Schmuckband Kreuzgang

Sicherheitsschleuse

Predigt 21. Sonntag

Flugzeuge auf dem Rollfeld (c) Ronald Ashley Givens
Flugzeuge auf dem Rollfeld
So 25. Aug 2019
Pfarrer Dr. Ronald Givens

Zuerst die Jacke oder den Mantel. Dann den Rucksack oder die Tasche. Schließlich Schlüssel, Geldbeutel, Handy. Manchmal noch den Gürtel. Alles muss in eine graue Plastikwanne gelegt werden. Dann der Schritt durch die Sicherheitsschleuse. Arme hochheben. Hoffentlich piept es nicht.

Wenn Sie schon einmal am Flughafen waren, dann kennen sie das. Keiner kommt ins Flugzeug, der nicht auf diese Weise kontrolliert wurde.

Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen.

Am Flughafen wissen wir ganz genau, was wir ablegen müssen um durch die Sicherheitsschleuse zu kommen. Wir klopfen sogar noch einmal extra auf die Hosentaschen um zu prüfen, dass wir auch nichts vergessen haben. Keiner von uns kommt auf die Idee am Flughafen zu sagen: ach was. Ich probiere das einfach mal, ich komm damit schon durch. Wir würden nicht weit kommen.

 

Im Alltag ist es komplizierter. Oft genug sagen wir uns, warum soll ich das ablegen? Warum dieses oder jenes lassen? Das ein oder andere stecken wir uns in die Tasche, nicht weil wir es unbedingt brauchen, sondern wollen. Obwohl das Herz wie wild Alarm schlägt marschieren wir ungeniert weiter.

Tragisch wird es, wenn wir nicht mehr spüren und sehen, dass die Türen sich schließen. Manchmal noch laut, weil der Mensch, der uns liebt, dagegen rebelliert, dass wir Dinge tun oder sagen, die verletzend wie Schusswaffen sind. Mitunter hat einer unserer Freunde noch den Mut uns zu sagen, du hast da ein Messer in der Hand oder auf der Zunge.

Irgendwann schließen sich die Türen leise, weil wir mit dem was wir in uns tragen, mit dem womit wir uns das Herz vollstopfen, dem anderen fremd werden. Nicht selten ist so, dass wir den oder diejenige anschnauzen, die uns sagt, damit kommst du nicht durch die Türe. Aber nach und nach werden aus weiten Türen, enge Türen und irgendwann traurig abgeschlossene Türen.

Es ist sicher eine gute Übung jeden Abend sich hinzustellen und auf das Herz zu klopfen und sich zu fragen, trage ich in meinem Herzen etwas, bei dem sich die enge Tür vor mir verschließt?  Unser Herz ist besser als jede Sicherheitsschleuse. Wenn wir ehrlich sind, dann hören wir ganz genau wenn es piept und uns warnt. Wenn es rot aufleuchtet und uns sagt: damit kommst du nicht durch die enge Tür.

Ich weiß nicht womit ich einmal durch die enge Tür bei Gott kommen werde. Was durchgeht und was nicht. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass das was meinem Nächsten gefährlich war, womit ich mir die Taschen hier vollgestopft habe, dass das bei dem Gott durchgehen wird, der Mensch geworden ist und mir im Nächsten begegnet.

Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen. Amen.

 

Lk 13, 22–30

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.

 

In jener Zeit zog Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte. Da fragte ihn einer:

Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt und ihr draußen steht, an die Tür klopft und ruft: Herr, mach uns auf!, dann wird er euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid.

 

Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben doch in deinem Beisein gegessen und getrunken und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Er aber wird euch erwidern: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein, wenn ihr seht, dass Abraham, Ísaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid.

 

Und sie werden von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Und siehe, da sind Letzte, die werden Erste sein, und da sind Erste, die werden Letzte sein.

Pfarrer Ronald Ashley Givens, Viernheim