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Neuer Pfarreienzuschnitt beschlossen

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Datum:
Do. 25. März 2021
Von:
Stefan Karl-Haas

Pfarreizuschnitt im katholischen Dekanat Rüsselsheim steht fest

Dekanatsrat beschließt mit großer Mehrheit Variante mit drei Pfarreien 

 

Der Dekanatsrat im katholischen Dekanat Rüsselsheim hat auf seiner digitalen Sitzung am Dienstagabend (23. März) folgenden Beschluss gefasst: Im Kreis Groß-Gerau soll es künftig eine Pfarrei am Main geben, bestehend aus den Gemeinden der Kommunen Kelsterbach, Raunheim und Rüsselsheim (ohne Königstädten); die Katholikenzahl dieser Pfarrei beträgt knapp 16 000. Die Gemeinden des Mittelkreises, von Mörfelden-Walldorf über Büttelborn, Groß-Gerau bis Astheim, Trebur, Geinsheim und inklusive Nauheim / Königstädten, sollen zu einer weiteren Pfarrei zusammengefasst werden (knapp 21 000 Katholiken). Die Ried-Gemeinden Riedstadt, Biebesheim, Stockstadt und Gernsheim bilden die dritte Pfarrei (10 000 Katholiken). Die Gemeinden der Mainspitze hatten bereits im Vorfeld dafür plädiert, mit dem außerhalb des Dekanats gelegenen Pfarreienverbund Amöneburg, Kastel und Kostheim zu fusionieren. 

Alle diese neuen zukünftigen Pfarreien sollen als Netzwerke fungieren, in denen die bisherigen Gemeinden, aber auch andere kirchliche Orte wie die Caritas-Zentren oder Kindertagesstätten Knotenpunkte bilden. Auch die muttersprachlichen Gemeinden – im Dekanat bestehen zwei italienisch-, eine kroatisch- und eine spanischsprachige Gemeinde – werden Bestandteile dieser Netzwerke, sollen aber eine pastorale Zuständigkeit für die jeweilige Sprachgruppe über die Grenzen dieser Pfarreien hinaus behalten.

Im kommenden Frühjahr wird Bischof Kohlgraf die „pastoralen Räume“ als Übergangsformen in Kraft setzen. Die tatsächliche Bildung der neuen Pfarreien soll sich dann nach und nach im Zeitraum bis 2030 vollziehen.

 

 

 

In den vergangenen Monaten hatten die katholischen Gemeinden im Kreis bereits ausführlich über verschiedene Möglichkeiten nachgedacht, wie die Vorgabe des Bistums, drei Pfarreien zu bilden, umgesetzt werden könnte. Vor gut zwei Wochen hatten sich dann etwa 80 ehren- und hauptamtlich Aktive bei einem als Videokonferenz durchgeführten sogenannten „Ratschlag“ über die verschiedenen Varianten ausgetauscht. „Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, alle Gemeinden im Beratungsprozess einzubinden und am Ende eine Lösung zu finden, die insgesamt als konsensfähig bewertet wurde“, so Christine Breser, Vorsitzende des Dekanatsrats.

Die Entscheidung im Dekanatsrat, in dem die katholischen Gemeinden und Einrichtungen mit Ehren- und Hauptamtlichen vertreten sind, fiel nun mit einer großen Mehrheit. Über 90 Prozent der stimmberechtigten Teilnehmer der als Videokonferenz durchgeführten Sitzung stimmten für die Beschlussvorlage des Dekanatsvorstandes. „Nachdem die Gespräche vor zwei Wochen schon recht deutlich auf die jetzt gefundene Variante zugelaufen sind, lag diese Entscheidung offensichtlich auf der Hand“, sagt Dekan Karl Zirmer.

Einzelne bis zuletzt offene Fragen waren die Zuordnung von Worfelden und Bauschheim. In beiden Gemeinden sind Umfragen durchgeführt worden. Die Katholiken aus Worfelden, das kommunal zu Büttelborn gehört, entschieden sich, weiterhin zur Gemeinde St. Johannes der Täufer in Weiterstadt gehören zu wollen. Die Bauschheimer Katholiken haben sich für den Verbleib in Rüsselsheim und gegen eine denkbare Angliederung an die Gemeinden der Mainspitze ausgesprochen.

 

Stichwort Pastoraler Weg

Schon seit dem Jahr 2019 ist das Dekanat Rüsselsheim unterwegs auf dem Pastoralen Weg im Bistum Mainz. Zunächst standen inhaltliche Fragen im Vordergrund: Zur Frage „Was brauchen die Menschen?“ wurden viele Interviews geführt, bevor sich die Gemeinden mit der Frage nach künftigen Schwerpunkten beschäftigten. Seit dem Herbst des vergangenen Jahres steht die Frage nach dem Zuschnitt der künftigen Pfarreien im Mittelpunkt. Dabei sollen im Dekanat Rüsselsheim (das etwa dem Landkreis Groß-Gerau entspricht) drei Pfarreien gebildet werden; die künftige Pfarrei aus dem Pfarreienverbund AKK und der Pfarrgruppe Mainspitze würde eine weitere Pfarrei bilden.

Der Pastorale Weg im Bistum Mainz ist ein Weg der Entwicklung und Erneuerung der Kirche im Bistum Mainz. Neben inhaltlichen Fragen geht es dabei um veränderte Strukturen: Weil die Zahl der Gläubigen, der Hauptamtlichen und dabei insbesondere der Priester in den nächsten Jahren weiter sinken wird, wird die Zahl der Pfarreien deutlich reduziert. Dieser Schritt soll gleichzeitig Erleichterungen beispielsweise in der Verwaltung bringen. Unterhalb der neu entstehenden größeren Pfarreien sollen aber die Gemeinden, in denen das pastorale Leben stattfindet, in ihrer bisherigen Form vor Ort erhalten bleiben.

Grundlegende Veränderungen etwa in der Frage des Frauenpriestertums oder die Aufhebung des verpflichtenden Zölibats für Priester werden zeitgleich im deutschlandweit stattfindenden Synodalen Weg diskutiert. Änderungen in diesen Fragen müssten aber auf weltkirchlicher Ebene, also in Rom, entschieden werden.