Schmuckband Kreuzgang

Das Osterfeuer

Ich bin sehr gern dabei, bei einem Feuer. Im Zeltlager wird abends immer ein Lagerfeuer entzündet. Es ist sehr hell und warm in seiner Nähe. Das Feuer schenkt Licht, Wärme, Geborgenheit, Gemütlichkeit, Romantik.

Auf der anderen Seite hat Feuer auch etwas Bedrohliches. „Feuer!“ – dieser Aufruf versetzt alle im Umkreis sofort in Alarmbereitschaft. Die Feuerwehr wird gerufen, um einen entstandenen Brand zu löschen. Den vernichtenden und verzehrenden Aspekt des Feuers kann man erkennen, wenn ein Haus in Flammen aufgeht, wenn man Bilder eines Waldbrandes oder Vulkanausbruchs sieht. Weil Feuer so doppeldeutig ist, werden mit ihm die grundlegenden Lebenserfahrungen im Bild ausgedrückt, beispielsweise das verzehrende Feuer des Zorns und der Leidenschaft oder die wärmende, belebende Glut der Liebe.

Feuer - das ist eines der kostbarsten Güter der Menschheit. Es galt in früheren Zeiten als Gabe der Götter und war den Menschen heilig. Es ermöglicht Leben und Wachstum. Von daher war das Feuer stets Symbol der Sonne, die alles erwärmt und erhellt, die Leben gibt. Wenn die Sonne nach dem Winter wieder höher stieg, entzündete man die „Frühlingsfeuer“, die die lebensspendende Sonne begrüßen sollten. Von ihnen erwartete man sich zugleich auch Wachstum, Fruchtbarkeit und Abwehr von Krankheiten und allen Übeln, die im Feuer vernichtet werden sollten.

Im Christentum löste das geweihte Osterfeuer den heidnischen Brauch der „Frühlingsfeuer“ ab. Bereits seit dem achten Jahrhundert beginnt die Feier der Auferstehung des Herrn mit der Weihe des Osterfeuers. Es soll aus einem Stein geschlagen werden – wohl als Hinweis auf das Hervorgehen Jesu aus dem Felsengrab. Ein tröstliches Zeichen ist das Osterfeuer in der Nacht. Wenn die Flammen hoch schlagen, dann ist die Dunkelheit im Umkreis des Osterfeuers gebannt. „Christus ist glorreich auferstanden von den Toten. Sein Licht vertreibe das Dunkel der Herzen.“ Diese Worte spricht der Priester bei der Entzündung der Osterkerze am Osterfeuer. Sie sind die Botschaft von Ostern. Im Osterfeuer wendet sich der auferstandene Christus selbst den Menschen zu. Er ist die aufgehende Sonne, die Leben schenkt, „Leben in Fülle.“ Um die Kraft dieses Feuers hautnah spüren zu können, ist es daher sinnvoll und wichtig, den Auferstehungsgottesdienst ganz bewusst am Osterfeuer auf dem Apostelplatz zu beginnen und gemeinsam in die Kirche zu ziehen.

Angela Eckart