Schmuckband Kreuzgang

Vater Unser

Predigt 17. Sonntag

Vater Unser auf einer der Türen der Sagrada Familia Kirche in Barcelona (c) Ronald Ashley Givens
Vater Unser auf einer der Türen der Sagrada Familia Kirche in Barcelona
So 28. Jul 2019
Pfarrer Dr. Ronald Givens

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas

Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat. Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung. (Lk 11)

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Ohne Schuhe sollen sie gehen, um berührbar zu bleiben für die harten Wegstrecken, die der ein oder die andere gehen muss, dem sie von Gott erzählen sollen. Ohne Vorratstasche sollen sie gehen, um die Angst des Tagelöhners zu schmecken, der am Morgen nicht weiß, ob er das tägliche Brot heute erhalten wird. So sollen sie gehen, zu den Menschen. Ohne Schuhe, ohne Vorratstasche, ohne Stecken, ohne zweites Hemd. Was sie mitbekommen? Ein Gebet: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.

In Mutter Courage schildert Berthold Brecht was Jesus gemeint haben könnte, wenn er seine Jünger aussendet und wenn er sie beten lehrt: Die kaiserlichen Truppen wollen die Stadt bei Nacht heimlich überfallen. Den Bauern und Mutter Courage zwingen die Soldaten ihnen die Schleichwege in die Stadt zu zeigen. Ohnmächtig der Gewalt und den Drohungen der Kaiserlichen ausgeliefert, fordert Mutter Courage ihre stumm geborene Tochter Kattrin auf, zu beten. Gott muss auf doch die stumme Tochter erhören. Ihr Gebet muss die Stadt retten. Die Freunde, die Familie, die in der Stadt leben. Die Familie kniet in der Nacht in der Küche nieder und betet. Mutter Courage fordert alle auf:  Betet, dass die Stadt erwachen möge. Betet, dass der Wächter erwacht. Batet, dass man die Gefahr erkennt. Eindringlich und laut beten die Bauersleute. Kattrin aber schleicht sich aus dem Haus. Klettert mit einer Leiter auf das Dach, zieht die Leiter zu sich hinauf und beginnt eine Trommel zu schlagen. Laut und unbeirrbar schlägt sie auf dem Dach die Trommel. Die Bauersleut erschrecken zu Tode. Man wird an ihnen Rache nehmen. Kattrin soll herunterkommen. Sie schlägt stumm die Trommel laut weiter. Die Truppen fordern sie auf herunterzukommen. Sie schlägt die Trommel weiter. Da bekommt ein Fähnrich den Befehl Kattrin vom Dach zu schießen. Er warnt sie, fordert sie auf das Schlagen zu beenden. Kattrin aber trommelt weiter. Da erschießt er sie. Sie stürzt tödlich getroffen vom Dach. Von der Stadt aber erklingen die Sturmglocken. Sie greifen Kattrins Trommeln auf. Die Stadt ist gewarnt. Ein Soldat sagt vernehmlich neben er toten Kattrin: sie hat es geschafft.

Vater, geheiligt werde dein  Name. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.

Wer betet, ohne berührbar zu werden. Wer betet, ohne Schulden zu erlassen. Wer betet ohne den Mut  zu trommeln, wenn es darauf ankommt, der betet nicht. Der plappert wie die Heiden. Amen.

Pfarrer Ronald Ashley Givens