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Franziskanisches Wirken in Alzey

Ordensmann St. Joseph Alzey (c) Pfarrer Bretz (Ersteller: Pfarrer Bretz)
Ordensmann St. Joseph Alzey

Die franziskanische Bewegung

Wenn die Christenheit 2017 der vor 500 Jahren begonnen Reformation und den Entwicklungen der Christenheit gedenkt, darf nicht vergessen werden, dass Reformation und Erneuerung und Umkehr Aufgabe jedes Christen und jeder christlichen Generation bleibt.

Jede neue Zeit, jede wirtschaftliche und politische Veränderung erzwingt auch eine Veränderung der in den ’neuen‘ Zeit lebenden Christen.

Es gibt neue Erfordernisse und neue Möglichkeiten –

Vergessenes aus dem Ursprung der Kirche gewinnt neue Aktualität.

Die Zisterzienserinnenklöster Alzeys sind benediktinische  Reformbewegungen. Eine altehrwürdige monastische Tradition verlangt nach Erneuerung aus dem Ursprung.

Die Bettelordensklöster der Augustiner-Eremiten sind Antwort auf die wachsenden Städte, der Handel und das Handwerk, dass die Gesellschaft prägt. Sind zugleich, in einer reicher werdenden Gesellschaft Antwort auf die Sehnsucht nach evangeliumgemäßer Armut.

Das Antoniterhaus schließlich ist Antwort auf eine Not gesundheitlicher Art. Pflege und Heimat bei unheilbarer Krankheit und Einsatz neuester medizinischer Erkenntnis.

Jede Erneuerung aber erzeugt Spannungen und Auseinandersetzungen.

Formen und Lebensweisen müssen gefunden und erprobt werden.

Neue Formen sind aber auch eine Herausforderung an das Alte, sind Kritik.

Dem armen Christus folgen auf den Spuren des Evangeliums, das war ein Sehnsucht, die im 12. Jhdt die reichen Handelsstädte Norditaliens erfüllte.

Die bekannteste Gestalt ist die des Franziskus von Assisi (1181-1226).

1210 wird seine Gemeinschaft und ihre Regel vom Papst anerkannt. Das große Ideal, das immer wieder neu eingeholt und bewahrt und ins Leben übersetzt sein will.

Was heißt Armut, wieviel Besitz darf das franziskanische Haus oder der einzelne haben?

Ein Ringen setzt darüber sehr bald ein und damit die Spaltung.

Ab 1517 sind es zwei eigenständige Ordenszweige:

Die Konventualten OFM conventualis

Und die strengere Richtung der strengen Regelobservanz  OFM-observantis.

Und das Ringen geht noch weiter. Verschiedene Persönlichkeiten und Gruppe in Ober Italien ringen um nochmals eine strengere, ärmere Lebensweise. Nach ihrer braunen Kutte und der spitzen Kapuze Kapuziner genannt. 1525 wird ihr Orden anerkannt: OFM capucinorum.

Die Franziskaner mit ihrer Armut leben nicht in eigenen Häusern, auch nicht  in Klöstern, sondern in sogenannten ‚Häusern‘ mitten unter den Menschen der Stadt.

Die Häuser werden ihnen zur Verfügung gestellt, von der Stadt, von der Kirche.

Sie leben vom Betteln. Sie predigen, arbeiten in der Seelsorge.

Strenge Ausbildungsvorschriften sichern die biblische Qualität der Predigt.

Die Konventualen und ihre Konvente sind anfällig für die Gedanken der Reformation. Viele Häuser lösen sich auf.

Die Franziskaner der strengen Observanz und die Kapuziner widersetzen sich den neuen Ideen.

Getragen von ihrer biblischen Frömmigkeit und ihrer Armut werden sie eine starke Kraft sowohl der katholischen Reform, also der Erneuerung des ‚alten‘ Glaubens aus dem Evangelium, als auch zu einer Kraft der Re-Katholisierung der Gebiete, in denen das katholische Leben wieder erlaubt und möglich geworden ist.

Reformen wollten alle, gestritten wurde dabei über die theologischen und kirchenpolitischen Positionen.

 

Das Wirken der Franziskaner in Alzey

Im Rheinhessischen Raum gab es ab dem 15. Jhdt viele Franziskanerklöster. Koblenz 1641; Bad Kreuznach 1470; Mainz 1649 und Oppenheim 1569.

In der Reformation wurden sie aufgelöst.

Mit der Besetzung der linksrheinischen Pfalz, mit Unterbrechungen von 1620 bis 1644 erstehen sie neu, nun aber mit der Ausrichtung der strengen Observanz.

Alzey, Bacharach, Koblenz und Mainz gehörten der kölnischen Ordensprovinz, Oppenheim und Kreuznach der Franziskanerprovinz Argentina an.

Das Wirken der Franziskaner ist in Alzey also eng verwoben mit der Geschichte der Reformation in der Oberamtsstadt und den politischen Träumen von Kurfürst Friedrich V als böhmischer König. Seine Kandidatur und Wahl brachten ihn in den Gegensatz zum Kaiser. Die spanischen Habsburger beteiligten sich an den Strafmaßnahmen durch die Besetzung der Kurpfalz. Ende 1620 marschierten 24.200 Soldaten ein, 17.905 Infanteristen und 6.300 Mann Kavallerie.

Am 16. September 1620 fällt Kreuznach.

Am 10.09.1620 wird Alzey übergeben.

 

Im Winterquartier im Oberamt Alzey und der Stadt sind 14 Kompanien, 3.200 Mann.

In der kommenden Zeit verbleiben dort 1623 3 Kompanien (1.200 Mann) und ab 1625 eine Kompanie (400 Mann).

Damit wird zumindest der katholische Gottesdienst möglich.

Ein Jesuit, P. Wilheim betreut die spanischen Truppen.

1625 geht es um die Versorgung des katholischen Pfarrers von Alzey und Kettenheim.

Pater Wilheim unterstützt den katholischen Pfarrer, es entsteht eine rege katechetische Tätigkeit.

Ein katholischer Lehrer führt eine Knabenschule, der Jesuit gründet eine Mädchenschule.

Theater, Gruppenstunden, etc.

Mit der Wiederherstellung der Klöster kann der Mainzer Erzbischof nun die Seelsorge aufbauen.

Mit dem Konzil von Trient beginnen die Visitationen und die Reform des Klerus.

  1. Wilheim beschafft für den Raum Alzey Bad Kreuznach 6.000 Katechismen, wahrscheinlich der kleine Katechismus des Petrus Canisius.

Ihm wird zur Errichtung eines Jesuitennoviziats das Antoniterkloster zugewiesen.

Als keine Jesuiten kommen gibt EB Scheikard von Kronstein das Kloster den Franziskanern als Haus.

 

Ab 1626 ging die Rekatholisierung in eine offensivere Phase.

Franziskanische Neugründungen waren Bacharach 1627, Kreuznach 1623; Mainz 1612.

Alzey beherbergt ein franziskanisches Haus von 1627 bis 1649.

Man bemühte sich durch Glaubensgespräche, Jugendarbeit, Theaterspiel und Hausbesuche die Bevölkerung in den katholischen Glauben zurückzuführen.

1628 beauftragt der EB einen der Weihbischöfe mit der Visitation und der Firmung im Oberamt Alzey.

Das gesamte Oberamt galt als Rekatholisiert.

Jedoch die Bevölkerung musste unendlich viele Konfessionswechsel über sich ergehen lassen – viele werden sich einfach ‚weggeduckt‘ haben:

Lutherisch –Reformiert – Lutherisch – Reformiert – Katholisch (Spanier) – Reformiert – Katholisch(Franzosen).

 

Ein Rückblick.

Um die Kriege einzudämmen hatte der Augsburger Religionsfrieden bestimmt: Cuius Regio eius Religio.

1655 nun Kurfürst Ottheinrich die neue, lutherisch geprägte Kirchenordnung ein.

Sein Nachfolger Friedrich III (1659) wendet sich dem Calvinismus zu.

1576 wird unter Ludwig IV das Luthertum wieder hergestellt.

1586 wird das Gebiet unter Johann Casimir dann wieder Calvinistisch.

1620 bis 1631 gewinnt der Katholizismus wieder Raum.

Die lutherische Phase durch Gustav Adolf von Schweden währt von 1631 bis 1634.

1637 bis 1644 kehren die Spanier zurück.

 

Was das Wirken der Franziskaner anbelangt so ist einer zumindest namentlich bekannt:

Es gibt ein Handschreiben des Mainzer Erzbischofs Anselm Casimir (Wamboldt von Umstadt 1579-1647 – Erzbischof 1629-1647) an Bernhardin Vettweiß OFM, geboren 1599 in Vettweiß bei Düren, gestorben 10.12.1668 in Köln. Dieses Schreiben beauftragt ihn zum Wirken in Alzey.

Von ihm ist ein theologisches Werk erhalten, dass 1668 in Mainz gedruckt wurde:

Spiegel der wahren Kirchen Christi und der falschen Kirchen.

Worinnen kärlich erwiesen wird, dass die Römisch Catholische Kirche die wahre und einige Kirche Christi sey …

Zurück zu dem gefalteten Schreiben im Archiv unseres Pfarramtes: Zweifach gefaltet misst es 34,5 auf 62 cm.

Das Handschreiben hat 10 Zeilen, der Text ist Latein und wurde vom Erzbischof am 8.11.1630 in Mainz unterzeichnete. Das Ordinariat und  Alzey zeichnen auf der Vorderseite gegen.

Kurz zusammengefasst wurde Pater Bernardin vom Bischof beauftragt in Alzey den katholischen Glauben zu bekunden und zu stärken und weist ihm Alzey auf Wohn- und Aufenthaltsort zu.

 

Wenn Sie sich näher mit diesen Themenkreisen beschäftigen möchten, so sind die wikipedia-Einträge zu empfehlen, sie bieten eine kurze und solide Information:

REFORMATION – KATHOLISCHE REFORM – KONZIL VON TRIENT –

FRANZISKANER – KAPUZINER – FRANZ VON ASSISI

ANSELM CASIMIR WAMBOLD VON UMSTATT – JOHANN SCHWEIKARD VON KRONBERG

(Pfarrer Bretz)