Schmuckband Kreuzgang

Sakramente – Zeichen der Nähe Gottes mit den Menschen

Fr 8. Mai 2020
Andrea Witzel

Die Sakramente sind „Zeichen der Nähe Gottes“ (Theodor Schneider). Durch sie erfahren wir– an bestimmten Zeitpunkten oder immer wieder – Gottes heilsame Gegenwart auf unseren Lebensweg. Wir feiern die Sakramente im Gottesdienst unter Worten und sinnenfälligen Zeichen. Gerade letztere sind jedoch derzeit weitgehend unmöglich. Wie die Maßnahmen zur Vermeidung von Ansteckungen im Bereich des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens insgesamt, gelten auch für unsere Gottesdienste Einschränkungen, die darauf zielen Nähe und Kontakt zu vermeiden.

Warum kann derzeit die Taufe nicht gefeirt werden?

Im Taufgottesdienst sind vielfältige Zeichen vorgesehen, die der Nähe oder direktem Kontakt bedürfen. Nach der Eröffnung wird der Täufling durch den Taufspender mit einem Kreuz auf die Stirn bezeichnet; Eltern, Paten und Geschwister können dies auch tun. Nach den Lesungen aus der Heiligen Schrift und einem Gebet, bei dem der Taufspender die Hände über den Täufling ausbreitet, folgt die Salbung mit Katechumenen-Öl oder die Handauflegung in Verbindung mit einem Gebet. Für die Taufspendung versammelt sich die Taufgemeinde um das Taufbecken, wo der Täufling durch Untertauchen oder dreimaliges Übergießen mit Wasser getauft. Die nachfolgenden ausdeutenden Riten sind: eine Salbung mit Chrisam-Öl auf den Scheitel des Täuflings, das Anziehen des weißen Taufkleids und die Übergabe der Taufkerze, die an der Osterkerze entzündet wird. Es kann sich der Effata-Ritus anschließen, bei dem der Taufspender Ohren und Mund berührt. – Nur Taufen in existenzbedrohenden Notfällen sind derzeit möglich.

Warum kann derzeit die Erstkommunion nicht gefeiert werden?

Bei der Erstkommunion empfangen Kinder zum ersten Mal die Eucharistie. Nach einer Zeit intensiver Vorbereitung gemeinsam mit anderen Kindern ist dieser Gottesdienst auch für die ganze Familie ein besonderer Anlass. Die festliche Messfeier, oft von den Kindern, Eltern, Paten mitgestaltet, steht ganz im Zeichen der Gemeinschaft (Communio). Die Kinder tragen eine Kerze und ziehen zusammen in die Kirche ein. Während des Gottesdienstes sitzen sie im Chorraum oder den ersten Bänken. Zum Taufgedächtnis stehen sie zusammen vorne. Zum Vaterunser und dem folgenden Kommunionempfang kommen die Kinder, wo es möglich ist, ebenfalls vorne zusammen und umstehen mit dem Priester und den liturgischen Diensten den Altar. Beim Vaterunser reichen sie sich die Hände und geben danach einander das Friedenszeichen. Die Eucharistie, idealerweise ein Stück der für alle geteilten großen Brothostien, empfangen sie in die Hand. – Auch für die Erstkommunion müssen die derzeit geltenden Beschränkungen und Hygiene-Maßnahmen eingehalten werden (vgl. die Dienstanweisung des Generalvikars vom 30.04.2020). Eine dem festlichen Anlass angemessene gemeinschaftliche Feier der Messe ist nicht möglich.

 

Warum kann derzeit die Firmung nicht gefeiert werden?

Die Firmung wird in der Regel in der Messfeier durch den Bischof oder einen Vertreter gespendet. Für die Messfeier sind auch hier die entsprechenden Regelungen einzuhalten. Nach Wortgottesdienst und Predigt werden die Firmlinge vielerorts aufgerufen, um sich als Gruppe im Chorraum zu versammeln. Bei der Firmspendung werden die Firmlinge von ihren Firmpatinnen und -paten begleitet: Wer den Firmling zum Bischof geleitet hat, legt seine rechte Hand auf die Schulter des Firmlings und nennt dessen Namen oder der Firmling nennt ihn selbst. Die anschließende Firmung erfolgt durch Gebet und die Salbung mit Chrisam-Öl auf die Stirn jedes Firmlings. Im Verlauf der Messfeier beteiligen sich die Firmlinge, indem sie sich z.B. musikalisch einbringen oder bei der Gabenbereitung mitwirken. – Die Firmspendung ohne den Kontakt bei der Salbung ist nicht möglich.

 

Warum kann derzeit keine Trauung gefeiert werden?

Im festlichen Traugottesdienst sind mehrere Zeichen vorgesehen, die Nähe oder direkten Kontakt erfordern. Zu Beginn werden Brautpaar, Trauzeugen und ggf. auch Hochzeitsgäste an der Kirchentür empfangen. Der Zelebrant kann ihnen für ein Taufgedächtnis Weihwasser reichen. Im Verlauf des Gottesdienstes treten die Trauzeugen zum Brautpaar. Nach der Vermählung mit dem Anstecken der gesegneten Ringe folgt die Bestätigung durch den Zelebranten. Hierzu legt er seine Stola um die ineinandergelegten Hände der Brautleute und legt seine Hand darauf. Es folgt der feierliche Trausegen, bei dem der Zelebrant die Hände auflegt oder über die Brautleute ausbreitet. Das neuvermählte Paar erhält ihre an der Osterkerze entzündete Hochzeitskerze. Am oder nach Ende des Gottesdienstes werden die Trauungsdokumente unterzeichnet. – Der Trauritus lebt von der Dichte seiner Zeichen, die in der aktuellen Situation nicht zum Ausdruck gebracht werden können.

Kann die Krankensalbung gespendet werden?

Ja in besonderen seelsorgerlichen Fällen, da gerade in der derzeitigen Situation diesem Sakrament eine existentielle Bedeutung zukommt. Die Spendung der Krankensalbung erfolgt in der Regel im Rahmen eines Gottesdienstes im kleinen Kreis. Sie ist das Sakrament aller Kranken, ob jung oder alt, in einer bedrohlichen Situation und kann wiederholt empfangen werden. Sie ist nicht den Sterbenden vorbehalten. Sie will vielmehr in Wort und Zeichen den Kranken trösten und Gottes aufrichtende Nähe erfahrbar werden lassen.

Zu Beginn des Gottesdienstes reicht der Priester dem Kranken Weihwasser. Nach einem kurzen Wortgottesdienst folgt das fürbittende Gebet. Hiernach legt der Priester dem Kranken schweigend eine Zeitlang die Hände auf. Die Krankensalbung mit Öl auf Stirn und Hände schließt sich an und wird von deutenden Worten begleitet. – Die Spendung der Krankensalbung ist unter den aktuellen Gegebenheiten von großer Bedeutung und kann Menschen in einer existenziellen Notsituation helfen. Sie bleibt deshalb grundsätzlich möglich (vgl. dazu und zur Krankenkommunion die Dienstanweisung des Generalvikars vom

30.04.2020, Nr. 7).

 

Kann das Sakrament der Versöhnung empfangen werden?

Ja, aber die Beichte ist nicht im Beichtstuhl oder kleinen Beichtzimmern möglich. Die Beichteist nur unter Beachtung des Mindestabstandes sowie der Hygienevorschriften und nach Terminabsprache möglich (vgl. die Dienstanweisung des Generalvikars vom 30.04.2020, Nr. 40). 04.05.2020, T.D.