sagen. Das stimmt so nicht. Es ist vielleicht manches vergriffen, weil die Angst vor der drohenden Entbehrung der gewohnten Dinge einige Mitmenschen zu Hamsterkäufen treibt. Aber das Notwendige ist da. Das Einkaufen wird zur heroischen Aktion. Mein Mann übernimmt es. Er zieht seinen Schal bis über die Nase, wenn er auf Menschen trifft. Nach dem Einkauf kontrolliere ich, dass er seine Hände gewissenhaft wäscht. Wir gehen im Feld spazieren, alle Spaziergänger, denen wir begegnen, machen einen großen Bogen umeinander, aber grüßen freundlich. Ein paar Worte werden Bekannten laut auf Distanz zugerufen. Die Situation ist irreal. Deshalb ist es am Anfang auch vielen schwer gefallen, den Ernst der Einschränkungen zu begreifen. Das Virus entzieht sich unserer Wahrnehmung und doch ist es verheerend in seinen Auswirkungen. 

Ich frage mich, worin besteht denn der Gewinn (die andere Seite der Verzichtsmedaille)  aus all diesen Verzichten, die uns jetzt abverlangt werden. Der Terminkalender ist leer. Shoppen geht auch nicht. Sportstudio und Schwimmbad geschlossen, Frisör zu. Wir gewinnen auf jeden Fall eine Menge freie Zeit. Diese freie Zeit schafft Freiraum für neue Erfahrungen.  Zeit zum Nachdenken. Zeit zum Lesen oder Zeit um all das zu tun, was wir schon lange vor uns herschieben. Ich nehme mir Zeit für Reflexion. Es muss über vieles nachgedacht werden. Das Leben entschleunigt sich. Der Hintergrundlärm, dem wir tagtäglich ausgesetzt sind, vermindert sich. Die Luft wird reiner, die Hilfsbereitschaft größer, der Umgangston empathischer, das Geschwätz der Populisten leiser, es interessiert in dieser Situation niemanden. Aus unserer illusorischen Gewissheit heraus, dass immer alles so weitergeht wie wir es gewohnt sind, haben wir das eigentlich Wichtige vergessen. Jetzt ist die Zeit, es zu suchen. „Was ist MIR wichtig im Leben?“ 

Wir hatten für unseren Gottesdienst als Lesung den 1. Brief an die  Korinther gewählt. 

Um dem „verzichten müssen“  zu begegnen, ist die Lebensweise, die Paulus beschreibt, ein Weg, der in die Freiheit führt. Binde Dich an nichts, denn es könnte Dir morgen schon genommen werden. Dieses leben „als ob nicht“ schenkt eine neue Unabhängigkeit.  Wenn ich an etwas hänge, enge ich mich ein. Diese Haltung verhindert Entwicklung. Der Text spiegelt das Wissen darum, dass wir sterblich sind, unser Leben aus Gottes Hand empfangen und auch wieder in Gottes Hand zurücklegen. Wir sollen uns an nichts binden. Damit bleiben wir flexibel um auf Ereignisse und Anforderungen reagieren zu können.

1. Korinther 7,29-31

Die Zeit ist kurz. Auch sollen die, die Frauen haben, sein als hätten sie keine; und die weinen, als weinten sie nicht; und die sich freuen, als freuten sie sich  nicht; und die kaufen, als behielten sie es nicht; Und die diese Welt gebrauchen, als brauchten sie sie nicht. Denn das Wesen dieser Welt vergeht.  

 

Wenn Sie Ihre Gedanken zu diesem Bibeltext mit uns teilen möchten, schreiben Sie an unser Pfarrbüro. 

 

Ein Beitrag des Liturgieausschuss 25.03.2020