Schmuckband Kreuzgang

Impuls zum Dienstag

Wie vom unsichtbaren Gott reden?

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Mo 8. Jun 2020
Matthias Lich

Der evangelische Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer war 1932 Studentenseelsorger an einer Technischen Universität. Offenbar hatte er bei den naturwissenschaftlich geprägten Studenten einen schweren Stand. Für diese war das Wort „Gott“ oft ein Fremdwort. In einem Brief an einen Freund schreibt er damals: „Wie soll man diesen Menschen solche Dinge predigen? Wer glaubt denn das noch? Die Unsichtbarkeit macht uns kaputt. (…) Aber dieses wahnwitzige dauernde Zurückgeworfenwerden auf den unsichtbaren Gott selbst – das kann doch kein Mensch mehr aushalten.“

Eine Erfahrung – damals wie heute aktuell. Wie sollen wir von Gott reden? Gott scheint nicht mehr „systemrelevant“. Unsere Systeme, egal ob im öffentlich-gesellschaftlichen oder im privaten Raum, funktionieren scheinbar auch ohne ihn ganz gut. „Ich glaub nix, mir fehlt nix“ ist das unausgesprochene Credo vieler in unserer Zeit. Wie sollen wir da von Gott reden? Aber vielleicht fängt es gar nicht mit dem Reden an, sondern mit der Suche nach Gott in meinem Leben. Mit der Frage: Wo habe ich ihn erfahren? Was würde mir ohne Gott, ohne Glaube dann doch fehlen in meinem Leben? Wenn ich nicht nur irgendwelche auswendig gelernten Katechismussätze verbreite, sondern Erfahrungen mit Gott benennen kann, dann wird Er, der Unsichtbare, durch mich und mein Leben sichtbar. Wie es im heutigen Tagesevangelium heißt: „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt 5,16) 

(Pfr. Thomas Meurer)