Schmuckband Kreuzgang

Impuls zum Freitag

Klagen und Tanzen

baby-428395_1920 (c) pi
Do 21. Mai 2020
Matthias Lich

Als ich hochschwanger in einem der Geburtsvorbereitungskurse saß, sagte die Hebamme:

„Das hat die Natur schon gut eingerichtet, dass die Schmerzen der Geburt meistens schnell vergessen sind! Wenn erst das Baby im Arm liegt, dann ist vieles wieder gut.“

Zunächst glaubte ich ihr nicht wirklich, aber ganz ehrlich: Wenn dem nicht so wäre, gäbe es mit Sicherheit viel weniger Kinder auf der Welt!

Im heutigen Evangelium sagt Jesus es ganz ähnlich:

Wenn die Frau gebären soll, ist sie bekümmert, weil ihre Stunde da ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.

Und er fährt fort:

So seid auch ihr jetzt bekümmert, aber ich werde euch wieder sehen; dann wird euer Herz sich freuen, und niemand nimmt euch eure Freude. An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen.

Dieses Evangelium macht mir Mut: Alles Leid wird ein Ende haben, alle Traurigkeit und alle Unsicherheiten werden vorbeigehen. Auf die derzeitige Situation bezogen: Auch die Corona-Krise wird irgendwann vorüber sein. Und eines Tages werden wir sagen: Wisst ihr noch, damals …? Allerdings: Dies kann kein Kleinreden der dramatischen Lebens-Situationen sein, vor die viele immer wieder gestellt sind! Im Hier und Jetzt gilt es vieles zu bestehen, bei manchen Schicksalen stehe ich einfach nur sprachlos, hilflos und zweifelnd da und weiß mir und den Betroffenen keinen Rat und erst recht keinen Trost.

Was bleibt, ist die Hoffnung. Unser Klagen wird sich in Tanzen verwandeln, singt der Verfasser von Psalm 30 singt. Wann? Wie? Wo? Dies auszuhalten und durchzuhalten, das ist unsere Aufgabe. Die ist zugegebenermaßen nicht immer leicht. Sie fordert heraus, sie überfordert oft, sie bringt an die persönlichen Grenzen. Wir müssen sie nicht einfach hinnehmen. Wir dürfen uns aufbäumen, zweifeln, schreien, kämpfen, ringen, klagen, weinen. Und hoffen. Auf ihn. Auf seine Hilfe. Auf sein Mitgehen. Alles wird gut. Ostern gibt Zeugnis davon. Daran möchte ich glauben. 

(Pastoralreferentin Janina Adler)