Schmuckband Kreuzgang

Durchkreuzt 24

Haltung

Rom, U-Bahn Station Termini (c) Ronald Ashley Givens
Rom, U-Bahn Station Termini
So, 7. Apr 2019
Ronald Givens

In der Erzählung über Jesus und die Pharisäer, die ihm eine Ehebrecherin am frühen Morgen vor die Füße werfen, schaue ich auf die Haltungen, die Jesus in diesem Evangelium einnimmt.

Es beginnt damit, dass er sich im Tempel hinsetzt, um das Volk zu lehren. Jesus wirft als Lehrer keinen Schatten auf die Menschen, die ihm zuhören. Mit seiner Weisheit, mit seinem Glauben, mit seinen Einsichten stellt er die anderen nicht in den Schatten, sondern er setzt sich zu ihnen auf Augenhöhe. Es gibt so viele Situationen in unserem Leben, da müssen wir aufschauen, als Kinder, als Schüler, im Krankenbett, als Untergebene, als Angestellt, als Arme….Wenn Gott uns etwas zusprechen möchte, dann kommt es nicht von oben herab, er spricht auf Augenhöhe, auf Herzensempfang.

Plötzlich ist er umringt von den Pharisäern und Schriftgelehrten. Sie stellen ihm eine Falle. Ihre Frage dient nur dazu ihn zu bedrängen. Jetzt soll er antworten, ihnen sich verantworten. Da bückt sich Jesus. Er macht sich klein. Er widersetzt sich ihrem Tempo, indem er sich herausnimmt. Er erdet sich, um sein Tempo zu finden, um zu hören was sein Herz ihm sagt. Ich muss nicht auf jede mail sofort antworten. Ich muss in einer Diskussion nicht sofort antworten. Jesus lädt ein sich herauszunehmen, bis ich für mich geklärt habe: was möchte ich und was möchte ich nicht. Er wird souverän in dem er sich klein macht, sein Tempo nicht durch-kreuzen lässt vom Druck, den die anderen ausüben.

Die nächsten beiden Haltungen Jesu bilden eine Einheit. Er steht auf und nimmt mit seiner Antwort einen Standpunkt ein. Er steht zu dem was er sagt. Danach aber macht er sich selbst wieder klein. Er will nicht im Wege stehen, wenn die anderen sich mit seinem Standpunkt auseinandersetzen. Er braucht nicht den Triumph oder den Sieg, er öffnet ihnen einen Ausweg, indem er sich klein macht. Sie können gehen ohne das Gesicht zu verlieren. Die Sache ist ihm wichtig, nicht seine Person oder sein Rechthaben. Er hat einen Standpunkt in der Sache, nicht sein Ich ist wichtig, sondern auch das Du seiner Gegner, die so wieder zurückfinden zu sich selbst und nicht gefangen bleiben in ihrem Fallenstellen.

Schließlich ist er allein, mit der Frau. Ihr Leben ist durch-kreuzt. Jetzt steht Jesus bei ihr. Seine ganze Haltung sagt: Ich möchte Dich aufrichten, indem ich zu dir und deinem Leben stehe. Auch zu dem was da an diesem Morgen ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt wurde. Ich stehe zu Dir und ich traue Dir einen Neuanfang zu, der Deiner Sehnsucht, deiner Würde  entspricht.

Jesus lässt sie gehen. Er traut ihr einen Neuanfang zu, der geprägt ist von einer Haltung, die nicht heimlich und ihrer unwürdig ist, sondern von dem Wissen: Gott steht auch zu einem durch-kreuzten Leben. Er lädt mich ein so zu lieben und zu leben, dass ich mich nicht verbiege für etwas, zu dem ich im Licht eines neuen Morgens nicht stehen kann.